J Straps Julia Derndinger “Trendwerk war was Produkt und Marktchancen betrifft sicher einmalig.” - Julia Derndinger über J-Straps, Stöckelstulpen und Unternehmertum » Interview Blog

“Trendwerk war was Produkt und Marktchancen betrifft sicher einmalig.” - Julia Derndinger über J-Straps, Stöckelstulpen und Unternehmertum

Klaus-Martin Meyer: Julia, Du bist eine - auch im schumpetersche Sinne - dynamische Unternehmerin, denn Du hast mit Hilfe der J-Straps einen Markt geschaffen, den es zuvor in Deutschland nicht gab. Kannst Du Dich und Deine zwischenzeitliche Ex-Firma bitte kurz vorstellen?

Julia Derndinger: Zu mir ich bin 32 Jahre alt und komme aus einer hamburger Unternehmer Familie - habe also quasi beim Mittagessen schon die Leiden und Freuden der Selbständigkeit mitbekommen. Irgendwie scheine ich auch schon immer eine Macherin gewesen zu sein. Schon mit 17 habe ich überregionale Reitturniere organsiert und erst am Tag der Veranstaltung merkten Preisrichter und Teilnehmer das hinter der Organisation ein kleines Mädchen steckte. :-) Erstaunlicher Weise haben mir damals Erwachsene in meinem Umfeld eine Menge zugetraut und mich schon früh meine eigenen Erfahrungen sammeln lassen, das hat sicher geprägt.

Als ich 2003 bei E-Plus gearbeitet habe, fingen immer mehr Kollegen für sich kleine Anhänger fürs Handy über diverse Quellen aus Asien zu besorgen. Da dachte ich, denen müsste doch geholfen werden, die muss es an jeder Ecke geben. Ich habe dann mit vielen darüber gesprochen jeder sagte, ja man müsste, aber keiner wollte mir wirklich helfen, die Idee auch umzusetzen. Durch einen Zufall traf ich dann einen alten Kollegen wieder, Holger Weißner. Gemeinsam haben wir eine Strategie für den Markteintritt vorbereitet. Uns war klar, wenn wir kein Produkt schaffen, dass einzigartig und nachhaltig nicht kopierbar ist, brauchen wir garnicht anzufangen. Wir hatten dann die Idee eine eigene Marke rund um das Thema Handyschmuck zu entwerfen: J-Straps und diese durch hochwertige und exklusive Lizenzen zu stützen. Mit diesem Konzept (ohne auch nur ein fertiges Produkt) sind wir dann zu Banken, Lizenzgebern, pot. Kunden und Produzenten gezogen. Langsam haben wir uns an verschiedenen Produzenten in China herangearbeitet und den deutschen Einzelhandel bearbeitet. Viele Handys hatten damals noch nicht mal eine Öse - es war also echte Pionierarbeit. Zu Beginn wollten wir zudem noch auf Sammlerkollektionen mit zeitlicher Befristung setzten - ein Vorhaben, dass bei unserer späteren Europaexpansion einfach nicht mehr durchzuhalten war.

Ich glaube überhaupt, hätte ich damals verstanden, wie schwierig die Handelsstrukturen sind, wie kompliziert Lizenzgeber beim Approval sind und was für ein Abenteuer es ist spielwarenähnliche Produkte in China zu produzieren - ich hätte was anderes gemacht. :-)

Mitlerweile ist Trendwerk77 mit einer ganzen Bandbreite an Produkten rund um das Thema Handy in 28 Ländern der Welt präsent.

Klaus-Martin Meyer: Nachdem Du aus einer nicht mehr ganz kleinen Firma ausgestiegen bist, kannst Du sicher die Frage beantworten welche Entscheidung schwerer fällt: Die für die Gründung einer Firma oder die für den Ausstieg aus einer Firma?

Julia Derndinger: Schwierige Frage, die Gründung ist irgendwie so passiert, ich war ja die ersten Jahre noch komplett bei E-Plus angestellt, um das finanzielle Risiko gering zu halten. Man kann fast sagen ich bin in die Idee reingeschlittert. Mich von meinem Baby zu trennen, war sicher ein viel schwieriger Prozess. Etwas los zu lassen, das man über Jahre aufgebaut hat. Das seinen Namen trägt und das erfolgreich ist und einen ernährt ist sicher nicht so einfach. Aber bei aller Leidenschaft bin ich zu der Erkenntnis gekommen, das es für meine persönliche Weiterentwicklung wichtig ist loszulassen. In jeder Firma spielt man eine gewisse Rolle und Routine - ich glaube fest daran das Veränderungen wichtig sind um sich weiter zu entwickeln. Hinzu kam das ich in 2006 durch eine bakterielle Infektion fast gestorben wäre - vielleicht sogar schon das Licht am Ende des Tunnels gesehen habe. So ein Erlebnis relativiert vieles und hat auch seine guten Eigenschaften - auch wenn man das natürlich Niemanden wünscht.
Um auf die Frage zurück zu kommen: das wichtigste ist meiner Meinung nach Entscheidungen zu treffen und nicht über Monate zu hadern. Bisher habe ich in meinem Leben noch keine Entscheidung bereut, da mich jede Entscheidung ein Stückchen weiter gebracht hat.

Klaus-Martin Meyer: Bevor Du Unternehmerin wurdest hast Du bereits als Angestellte für renomierte Firma sicher auch nicht wenig gearbeitet. Welche Vorteile siehst Du im Leben als Unternehmerin bzw. als Angestellte?

