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Im Gespräch mit Martin Oetting (Connected Marketing)

interview-partner.de: Herr Oetting, Sie sind der Betreiber von Connected Marketing. Was ist die spannendste oder kurioseste Begebenheit im Zusammenhang mit der “Bloggerei”?

Martin Oetting: Die kuriosteste Begebenheit zu meinem Blog betrifft einen ganz alten Bekannten, aus frühester Kindheit. Ich hatte seit vielen Jahren kaum noch von ihm gehört, nur sporadisch über meine Mutter, die mit seiner Mutter befreundet ist. So wusste ich auch, dass er mittlerweile – nach langer wissenschaftlicher Arbeit - in einer Internetagentur angefangen hatte. Irgendwann meldete er sich bei mir per E-Mail. Und erzählte mir dann, dass er mein Blog ungefähr ein Dreivierteljahr gelesen hatte, ohne sich klar zu machen, dass ich genau der Martin Oetting bin, den er noch aus seiner Kindheit kennt. ;-)

interview-partner.de: Warum setzen Firmen wie Coca-Cola auf Mundpropaganda. Ist das nicht mehr ein Ansatz für kleine, bodenständige Firmen ohne Marketing-Budget?

Martin Oetting: Nein, aus zwei Gründen nicht. Erstens ist Mundpropaganda erfolgskritisch, das zeigen unzählige Studien. Das galt schon immer, wird aber heute vielleicht noch einmal eine Dimension wichtiger - dadurch, dass wir alle beginnen, unsere Meinungen zu Produkten und Unternehmen auch im Netz zu verbreiten. Und das in einer Weise, die über Google oft sehr leicht aufgefunden werden kann. Zweitens sind die Konsumenten, insbesondere in den USA, mittlerweile recht werbemüde. Über die klassische Keule der Massenmedienverbreitung wird es immer schwieriger, seine Botschaft an den Mann oder die Frau zu bringen. Die Leute zappen, blättern weiter, klicken weg. Oder, noch extremer: anstatt fern zu sehen, machen sie ihre eigenen Filme, laden sie bei YouTube hoch, oder produzieren Podcasts. Also haben die Unternehmen zunehmend mit der Schwierigkeit zu kämpfen, wie sie ihre Marketing-Messages überhaupt noch vernünftig vermitteln sollen. Aus diesen Gründen interessieren sich mittlerweile Unternehmen jeder Form, Farbe und Größe für Mundpropaganda.

interview-partner.de: Mein Lieblingsprodukt, bei dem stark auf virale Effekte gesetzt wird ist der “Voda Diva”. Der Vodka wird mit Hilfe von Edelsteinen gefiltert und in die Flasche sind Edelsteine eingebracht. Special Editions sind mit Swarovski-Kristallen erhältlich und angeblich soll es Editionen mit echten Edelsteien für 1.000.000$ die Flasche geben. Sollte man die viralen Effekte gewissermaßen in das Produkt “hineinkonstruieren”?

Martin Oetting: Absolut. Es gibt aus meiner Sicht drei Ansatzpunkte, über die man beim
Mundpropaganda Marketing gehen kann - das Produkt, die Kommunikation, die Beziehung zu den Kunden. Das erste, das Produkt selbst, ist ein wichtiger Faktor: Wenn es gelingt, hier virale Effekte gleichsam einzubauen, dann hat man auf jeden Fall einen Vorteil. Beispiele gibt es verschiedene. Manche Web-Angebote profitieren von Netzwerkeffekten, werden für den einzelnen Nutzer also wertvoller, wenn mehr Leute mitmachen. Skype ist so ein Beispiel, oder OpenBC. Das ist ein sehr mächtiger Anreiz für Mundpropaganda. Andere Produkte werden bei der Benutzung bemerkt und fallen auf. Auch dabei entsteht dann Mundpropaganda, wie bei dem genannten Vodka-Beispiel.

interview-partner.de: Ihr Blog beleuchtet die behandelten Themen aus einer deutschen Sicht? Gibt es im Bereich “Word of Mouth Marketing” deutsche Vorbilder, wo sich auch z.B. die Amerikaner “eine Scheibe abschneiden können?

Martin Oetting: Hm. Nach längerem Nachdenken fällt mir kaum ein Beispiel ein… Das liegt v.a. daran, dass es in den USA gelungen ist, “Word-of-Mouth Marketing” zu einem Mainstream-Thema im Marketing zu machen, was sicher auch an der Arbeit der WOMMA (http://womma.org/) liegt, der Word-of-Mouth Marketing Association. Das führt dazu, dass sehr viele Unternehmen dort das Thema beackern und dass sich durchsetzt, dass virale Effekte und Mundpropaganda ein integraler Bestandteil des Web 2.0 sind. Also kommen die meisten Impulse immer noch von dort. Eine interessante Entwicklung hier ist aber, dass deutsche Unternehmen mittlerweile verstehen, dass wir Verfahren nutzen müssen, die auf unsere kulturellen Bedingungen angepasst sind. Del.icio.us (http://del.icio.us), als US-basierter Dienst, der den Austausch zu Linkempfehlungen ermöglicht, passt vielleicht nicht so gut zu deutschen Interessen und Bedürfnissen wie Mister-Wong (http://www.mister-wong.de), das von Deutschen für Deutsche gemacht worden ist. BzzAgent (http://www.bzzagent.com), der US-amerikanische Word of Mouth Pionier, fährt einen Ansatz, der genau so in Deutschland nicht funktionieren würde. Daher haben trnd (http://www.trnd.com) das Verfahren auf deutsche Verhältnisse angepasst. So ist also die Berücksichtigung des kulturellen Rahmens ein wichtiger Faktor für die Entwicklung von Mundpropaganda
Marketing.

interview-partner.de:  Zum Schluß dürfen Sie etwas “Wünsch-Dir-was” spielen Herr Oetting. Wie soll sich Ihr Blog in den nächsten zwölf Monaten weiterentwickeln?

Martin Oetting: Ich bemühe mich derzeit darum, zwei Kollegen als Gastblogger für ConnectedMarketing zu  gewinnen. Es sieht momentan danach aus, dass die zwei Autoren, die ich sehr gern dabei hätte, künftig mitbloggen würden. Wenn das alles so klappt, würde es mich freuen, wenn wir die Leserzahlen dann stetig steigern und das Blog fest unter den vielleicht 100 reichweitenstärksten deutschen Blogs etablieren könnten. Denn noch immer fristet das Thema Mundpropaganda im Marketing und Viral Marketing eher eine Art Nischendasein in der deutschen Marketinglandschaft - siehe oben. Das möchte ich ändern.

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2 Kommentare zu “Im Gespräch mit Martin Oetting (Connected Marketing)”

  1. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Unser täglich Link sagt:

    […] Martin im Interviewblog über WOM. In Kürze bei uns im Podcast. […]

  2. Marketing im Long Tail » Marketing im Long Tail, Martin Oetting trdn » rattenschwanz.net sagt:

    […] Interviews aus diesem Themenbereich: - Interview mit Torsten Wohlrab von trnd - Interview mit Martin Oetting Stichworte: Marketing im Long Tail Martin Oetting trdn […]

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