Öko Manager 2006, Brennessel Textilien, Heinrich Kranz Stoffkontor Kranz AGIm Gespräch mit Heinrich Kranz, Öko-Manager 2006 » Öko Manager 2006, Brennessel Textilien, Heinrich Kranz Stoffkontor Kranz AG » Interview Blog

“Öffentliche Anerkennung für die viele Mühe und Arbeit” - Im Gespräch mit Heinrich Kranz, Öko-Manager 2006

Klaus-Martin Meyer: Herr Kranz, Sie wurden dieser Tage zum “Öko-Manager” des Jahres gekürt. Dazu gratulieren wir herzlich! Was bedeutet Ihnen persönlich dieser Titel?

Heinrich Kranz: Ich sehe diese Auszeichnung als öffentliche Anerkennung für die viele Mühe und Arbeit, die Stoffkontor in den Jahren aufgebracht hat. Sicher bin ich der Motor gewesen, aber auch der, der von allen Beteiligten viel abverlangt hat. Der Titel gebührt daher allen Beteiligten: den Mitarbeitern, den Aktionären, den Aufsichtsräten und besonders auch meiner Ehefrau. Ich selbst möchte den Titel mit Würde und angemessener Bescheidenheit tragen.

Klaus-Martin Meyer: Wird der Titel und die möglicher Weise damit verbundene Publicity auch der Firma Stoffkontor Kranz AG hilfreich sein?

Heinrich Kranz: Davon dürfen wir ausgehen. Ökomanager wird man nicht, weil man eine blanke Vision hat. Diese Auszeichnung verdient man sich über Realitäten, die geschaffen wurden aus Visionen und Innovationen und aus Tatkraft. Der Titel zeigt genau das der Öffentlichkeit und es steht nicht mehr in Frage, ob die Vision mal Realität werden könnte. Das wird uns ganz sicher helfen, die Nische zu verlassen und breite Akzeptanz zu gewinnen.

Klaus-Martin Meyer: Als bekennender Fan Ihrer Brennessel-Hemden stelle ich mir besonders die Frage, wie laufen die Brennesel-Jeans an und wann kommt ein T-Shirt mit der Aufschrift “Ich war eine Brennnessel”?

Heinrich Kranz: Die Jeans werden derzeit gut geordert. Ausliefern hingegen können wir erst im Februar, da sich Produktionsprozesse außerhalb unserer eigenen Betriebsteile unglücklich verzögert haben. Made in Germany hat manchmal auch Nachteile, aber wir bleiben dennoch bei unserer Philosophie, ausschließlich in Deutschland zu produzieren. Über die T-Shirts werden wir nachdenken – ist eine nette Idee.

Klaus-Martin Meyer: Während im Moment IPO’s an der Börse nicht sonderlich gut laufen, schaffen Sie es sogar außerbörliche Kapitalerhöhungen zu platzieren, die sogar überzeichnet sind. Ist Ihre Aktie vielleicht sogar noch zu billig? Was passiert mit dem Geld?

Heinrich Kranz: Dass wir in 2006 gleich zwei überzeichnete Kapitalerhöhungen (KEs) hatten, und das bei „nicht öffentlichen“ Emissionen, ist in der Tat sehr bemerkenswert. Es zeigt zum einen, dass wir eine gesunde Aktionärsstruktur haben, und zum anderen, dass unsere rund 600 Aktionäre mit unserer Arbeit zufrieden sein müssen. Was den Emissionswert der Aktien angeht, halten Vorstand und Aufsichtsrat den Preis für angemessen. Das haben uns unsere Aktionäre eindrucksvoll bestätigt. Wir möchten, dass auch in Zukunft ausreichend Phantasie in der Aktie bleibt und werden auch bei der versprochenen „öffentlichen“ KE im 2. Quartal 2007 den Emissionspreis in einem angemessenen Rahmen halten. Das Kapital aus den beiden letzten KEs werden wir ganz überwiegend in den Ausbau unserer Anbauflächen für Fasernesseln einsetzen. In 2008 werden wir 300 Hektar Anbaufläche haben und dadurch unsere Rohstoffversorgung weiter erhöhen für wachsende Geschäfte. Zusätzlich investieren wir in unsere hauseigene Faseraufbereitungsanlage, die uns zum einen unabhängig macht von unsicheren Lohnunternehmen und zum anderen bisher unerreichte Faserqualitäten liefern wird für Produktlinien, die heute nicht oder nur sehr kostspielig zu realisieren sind.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss wollen wir auch Ihnen Herr Kranz unsere Standardfrage nicht vorenthalten. Wo stehen die Stoffkontor Kranz AG, die Brennnessel und Ihre Aktie in fünf Jahren?