Julia Derndinger: Witziger Weise habe ich da nie unterschieden - ich habe schon immer unternehmerisch gedacht und wollte immer das Optimum rausholen. Mir persönlich viel es sogar manchmal leichter mich für fremde Menschen zu motivieren. Das schöne am Unternehmer sein ist aber, dass man sicher sein kann, das die Unternehmensinteressen auch wirklich im Vordergrund stehen. In großen Organisationen gibt es leider auch immer viele Menschen die persönliche Interessen verfolgen. Da eckt man dann mit einer Unternehmerdenke leicht an - was für alle Beteiligten dann frustrierend ist.

Klaus-Martin Meyer: Dein Xing-Profil läßt erahnen, dass Du schon wieder eine Neugründung am Start hast. Kannst Du da schon etwas zu sagen.

Julia Derndinger:
Mein Ziel war es ja bewusst keine neuen Pläne zu haben, um die Trennung von Trendwerk nicht mit grünerem Gras auf der anderen Straßenseite zu begründen. Trendwerk war was Produkt und Marktchancen betrifft sicher einmalig. Sehr gerne würde ich mein nächstes Unternehmen im Internetumfeld ansiedeln, da ich da noch nicht so viel Erfahrungen habe, mache ich gerade Feldstudien. Aus diesem Grund treffe ich mich mit vielen Gründern und Unternehmern zum Erfahrungsaustausch. Ich biete also meine Unternehmerexpertise gegen Interneterfahrungen was meistens ganz automatisch passiert, wenn man sich hier in der Berliner Szene tummelt.

Bevor ich wieder ein Unternehmen gründe wil ich mir in jedem Fall noch etwas Zeit lassen - da ja auch das richtige Team gefunden werden muss.

Wie man meinem Xing Profil aber schon entnehmen kann, habe ich mich mit meiner EX-Chefin Astrid Epping zusammen getan, um die von Ihr erfundenen Stöckelstulpen auf den Markt zu bringen. Stöckelstulpen sind kleine elastische Ringe mit denen Frau auch auf Kopfsteinpflaster und unebenen Boden gehen kann. Die Formen und Produktentwicklung ist gerade abgeschlossen und die erste Pressemitteilung führte gleich zu über 20 Veröffentlichungen und mehrer dutzend Bestellungen - worüber wir uns sehr gefreut haben. Ziel ist es nun ein paar gute und nachhaltige Vertriebskanäle zu finden, die eine solche Produktinnovation gut verkaufen können.

Ein weiteres Projekt, dass ich mit Geld und Arbeitszeit unterstütze ist eine Plattform für Bücher, Leser und Autoren. Das Team um Alexander Braun hat in den letzten Monaten hervorragende Arbeit geleistet und ich glaube, dass es uns gelingen könnte einen Beitrag dazu zu leisten, dass Verlage bei der Auswahl neuer Autoren durch Leser unterstützt werden. Eine Beta Version wird noch diesen Monat unter: www.quillp.com online gehen.

Eine andere Sache für die ich mich engagieren werde ist die Entrepreneur Organisation (EO). EO ist ein Zusammenschluß von erfolgreichen Unternehmern unter 50, die Unternehmen mit einer gewissen Größe aufgebaut haben und bevorzugt durch Erfahrungen anderer Unternehmer lernen wollen. Die Organisation hat weltweit 6000 Mitglieder ist in Deutschland aber noch sehr jung ich werde mich im neu zu bildenend Chapter Berlin um das Thema Learning kümmern. Eine sehr spannende und herausvordernde Aufgabe.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß unsere Standardfrage. Wie sieht die Welt von Julia Derndinger in fünf Jahren aus?

Julia Derndinger: Komisch, das ist eine Frage die ich mir selber noch nie gestellt habe, da ich im Jetzt lebe und keine langen Pläne schmiede. Ich entscheide jeden Tag neu, ob ich links oder rechts abbiege. Bisher bin ich damit immer sehr gut gefahren.

Stichworte:

Ein Kommentar zu ““Trendwerk war was Produkt und Marktchancen betrifft sicher einmalig.” - Julia Derndinger über J-Straps, Stöckelstulpen und Unternehmertum”

  1. Jana Schütze Klick Germany im Interview Blog sagt:

    […] Jana Schütze: 45 Jahre, zwei erwachsene Kinder (21 und 18 Jahre). Als Journalistin bin ich seit 15 Jahren erfolgreich für große Frauenzeitschriften unterwegs. Und seit einem Jahr auch noch Chefin von KLICK-Germany, dem großen Kaufhaus der kleinen Hersteller. Sie ahnen ja gar nicht, auf was für originelle Ideen kleine Manufakturen so kommen: Wein von der Halde, Rätsel für Hunde, Stulpen für Pfennigabsätze (siehe auch Interview mit Julia Derndinger), Weihnachtsbäume im Briefumschlag. Trotzdem haben es gerade diese kleinen Firmen in Deutschland schwer, sich gegen riesige Handelsketten mit gigantischen Werbebudgets durchzusetzen. Da springen wir jetzt ein. Wir sind Journalisten! Wir – ein kleines Team von sechs Leuten – wollen Stimmung machen für die Firmen, die hier produzieren. Denn KLICK-Germany ist ein Internetportal mit einem Shop, in dem es nur Produkte gibt, die hier in Deutschland hergestellt werden. Doch nicht nur das. Wir stellen die Menschen vor, die hinter den Produkten stecken. Erzählen von ihren Ideen und Visionen, zeigen, mit welchen Problemen sie kämpfen müssen. […]

Kommentar / Antwort verfassen



<

Google


Add to Technorati Favorites

» “Trendwerk war was Produkt und Marktchancen betrifft sicher einmalig.” - Julia Derndinger über J-Straps, Stöckelstulpen und Unternehmertum J Straps Julia Derndinger