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“Meine Idee war: radikale Einfachheit” - Im Interview mit Prof. Dr. Guenter Faltin

Klaus-Martin Meyer: Der Schwerpunkt unseres Blogs sind bisher Interviews mit Unternehmern und Bloggern. Zudem haben wir u.a. noch die Rubrik “Wissenschaftler”. Ich nehme an, Sie fühlen sich in allen drei “Schubladen” nicht unwohl?

Prof. Dr. Guenter Faltin: Ja - es sind drei Rollen, die eigentlich gut zusammenpassen. Schon während der Schulzeit habe ich mich leidenschaftlich gern mit Ökonomie beschäftigt. Als ich anfing, es zu studieren, wurde ich enttäuscht. Dieses für mich so spannende Gebiet war an der Universität abstrakt und langweilig. Als ich dann selbst Hochschullehrer wurde schwor ich mir, Ökonomie anders zu lehren. Wie könnte man dies besser tun, als am Beispiel einer eigenen Unternehmensgründung? Mir war aufgefallen, dass Tee in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Länder unverhältnismäßig teuer ist. Meine Idee war: radikale Einfachheit - sich auf eine einzige Sorte, nämlich Darjeeling, zu beschränken, um so möglichst ökonomisch, ökologisch und kostengünstig zu handeln. Mittlerweile ist die “Teekampagne” das größte Teeversandhaus in Deutschland. Auf unseren Internetseiten www.entrepreneurship.de finden Sie eine ganze Reihe von Unternehmen, die nach diesem Vorbild gegründet wurden. Seit einigen Monaten haben wir mit unserem Blog die Möglichkeit, neue Entwicklungen in Sachen Entrepreneurship vielen Interessierten zugänglich zu machen. So übertragen wir auch unser “Labor für Entrepreneurship” live und stellen die Aufzeichnungen später im Blog zur Verfügung.

Klaus-Martin Meyer:
Können Sie unseren Leser kurz erklären, was das “Labor für Entrepreneurship” genau ist?

Prof. Dr. Guenter Faltin: Das “Labor für Entrepreneurship” ist eine Methode, systematisch aus einem Rohstoff - das kann ein Patent, eine neue Technologie oder eine neue Idee sein - ein durchdachtes und in allen notwendigen, auch betriebswirtschaftlichen Aspekten ausgereiftes Business Model zu entwickeln. Hierbei kommen eigens dafür entwickelte Verfahren des Idea Development und Idea Refinement zum Einsatz. Erst dann beginnt die praktische Umsetzung. Die Teilnehmer sind in ihrem Gründungvorhaben bereits fortgeschritten und unterstützen sich gegenseitig bei der Ausarbeitung.

Klaus-Martin Meyer: Haben Sie so etwas wie ein Lieblingsgeschäftsmodell, welches Sie gern selber erdacht und umgesetzt hätten? Wenn ja, was zeichnet dieses Modell aus?

Prof. Dr. Guenter Faltin: Mein Lieblingsmodell heißt Skype. Es zeigt, dass man nicht selbst etwas erfinden muss, sondern Vorhandenes hocherfolgreich neu in Szene setzen kann. Einer der beiden Gründer war ja sogar auf der Flucht vor der amerikanischen Musikindustrie. Auf der Basis der vorhandenen VOIP-Software haben sie mit verhältnismäßig geringem Aufwand in weniger als einem Jahr die nach Teilnehmern größte Telekom-Gesellschaft der Welt aufgebaut. Es zeigt sich schon heute, dass die Gründer wahrscheinlich viel zu billig verkauft haben, obwohl ja für Normalmenschen ein Kaufpreis von 1,8 Milliarden US-Dollar bereits unglaublich hoch erscheint.

Klaus-Martin Meyer:
In einem Fernsehinterview berichteten Sie, dass Sie mit der Teekampagne Japan erobern wollen? Das klingt ein wenig nach der Krönung des Geschäftsmodells. Ist es ein Höhepunkt für die Teekampagne?

Prof. Dr. Guenter Faltin: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Teekampagne auch international durchsetzen kann. Deswegen starteten wir im letzten Jahr in Japan. Ein Konzept wie das der Teekampagne ist in Japan völlig unüblich. Darjeeling wird dort in Kleinstpackungen gehandelt und fast niemand kauft ihn bisher über das Internet. Ich würde das nicht Höhepunkt nennen, sondern Härtetest.

Klaus-Martin Meyer: Zum Schluss wollen wir unsere Standardabschlussfrage etwas modifizieren. Welche tollen Geschäftsmodelle werden Ihre Studenten in den nächsten fünf Jahren realisieren?

Prof. Dr. Guenter Faltin: Zunächst einmal brauchen wir eine viel breitere Gründerkultur, ohne Subventionsmentalität. Wir brauchen nachhaltig rentable Gründungen. In meinem Umfeld ist einiges in der Pipeline: ein Geschäftsmodell, das die Verbindung von Communities und Entrepreneurship ins Visier nimmt und ein neues Fernsehformat, und zwar über das Internet, um nur zwei Beispiele zu nennen, die in Arbeit sind. Wenn man das richtige Handwerkszeug zur Verfügung hat und den Nachdruck auf ein gutes Business Modell legt, wird Entrepreneurship für viel mehr Menschen zugänglich, als wir uns heute vorstellen können.

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4 Kommentare zu ““Meine Idee war: radikale Einfachheit” - Im Interview mit Prof. Dr. Guenter Faltin”

  1. Marko Krause sagt:

    Ich kann das Labor für Entrepreneurship nur jeden ans Herz legen. Habe selber dort im Juni 2006 mein Geschäftsmodell “KiSTORY-Die Kiste mit Geschichte” vorgestellt und viele neue Aspekte gesichtet. Das Labor für Entrepreneurship wird auch Live ins Internet übertragen und begeistert mit Interessanten Persönlichkeiten und Themen. Sehr zu empfehlen.

  2. Prof. Dr. Günter Faltin im Interview: “Meine Idee war: radikale Einfachheit” sagt:

    […] Im Interview mit Klaus-Martin Meyer von interview blog spricht Prof. Dr. Günter Faltin über die Teekampagne und Entrepreneurship. Lesen Sie hier das gesamte Interview. […]

  3. "Es kann sinnvoll (und lukrativ)sein, (Branchen-)Konventionen zu durchbrechen." » » Interview Blog sagt:

    […] interview-blog.de: Kürzlich haben Sie ihr Geschäftsmodell bei Prof. Dr. Günter Faltin (den wir auch schon im Interview hatten) vorgestellt. Wie wichtig und nützlich ist das Feedback eines so ausgewiesenen Gründungsexperten? […]

  4. Interviews aus der Gründerzeit(-villa) » Interview Blog sagt:

    […] - Interview mit Prof. Faltin […]

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