Die Grundidee Geld privat zu verleihen ist in Deutschland noch relativ neu - Sascha Schoppengerd - Money4Friends
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Sascha Schoppengerd: Momentan sieht das ganze natürlich schwierig aus, denn die Kreditgeber haben nicht mehr Informationen als die, die unsere Kreditnehmer bei der Registrierung angeben. Ob diese dann auch tatsächlich der Wahrheit entsprechen, dass ist für uns derzeit nicht nachvollziehbar. Aus diesem Grund sind wir aktuell dabei, einige große Änderungen auf Money4Friends zu implementieren. So werden wir schon bald alle Mitglieder via. PostIdent-Verfahren verifizieren und zusätzlich lassen wir uns von den Kreditnehmern die Genehmigung für eine Bonitätsprüfung geben.
Anhand der dabei gesammelten Daten werden wir den Kreditnehmer in eine Risiko-Klasse (1 bis 6) einstufen. Wobei die Stufe 6 einem hohen Ausfallrisiko entspricht. Die Risiko-Einstufung ist dann u.a. ein Merkmal, dass die Kreditgeber bei Ihrer Projektfindung als Anhaltspunkt nehmen können.
Genau und besonders harte Details der Bonitätsprüfungen wie eidesstattliche Versicherungen, Haftbefehle usw. werden wir jedoch nicht veröffentlichen. Ein Benutzer, der diesen Kriterien entspricht würde dann z.B. der Risiko-Klasse 6 zugeordnet werden.
Weiter werden wir in Zukunft prüfen, in wie weit der Kreditnehmer überhaupt in der Lage ist nach Abzug der angedachten Rate seinen Lebensunterhalt weiter zu bestreiten. Wir werden hier also die so genannte Kapitaldienstfähigkeit prüfen und ggf. auch Mitglieder nicht zur Plattform zulassen.
Friedrich Kronenberg: Bei so mancher Social Lending Plattform finden Sie viele einzelne Leute, die eine Teilsumme oder einen “Micro-Kredit” beisteuern, um so ein grösseres Kreditgesuch gemeinsam zu bestreiten. Ist das auch ein Ansatz, den Sie bei money4friends.de bereits verfolgen oder sich zukünftig als Modell vorstellen könnten?
Sascha Schoppengerd: Ein solches Modell könnte ich mir für unsere Plattform sicherlich vorstellen, doch ist dieses in Deutschland aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres zu realisieren. Das große Problem an der Sache ist nämlich, dass diese Micro-Kredite über ein Treuhandkonto gesammelt und anschließend an den Kreditnehmer ausgeschüttet werden müssten.
Das ganze bedeutet zum einen, dass hier etliches Verwaltungsarbeit notwendig wäre und zum anderem würde man für ein solches Konzept eine ganze Reihe von Genehmigungen einholen müssen und genau das kann ja in Deutschland schon mal mehrere Monate dauern.
Wir fahren derzeit noch parallel … zum einen Suchen wir momentan Partner oder Investoren, mit denen wir gemeinsam das oben genannte Konzept realisieren können und zum anderen arbeiten wir aber auch einer völlig neuen Idee, die es so noch nicht auf dem Markt gibt.
Welche der Varianten wir am Ende umsetzen, wird sich wohl in ein paar Monaten zeigen. Da Money4Friends noch ziemlich neu am Markt ist, warten wir zunächst die weitere Entwicklung ab.
Friedrich Kronenberg: Wie finanziert sich Ihr Portal bei diesem Ansatz? Welche Leistungen bezahlen Kreditnehmer und Kreditgeber?
Sascha Schoppengerd: Da sprechen Sie ein sehr heikles Thema und offen gesagt, freut es mich, dass Sie mir die Möglichkeit geben, hier einmal ein paar Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. In der aktuellen Phase und sehr wahrscheinlich auch in Zukunft, finanziert Money4Friends sich allein über Mitgliedsbeiträge, die in der Regel vom Kreditnehmer getragen werden. Eben dieses Vorgehen wird seltsamerweise in den Medien und Blogs als unseriös oder Abzocke betitelt, doch viele eben dieser Kritiker wissen nicht einmal, dass es uns aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt ist ein so genanntes Erfolgshonorar zu berechnen.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat da sehr klare Vorgaben und Software Unternehmen gehören in Deutschland derzeit nicht zu denen, die z.B. eine Vermittlungsprovision berechnen dürften. Hierzu benötigen wir eine ganze Reihe von Genehmigungen und wie ich eingangs bereits sagte, kann das oft sehr lange dauern.
