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Zu Besuch in der Moema Espresso Republic

interview-blog.de: Wie kommen etablierte Unternehmensberater auf die Idee ins Espresso-Geschäft einzusteigen?

Ozan Taner: Wolfgang Rüth und Ozan Taner waren Unternehmensberater bei Roland Berger in Brasilien, Niels Frandsen bei AT Kearney und wir haben dort unsere Freundschaft aufgebaut. Unter anderem waren wir in Brasilien für viele mittelständige Unternehmen tätig und haben für diese erfolgreiche Exportstrategien entwickelt. Nach ein paar Jahren wollten unser Know-how sowie die sehr positiven Zukunftsaussichten für den Handel zwischen Europa und Brasilien für ein eigenes Unternehmen nutzen. Dabei sollte das Konzept vor allem auch den brasilianischen Partnern zu Gute kommen, die im Rahmen der Globalisierung im Vergleich zu den Industrieländern bisher oft den Kürzeren gezogen haben.
Wir haben uns dann ein Wochenende (Silvester 2003/2004) auf eine Insel im Süden von Brasilien zurückgezogen, um Geschäftsideen für eine erfolgreiche Umsetzung in einem Workshop zu generieren. Hier sind 12 Erfolgsversprechende Geschäftsideen zusammengekommen, von denen jeder von uns jeweils vier übernommen hat und sie innerhalb von drei Monaten analysieren musste. Um eine optimale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, haben wir Standard-Vorlagen und -Business-Pläne erstellt, die dann auf jede Geschäftsidee angewendet wurden. Nach einer gegenseitigen Präsentation der Geschäftsideen haben wir drei davon ausgesucht und nochmals zwischen uns drei aufgeteilt und für sechs Monate bis zum Exzess analysiert. Hier kamen Business-Pläne mit Hunderten von Seiten und Tausenden von Excel-Zeilen zusammen. Nach einer erneuten Präsentation war klar: Wir machen Gourmet-Espresso. Dies war eine sehr gute Entscheidung, da wir auch als Vieltrinker von hervorragenden brasilianischen Kaffeesorten eine gewisse Leidenschaft für qualitativ hochwertige Espressi entwickelt hatten. Nun konnten wir privates Vergnügen mit einer beruflichen Vision verbinden und gründeten die Moema Espresso Republic GmbH Anfang 2005 in Berlin.

interview-blog.de: Was macht Ihren Moema-Espresso zu einem Gourmet-Espresso?

Ozan Taner: Der „Brasil Pure Passion“ besteht zu 100% aus Edel-Arabica-Bohnen der hochwertigen Sorten Catuaí und Mundo Novo aus der renommierten Hochlandregion Sul de Minas. Diese Anbauregion ist mit einer Höhe von über 1000m, fruchtbaren Böden und optimalen Klimabedingungen eine der besten Anbaugebiete der Welt. Unsere brasilianischen Partner, die über ein Jahrhunderte altes Kaffeewissen verfügen, unterziehen die hand gelesenen Bohnen strengen Qualitätskontrollen, und so werden nur die besten Bohnen für unsere erste Gourmet-Espresso Kreation „Brasil Pure Passion“ verwendet.
Alle Kreationen werden bei der Moema werden dabei von dem Team des Kaffee-Sommelier Weltmeisters komponiert. Dabei ist uns neben einem besonderen Geschmack des Espressos vor allem eine Sache besonders wichtig: Wir unterstützen die brasilianischen Kaffeebauern und Röster, indem wir die komplette Wertschöpfung in Brasilien belassen, wodurch unsere brasilianischen Partner wesentlich mehr als beim einfachen Verkauf grüner Bohnen an europäische Röster verdienen. Im Gegenzug dazu kommt dem Moema Gourmet-Espresso eine besondere Sorgfalt bei der Auswahl und der Veredlung der Bohnen zu Gute. Der „Brasil Pure Passion“ wird auf brasilianische Art mitteldunkel geröstet. Bei dem schonenden Trommelröstverfahren bleiben die Aromastoffe sehr gut in der Bohne enthalten, so dass sich nach der Zubereitung seine feinen, fruchtig-nussigen Geschmacksnuancen optimal entfalten. Denn die Edel-Arabica-Bohnen wachsen in der Nähe von Orangen- und Nussplantagen, wobei durch den organischen Austausch mit den Fruchtbaren Böden die fein-fruchtigen und nussigen Nuancen des Espressos entstehen. Des Weiteren ist der vollmundige „Brasil Pure Passion“ ein sehr milder Espresso, der wenig Koffein und wenig Säure enthält, so dass man nach dem Genuss einer Tasse „Brasil Pure Passion“, im Gegensatz zu herkömmlichen Espressi mit bitterem Geschmack, noch lange einen angenehmen Nachgeschmack im Mund verspürt und das Verlangen nach einem zweiten Tasse hat. Und die erstklassige Qualität wird immer wieder bestätigt: Bei einem Qualitätswettbewerb in Dänemark hat der „Brasil Pure Passion“ beispielsweise kürzlich als der Beste unter 32 Espressi abgeschnitten.

