Dr. Martin Riedmiller, Neuroinformatik Robo Kicker “Ich denke, dass in 10 Jahren ein vernünftiges Spiel von Humanoid Robotern gegen Jugendmannschaften nicht unrealistisch ist.” - Im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Riedmiller (Uni Osnabrück) » Interview Blog

“Ich denke, dass in 10 Jahren ein vernünftiges Spiel von Humanoid Robotern gegen Jugendmannschaften nicht unrealistisch ist.” - Im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Riedmiller (Uni Osnabrück)

Klaus-Martin Meyer: Herr Prof. Dr. Riedmiller, Sie beschäftigen sich an der Universität Osnabrück mit dem Thema Neuroinformatik. Können Sie Ihr Fachgebiet bitte kurz vorstellen?

Dr. Martin Riedmiller: Neuroinformatik ist ein Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz Forschung. Wir untersuchen vereinfachte mathematische Modelle des Gehirns, mit dem Ziel, Algorithmen für lernfähige Computerprogramme zu entwickeln. Die Idee dabei ist, dass zukünftige Softwaresysteme nicht mehr komplett ausprogrammiert werden müssen, sondern ihr Verhalten zu großen Teilen aus Daten oder Erfahrung selbst erlernen können.

Klaus-Martin Meyer: Sie wurden mit Ihrem Team Brainstormers Robo-Soccer Weltmeister 2005 in Osaka. 2006 wurde der Erfolg in Bremen wiederholt. Warum ist die Uni Osnabrück soviel erfolgreicher im Fußball als der VFL Osnabrück?

Dr. Martin Riedmiller: Unser Erfolg basiert auf dem sehr großen Engagement eines großartigen Teams aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten, die viel von ihrer Freizeit opfern, weil sie schlichtweg von dem Thema fasziniert sind. Ein ganz entscheidender Baustein ist unser Motto für die Entwicklung der Roboter und der Software: ‘No excuses - keine Ausreden’.

Klaus-Martin Meyer: Worin liegt die besondere Herausforderung bei der Programmierung von Robotern, die Fußball spielen können? Und warum macht es die Sache schwieriger, wenn beide Tore nicht die gleiche Farbe haben?

Dr. Martin Riedmiller: Herausforderungen gibt es viele: die Einheit von mechanischen, elektronischen und softwaretechnischen Komponenten, die nur im Zusammenspiel zu einem Erfolg führen. Dann natürlich Fragen der Steuerung eines Roboters, der bis zu 4m/s schnell ist und trotzdem präzise fahren muss,  Fragen der Bildverarbeitung, die bis zu 30 Bilder pro Sekunde erfassen und auswerten muss, die Positionsbestimmung auf dem Spielfeld und nicht zuletzt Fragen der Kooperation in einem Team von eigenständigen autonomen Robotern. Farbe ist deshalb wichtig, weil die Erkennung von Farben rechentechnisch sehr viel einfacher und schneller zu erledigen ist als die Erkennung von Formen. Das Wegfallen der Farben erfordert deshalb von den Teams neue Ideen und Konzepte - eine Aufgabe, die unser Team allerdings schon vor drei Jahren gelöst hat und die uns deshalb vor keine Probleme stellt.

Klaus-Martin Meyer: Erlauben Sie uns eine politisch nicht korrekte Frage. Was ist das größere Problem: Einer Frau zu erklären, was Abseits ist oder einem Computer?

Dr. Martin Riedmiller: Wenn ich wüsste, was Abseits genau ist, könnte ich es auch einer Frau erklären ;-)

Klaus-Martin Meyer:
Zum Abschluss unsere gewohnte Fünfjahresfrage. Werden in fünf Jahren humanoide Robo-Kicker gegen Kreisklasse-Fußballer schon eine Chance haben?

Dr. Martin Riedmiller:
Wir haben als Weltmeister der Middlesize Liga letztes Jahr zum ersten Mal gegen erwachsene Menschen gespielt. Vor dem Spiel haben es alle sehr locker genommen, aber als dann im Spiel ein Roboterteam im Verband auf den Ball zugefahren ist, mussten sich die Menschen schon etwas anstrengen, um erfolgreich zu sein. Ich denke, dass in 10 Jahren ein vernünftiges Spiel von Humanoid Robotern gegen Jugendmannschaften nicht unrealistisch ist.

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Ein Kommentar zu ““Ich denke, dass in 10 Jahren ein vernünftiges Spiel von Humanoid Robotern gegen Jugendmannschaften nicht unrealistisch ist.” - Im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Riedmiller (Uni Osnabrück)”

  1. Carmen Pusack sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof.Dr. Riedmiller,
    mit Interesse habe ich im Fernsehen Ihre Robo-Kicker verfolgt. Wollen Sie - anstatt Fußballfans - nicht lieber Tausende von Hausfrauen glücklich machen, indem Sie diese Robos zum Staubsaugen einsetzen, bzw. “weiter entwickeln” ??? Das wäre “die Errungenschaft” , die wir Frauen benötigen!
    Viele Grüße Carmen Pusack

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