Uns bleibt momentan also nichts anders übrig, als das Projekt über die sehr geringen Mitgliedsbeiträge zu finanzieren. Letztendlich bekommt der Kunde für seinen relativ geringen Beitrag auch eine Menge Leistung geboten, denn wenn man sich mal ansieht, welche Kosten allein die Bonitätsprüfungen und das PostIdent Verfahren mit sich bringen, dann kann man sich leicht ausrechnen, dass der Betrieb eine Social-Lending Plattform nicht so lukrativ ist, wie uns einige Medien immer gern suggerieren möchten.
Natürlich ist es auch unser Ziel, dass Money4Friends irgendwann mal Gewinne einfahren soll, doch zum aktuellen Zeitpunkt steht für uns die Etablierung konstanter Kontaktraten im Vordergrund.
Welche Werbung könnte denn besser sein, als die, dass wir monatlich die über unsere Plattform erzielten Abschlüsse belegen könnten?
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8. Oktober 2007 09:41 |
[…] Friedrich Kronenberg war gestern so freundlich und hat mir in einem Interview die Möglichkeit gegeben, das ein oder andere Mißverständnis zum Thema “privat Geld leihen” bzw. “privat Geld verleihen” einmal etwas näher zu beleuchten. Da viele Blogger leider ein vollkommen falsches Bild von Plattformen wie Money4Friends haben, möchte ich den Artikel wirklich jedem Leser ans Herz legen. […]
22. Oktober 2007 23:03 |
Im Vergleich zu Smava finde ich dieses Konzept allerdings vor allem aus Anlegersicht nicht so attraktiv. Im direkten Vergleich fehlen mir sowohl die zwischengeschaltete Bank, welche letzten Endes die eigentliche Vermittlung übernimmt und die Pools, in denen Kreditnehmer zusammengefasst werden, um das statistische Ausfallrisiko auf eine möglichst große Gruppe zu verteilen. Die Zeit wird uns zeigen, ob diese weitere Plattform am Markt Bestand haben wird.
26. Oktober 2007 09:11 |
Hallo…
nun gerade die angesprochenen Anlegerpools und die Bank sind doch die Dinge, die das SMAVA Konzept weit vom Thema P2P Kredite abdriften lassen. Das Konzept der SMAVA Plattform ist meiner persönlichen Meinung nach, nichts anderes als ein üblicher Bankkredit bei dem das Risiko auf die Anleger abgewälzt wird. Und Dank der vollmundigen Werbung scheint es auch kaum jemand zu merken.
Wenn die letztendliche Kreditvergabe durch eine Bank stattfindet, dann soll diese auch bitte das Risiko tragen. Dort ist es aber nicht so…die Bank streicht gibt die Vergaberichtwerte für die Kredite strikt vor, streicht die Provision ein und verlagert anschließend das Ausfallrisiko auf den Anleger. Nettes Konzept…sicherer kann man eigentlich kaum Geld verdienen.
14. Januar 2008 11:24 |
Schon lange beschäftige ich mich mit dem Thema “Geld von privat an privat”. Im Verborgenen läuft da auch schon sehr viel mehr, als man denkt. Die Banken sind dabei ihr eigenes Grab zu schaufeln. Auch Verbraucherschützer (vor denen wir jetzt auch Schutz brauchen!) leisten dazu ihren Beitrag. Was muss denn ein Kunde heute im Sinne Verbraucherschutz bei einer Bank alles unterschreiben? Das versteht doch niemand mehr! Weder der “arme” Bankmitarbeiter an der Front, noch der Kunde.
Es ist sicher sehr spannend, wie sich Ihre Plattform entwickeln wird. Ich gebe diesem Thema eine große Zukunft! Natürlich ist dabei das Risiko Geld zu verlieren nicht zu unterschätzen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass es viel mehr ehrliche und vertrauenswürdige Menschen gibt, als man denkt.
Schön dasss wir ein marktwirtschaftliches System in Deutschland haben. Wenn irgend wo etwas nicht mehr funktioniert sucht sich die Wirtschaft neue Wege und findet diese auch. So entstehen neue Dinge und alte sterben aus.