interview-blog.de: Welchen Nutzen ziehen die brasilianischen Kaffeebauern aus Ihren Produkten?

Ozan Taner: Brasilien bietet sich als größtes Kaffeeproduzentenland der Welt geradezu an für einen florierenden Handel unterschiedlichster in Brasilien gerösteter Kaffeebohnen an. Leider schaffen es die dortigen lokalen Bauern und Röster nicht, Ihre hervorragenden Bohnen geröstet auf dem Weltmarkt zu vertreiben. Immer wieder werden Sie gerade von deutschen und italienischen Kaffeeröstern - Länder, in denen nicht ein Kaffeestrauch wächst - geradezu gezwungen, Ihre Bohnen günstig da ungeröstet zu verkaufen. Der Markteintritt mit vor Ort gerösteten Bohnen bleibt Ihnen leider in der EU verwehrt.
Dies war uns ein großer Dorn im Auge, da wir nach sechs Jahren Aufenthalt in Brasilien uns dieses Land und seine Leute ins Herz geschlossen hatten. Daher haben wir genau hier angesetzt. Wir wollten qualitativ sehr hochwertigen brasilianischen Espresso in Europa etablieren und somit Europa einen echten fair gehandelten Espresso präsentieren. Denn auch bei den fair gehandelten Kaffees, die derzeit vermarktet werden, verkaufen die lokalen Bauern nur grüne Bohnen. Die margenträchtige Röstung wollen die europäischen Röster nicht an die Anbauländer abgeben.
Den unwissenden Kunden hierzulande wird oft etwas vorgegaukelt, was nicht den Tatsachen entspricht. In Wirklichkeit erhalten die Bauern lediglich einen Bruchteil des Aufpreises, den die Kunden hier bezahlen. Der Rest wird leider in den Mühlen der Fair Trade Organisationen (z.B. Transfair) verschlungen, da deren Mitarbeiter neben ihren Gehältern hohe Reisekosten (Flüge, Hotels) verursachen, um vor Ort die Prozesse des fair gehandelten grünen Kaffees zu zertifizieren.
Die Moema Espresso Republic hat sich daher den ethischen und faireren Kaffeehandel zum Unternehmensziel gesetzt. Die Moema Espresso Republic bezieht ausschließlich Gourmet-Kaffeebohnen, die auch in Brasilien geröstet werden. Trotz eines höheren Preises, den wir dafür bezahlen, können wir stolz sagen, dass wir die einzige Espressofirma in Europa sind, die die vollständige Wertschöpfung des Kaffees (vom Anbau, über die Veredlung und Röstung bis zur Verpackung und Etikettierung) im Anbauland belässt und somit einen nachhaltigen Beitrag leistet, um die lokalen Kaffeebauern und Röster in Brasilien zu fördern.
Positiver Nebeneffekt: Die brasilianischen Kaffeebauern sind uns dankbar und bieten uns zuerst Ihre besten Bohnen an, bevor sie sie auf dem Weltmarkt ungeröstet anbieten. Denn je mehr Gourmet-Espresso die Moema Espresso Republic verkauft, desto mehr können die Bauern in Brasilien für Moema rösten und damit erheblich mehr verdienen als mit den Handel von Rohkaffee. Somit profitieren nicht nur die brasilianischen Bauern und Röster von dem ethischen Konzept der Moema sondern auch Kunden der Moema Espresso Republic in Europa, die diese hervorragenden Bohnen tagtäglich genießen können.

