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“Es hat mich immer schon gereizt, abseits der touristischen Pfade zu reisen” - Interview mit einem Nordkorea-Reisenden

interview-blog.de: Herr Müller, Sie waren im letzten Jahr in Nordkorea. Das ist ein ungewöhnliches Reiseziel. Wie kommt man auf eine solche Idee?

Peter Müller: Es hat mich immer schon gereizt, abseits der touristischen Pfade zu reisen. Es hat sich gelohnt, Nordkorea ist eines der interessantesten Orte, an denen ich je gewesen bin.

interview-blog.de: Man kann nach Nordkorea nicht einfach so reisen, wie nach Mallorca. Pauschalreisen und Linieflüge stehen nicht zur Verfügung. Wie kommt man dennoch hin und wie beschwerlich ist die Anreise?

Peter Müller: Nun, das ist nicht ganz richtig. Einige Spezialveranstalter bieten durchaus geführte Gruppenreisen. Individualreisende können eine Tour beim staatlichen Reiseveranstalter buchen. Sie bekommen aber in jedem Fall zwei charmante Reiseleiter, die Sie auf Schritt und Tritt begleiten. Die Anreise ist keinesfalls beschwerlich: Zweimal wöchentlich verbindet Air Koryo mit alten, aber gepflegten sowjetischen Flugzeugen Peking und Pyongyang. Es gibt an Bord exzellenten Service und ein so reichhaltiges Essen, wie ich es bei noch keiner anderen Fluggesellschaft erlebt habe.

interview-blog.de:
Können Sie uns etwas von Ihren Reiseeindrücken schildern? Konnten Sie auch Kontakte zu Einheimischen knüpfen?

Peter Müller:
Abgesehen von den Reiseleitern und Hotelpersonal ist es eher selten. Einheimische weichen Touristen eher aus, sie fühlen sich gefährdet, in den Verdacht zu geraten mit Spionen zu kollaborieren.

interview-blog.de: Es gibt auch einige wenige deutsche Firmen, die in Nordkorea aktiv sind. Können Sie uns dazu auch etwas sagen?

Peter Müller: An deutschen Firmen fällt mir derzeit nur DHL ein. Aber es gibt einige europäische Firmen, die in der Europäischen Handelskammer vertreten sind. Die EBA hilft gerne Firmen, die interessiert sind, in Nordkorea zu investieren.

interview-blog.de: Ist es überhaupt für westliche Firmen möglich, in Nordkorea eine Niederlassung zu errichten?

Peter Müller: Dem Vernehmen nach, wird das Investmentklima in letzter Zeit von Nordkoreanischer Seite immer günstiger. Die Nordkoreaner bemühen sich intensiv um Kontakte nach außen.

interview-blog.de:
Welches sind die größten Hürden?

Peter Müller:
Leider behindert der Westen diese positive Entwicklung durch ein de-facto vollständiges Embargo, das durch die völlige Unterbrechung des internationalen Zahlungsverkehrs auch seriöse Banken zwingt, Bargeld im Köfferchen nach Nordkorea zu bringen. Überweisungen von und nach Nordkorea sind derzeit quasi unmöglich, was die nordkoreanische Wirtschaft von Handelspartnern in der Welt abschneidet.

interview-blog.de: An der Grenze zu Südkorea gibt es in Kaesong eine Sonderwirtschaftszone. Wie wichtig sind derartige Projekte auch für den koreanischen Friedensprozeß aus Ihrer Sicht?

Peter Müller:
Ich denke, wirtschaftliche Zusammenarbeit ist das, was das Land am dringendsten braucht. Es wird so eine schrittweise Öffnung erreicht, die den Menschen auf lange Sicht zu Gute kommen wird. Einen deutlichen Impuls zum Wandel erwarte ich allerdings eher aus Richtung China.

interview-blog.de: Zum Abschluß quälen wir unsere Interviewpartner immer mit einer Standardfrage. Spielen wir einmal “Wünsch-Dir-was”. Wie sieht das Nordkorea des Jahres 2012 aus?

Peter Müller: Ich kann mir gut vorstellen, dass sich bis 2012 nur sehr wenig ändern wird. Mittelfristig erwarte ich, dass NK dem Weg Chinas folgen wird und einen staatlich gelenkten Kapitalismus unter Führung der Arbeiterpartei installieren wird, der weiterhin “Sozialismus” genannt wird. In diesem Falle erwarte ich einen nachhaltigen Wirtschaftsboom.

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2 Kommentare zu ““Es hat mich immer schon gereizt, abseits der touristischen Pfade zu reisen” - Interview mit einem Nordkorea-Reisenden”

  1. Kaesong, Nordkorea, Nosotek Pyongyang im Interview Blog sagt:

    […] Gespräch mit Peter Müller über seine Nordkorea-Reise Stichworte: Kaesong Nordkorea Nosotek Pyongyang « “Our company was founded in 1993 and since then has been the universally recognised expert in travel to the DPRK” - Interview with Simon (General Manager of Koryo Tours) […]

  2. Deutsche Welle, Interview Blog, Nominierung, Nordkorea The Bobs 2008 im Interview Blog sagt:

    […] Gespräch mit Peter Müller über seine Nordkorea-Reise Stichworte: Deutsche Welle Interview Blog Nominierung Nordkorea The Bobs 2008 « “Das Prinzip ist einfach: Wer eine Beschwerde hat, besucht die Internetseite www.klerax.org.” - OpenInterview mit Alexander Friedrich […]

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