Heinrich Kranz: Wenn ich das nur sicher wüsste, Herr Meyer. Ich sehe drei Szenarien:

das erste Szenario – etwas für Pessimisten – geht davon aus, dass alle weiteren Pläne für Expansionen und Entwicklungen sich nicht erfüllen lassen. Dann werden wir Ende 2011 bei 300 Hektar Anbaufläche und den entsprechenden Rohstoff angelangt und stehen geblieben sein. Eigene Immobilien werden wir nicht haben, sondern weiterhin verstreute Betriebsteile in gemieteten Gebäuden. Der Umsatz im Unternehmen dürfte bei etwa 3 Millionen € und der Gewinn bei 500 T€ liegen. Der Aktienkurs könnte zwischen 5 und 6 Euro pendeln.

Das zweite Szenario – etwas für geübte Optimisten - geht davon aus, dass die weiteren Pläne für Expansion und Entwicklungen „stepp by stepp“ realisiert werden können. Dann stehen Ende 2011 bis zu 1.000 Hektar Nesselfelder, der Umsatz würde bei rund 5 Millionen € nur für Textilien liegen, der Gewinn daraus bei rund 800 T€. Zwei Jahre weiter verdoppeln sich diese Zahlen bereits aufgrund jährlich steigender Rohstoffmenge. Unbekannt ist der heute noch spekulative Umsatz und Gewinn aus neuen Produktgruppen außerhalb von Textil, also hergestellt aus den vielen hundert Tonnen unserer derzeitigen „Abfallstoffe“, die wertvoller Rohstoff sein können, wenn wir nur daran entwickeln. Auch andere geplante Betätigungsfelder rund um die Brennnessel (Stichworte Blattwerk-Nutzung und touristischer Erlebnispark) sind hier nicht berücksichtigt. Wir sprechen also nur über das reine Textilgeschäft. Alle Betriebsteile würden in einem zentralen, neu errichteten Werk (Immobilien im Firmeneigentum) zusammengefasst sein, also gesamter Faseraufschluss, vergrößerte Weberei, erweiterte Konfektion, Lagerei, Versand, Werksverkauf und Verwaltung. Der Aktienkurs könnte schon deutlich über 10 Euro liegen, auch wenn bis dahin noch kein Börsengang angekündigt sein sollte.

Das dritte Szenario würde irgendwo dazwischen liegen und ist etwas für Realisten.

Nun dürfen Sie raten, welches Ziel ich persönlich anstreben werde.

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3 Kommentare zu ““Öffentliche Anerkennung für die viele Mühe und Arbeit” - Im Gespräch mit Heinrich Kranz, Öko-Manager 2006”

  1. Interview-Übersicht: nachwachsende Rohstoffe » Brennesseln, Hanf, nachwachsende Rohstoffe, Pappelflaum Zelfo » Interview Blog sagt:

    […] - Hanf: Daniel Kruse (Fa. Hempro International) - Brennesseln: Heinrich Kranz (Stoffkontor Kranz AG) - Pappelflaum: Jens-Gerrit Eisfeld (Fa. Pappillon) - Übergreifend: Paul Benhaim (Zelfo Australia) Stichworte: Brennesseln Hanf nachwachsende Rohstoffe Pappelflaum Zelfo « “Es hat mich immer schon gereizt, abseits der touristischen Pfade zu reisen” - Interview mit einem Nordkorea-Reisenden […]

  2. BIONADE Peter Kowalsky im Interview Blog sagt:

    […] Klaus-Martin Meyer: Herr Kowalsky, Sie sind der zweite “Ökomanager des Jahres“, der bei uns im Blog zu Gast ist. Könnten Sie sich und Ihre Brauerei bitte kurz vorstellen? […]

  3. Peter Timmme sagt:

    Herlichen Glückwunsch zur Auszeichnung Oekomnager
    .
    Wir hatten ja mit meinem Verein,NiNA e.v.(hanfverarbeitung und Innoregioprojekt)
    schon Kontakt mit Ihnen.
    Leider hat sich die Idee,hanfverarbeitung,in der Hansestadt Gardelegen,bis jetzt nicht realisiert.Die Verarbeitungsstrecke steht nach wie vor im gardeleger Industriegebiet.
    Vielleicht sollten wir mal einen Kontakt wieder herstellen.
    Einen Gruß an Sie
    Peter Timme ,Vorsitzender NINA e.v.
    Wirtschaftsförderer der Hansestadt Gardelegen.
    03907 716 218/mialadresse
    p.timme@gardelegen.info

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