interview-blog.de: Was ist das Besondere an Ihrem Marketing-Konzept?

Ozan Taner: Wir haben eine Corporate Story, die alle begeistert. Es ist die Geschichte der Moema Espresso Republic, ein ideelles Land der Espressoliebhaber und Brasilienfreunde, das über reale Grenzen hinweg geht. Wir kommunizieren verschiedene Rollen, die jedem Beteiligten in dieser Corporate Story zugewiesen sind. So wurde die Moema Espresso Republic von den Gesellschaftern der GmbH, den so genannten „Gründervätern“ ins Leben gerufen. Unsere Handelsagenten und Geschäftskunden (Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Büros) schmückt die Bezeichnung „Botschafter“, da Sie das Gourmet-Konzept und seine fairen Aspekte heraustragen und kommunizieren. Schließlich wird jeder, der den „Brasil Pure Passion“ genießt, zum Einwohner der Espresso Republic und bildet eine grenzenlose Community zusammen anderen Espressoliebhabern und Brasilienfreunden, die die Werte der Moema Espresso Republic schätzen und den Gourmet-Espresso von Moema lieben.
Die Einwohner können den „Brasil Pure Passion“ bei den Moema Botschaftern erhalten - in Restaurants, Cafés, Bäckereien oder in Fachhandelsgeschäften, Feinkostläden und Onlineshops (z.B. Moema Espresso Shop). Unsere Botschafter beziehen den Moema Gourmet-Espresso direkt von uns mit Großabnehmer-Vorteilen.

interview-blog.de: Wie hilfreich war/ist das Gründertagebuch in der Wirtschaftswoche, welches Sie in unregelmäßigen Abständen führen, für Ihre Geschäftsentwicklung?

Ozan Taner:Das Gründertagebuch der Wirtschaftwoche bietet eine gute Plattform, um unser Unternehmenskonzept und unsere Professionalität zu kommunizieren. Wir sind jedoch sehr bedacht, das Tagebuch authentisch zu halten. Es soll also nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“ kommuniziert werden, sondern wirklich alle Höhen und Tiefen des Alltags einer Unternehmensgründung in Deutschland an praktischen Beispielen beschrieben werden. Natürlich kann man hierdurch gute Kontakte knüpfen mit professionellen Dienstleistern, die unsere Idee sympathisch finden. Konkret hat dies bereits zu diversen Kooperationen in unterschiedlichsten Bereichen geführt, wobei uns viele Leistungen kostenlos angeboten wurden. Daher kann man das Tagebuch einerseits als wichtiges Kommunikationsmedium mit potenziellen Kunden andererseits auch als praktischen Ratgeber für Existenzgründer betrachten.

interview-blog.de: Wann wird die nächste Folge in der Wiwo erscheinen und wird wieder über viele kleine Katastrophen des Alltages berichtet werden?

Ozan Taner: Der nächste Kapitel, welches wahrscheinlich auch der letzte Teil des Gründertagebuchs in seiner aktuellen Form sein wird, erscheint in Kürze. Wahrscheinlich sogar noch im November. Dort werden wieder sehr viele Hochs und Tiefs, Rückschläge wie Erfolgserlebnisse hautnah beschrieben. Für Leser, die die bisherigen vier Teile verpasst haben, bietet die www.wiwo.de/gruendertagebuch auf Ihrer Webseite noch mal alles zum Nachlesen an.

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