“Die größte Gefahr bei Wissenschaftlern ist, dass Sie zu sehr ihrer Technologie verhaftet sind” - Im Gespräch mit Lars Behrend (SiRion GmbH)
interview-blog.de: Herr Dr. Behrend, Sie sind Gründer der Firma SiRion GmbH. Können Sie sich und Ihre Firma kurz vorstellen?
Lars Behrend: Die Firma wurde von Dr. Christian Thirion und mir vor etwas mehr als einem Jahr gegründet. Sirion stellt Forschungsreagenzien und Services für die medizinische Forschung zur Verfügung. Dabei verwenden wir ein Verfahren um Gene auszuschalten, die so genannt RNA Interferenz Technologie (RNAi). Diese RNAi Technologie kombinieren wir mit innovativen Technologien um Gene in Zellen einzuschleusen. Heraus kommen Produkte mit denen der Forscher wesentlich schneller und effizienter als bisher die Funktion von Genen untersuchen kann. Das Wissen um die Beteiligung von einzelnen Genen an Krankheiten ist wiederum die Grundlage für die moderne Arzneimittelforschung.
interview-blog.de: Könnten Sie unseren Lesern bitte kurz und verständlich erklären, was ein “RNA-Interferenz-Verfahren” ist?
Lars Behrend: Nun, bei der RNA-Interferenz stören wir ein Zwischenprodukt beim Umschreiben von Genen in Proteine. Dabei schalten wir gezielt immer nur ein Protein aus. Jedes einzelne Protein in unserem Körper hat je nach dessen Aufbau eine bestimmte Funktion. Einige Proteine sind z.B. für die Elastizität unserer Haut notwendig andere wiederum ermöglichen es das Nervenimpulse übertragen werden. Schalten wir nun im Experiment, d.h. in gezüchteten Zellen, ein solches Protein aus, so fällt auch dessen Funktion aus. Wir können dann anhand der Auswirkungen auf die Zellen abschätzen welche Rolle das fehlende Protein hat. Mit der RNA-Interferenz kann man erstmals sehr schnell und kostengünstig Gene ausschalten, weshalb diese Technologie eine große Zukunft prophezeit wird.
interview-blog.de: Neben der “Ehrung” durch die Wirtschaftswoche (Top50
Gründer) haben Sie - wie auf Ihrer Webseite zu lesen ist - schon in 2005 und 2006 je einen BusinessPlan-Wettbewerb gewonnen. Wie hilfreich ist diese Form der öffentlichen Wahrnehmung für die Geschäftsentwicklung einer Technologiefirma?
Lars Behrend: Beide Wettbewerbe, der Münchner Business Plan Wettbewerb und Science4life, haben uns sehr geholfen. Solche Wettbewerbe bieten einem das erste Mal die Möglichkeit einem breiteren Publikum seine Idee zu präsentieren. Daraus entwickelt sich dann meist eine ganz eigene Dynamik. Sie bekommen dadurch Anregungen zur Verbesserung des Businessplans und entwickeln aber auch, wenn die Idee positiv aufgenommen wird, mehr Selbstvertrauen. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass Sie in solchen Wettbewerben zumeist die Möglichkeit haben ein erstes Netzwerk aufzubauen. Das geht natürlich nur, wenn Sie neben dem Einreichen des Businessplans auch die zahlreichen Angebote zu Infoveranstaltungen und Network-Meetings tatsächlich wahrnehmen.
interview-blog.de: Was würden Sie jungen Gründern empfehlen, wenn sie ein Technologie getriebenen Start-up gründen wollen?
Lars Behrend: Ich glaube, dass die größte Gefahr bei Wissenschaftlern ist, dass Sie zu sehr ihrer Technologie verhaftet sind. Das sieht man dann oft schon am Businessplan indem Markt und Wettbewerb auf 10, der Technologieteil aber oft auf mehreren Dutzend Seiten abgehandelt wird. Das Problem ist, dass man als Wissenschaftler in seiner Ausbildung in Deutschland sehr wenig über Marketing oder Betriebswirtschaft lernt. Auch wir hatten diese Problem anfangs und haben die Lücke durch einen externen Berater schließen können, der noch in diesem Jahr unser Management Team verstärken wird.
interview-blog.de: Zum Abschluss wie üblich unsere Fünf-Jahres-Frage. Wo steht die Firma SiRion in fünf Jahren?
Lars Behrend: Diese Frage stellen wir bei Vorstellungsgesprächen unseren Bewerbern, bezogen auf Ihre Zukunft, auch immer. Ich glaube das siRion durchaus die Chance hat sich im genannten Zeitraum zu einem Mittelständischen Biotechnologie-Unternehmen zu entwickeln. Dafür wird neben der Entwicklung der Firma maßgeblich aber auch die Entwicklung der Finanzierungslandschaft im Bereich Risikokapital in Deutschland eine Rolle spielen. Technologie getriebene Unternehmen sind nun mal nicht mit ein paar Hunderttausend aufzubauen.
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