“Die Dialog Solutions hat sich spezialisiert auf Viral Marketing und virale Werbung” - Im Gespräch mit Martin Dräger
interview-blog.de: Herr Dräger, Sie sind einer der Geschäftsführer der Firma Dialog Solutions GmbH. Könnten Sie Ihr Unternehmen bitte kurz vorstellen?
Martin Dräger: Die Dialog Solutions hat sich spezialisiert auf Viral Marketing und virale Werbung. Wir betreuen Unternehmen in allen Fragen zu Werbestrategien im Web 2.0, wenn der Austausch über Produkte und die Weiterempfehlung in der Zielgruppe gewünscht sind. Eine solche „Marken-Epidemie“ funktioniert über verschiedene Auslöser, die wir alle in uns tragen und die gezielt angesprochen werden können. Einer oder mehrere dieser Auslöser sind in jedem beliebten Filmclip zu finden. Die DSG bedient sich dafür außerdem viraler Carrier wie Links zu Websites oder Alternate Reality Games, die sich dann flächendeckend ausbreiten, durch Emails, Blogs und Mund-Propaganda. Wir übernehmen die Kreation ansteckender Inhalte und geeigneter Kampagnen, aber werden ebenso angefragt, um für Unternehmen und Agenturen bereits existierende Inhalte wie z.B. Filme, darauf zu prüfen, ob sie das Zeug zum einem Virus in sich tragen, also die psychologische Ansteckungskraft. Falls ja, seeden wir sie auch, also säen sie an strategisch wichtigen Stellen im Internet und verfolgen ihre Verbreitung auf Schritt und Tritt durch ein eigens entwickeltes Online Viral Tracking Tool.
interview-blog.de: Wie sind Sie auf das damals in Deutschland noch unbekannte Thema Viral Marketing gekommen?
Martin Dräger: Neugier! Die ersten Schritte haben wir aus einem kleinen Büro in Hamburgs Schanzenviertel gemacht, als wir an Kampagnen für Unternehmen wie BIG STAR und Sparda-Bank gearbeitet haben, mit einem Auge auf das Kunden-Briefing mit dem anderen auf erfolgreiche viralen Kampagnen aus den USA. Damals haben wir angefangen, unsere Kompetenz auszubauen. Es folgten erste sehr erfolgreiche Kampagnen auf dem neuen Terrain wie für K-fee, die über 10 Millionen Viewer nur in Deutschland erreichte oder der Clip für AEG Powertools, durch den 20 Prozent mehr Produkte verkauft wurden während des Kampagnenzeitraums. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen, einer Reihe weiterer Entwicklungen und der anhaltenden Neugier sind wir eine Spezialagentur geworden.
interview-blog.de: Heute arbeiten Sie für Kunden wie Sony, Philips und AEG, wie haben Sie den Durchbruch für Ihr Unternehmen geschafft?
Martin Dräger: Das hängt mit den Weichen zusammen, die wir an bestimmten Punkten gestellt haben. Ähnlich wie bei einem Fußballteam entscheidet die richtige Aufstellung darüber, ob das Runde ins Eckige geht oder nicht. Wir haben damals glücklicherweise erkannt, welche Komponenten für Viral Marketing entscheidend sind und welche zudem durch traditionelle Agenturen nicht abgedeckt werden können. Und das ist ein unerschöpfliches Terrain, auf dem wir immer neue, wertvolle Wege für die Marketingstrategien unserer Kunden finden.
interview-blog.de: Würden Sie sagen, dass Viral Marketing für jede Marke/jedes Produkt einsetzbar ist?
Martin Dräger: Jein! Es gibt Produkte und Marken, die sich aufgrund ihrer Beschaffenheit oder Eigenschaften besser für VM eignen als andere. Aber dabei geht es nicht um lustige Produkte und eine junge Zielgruppe. Es ist sehr individuell, was eine virale Kampagne für einen Kunden und ein Produkt leisten kann, ob in isolierter Form oder unterstützend zur klassischen Werbung. Interessant ist, dass es nicht die wildesten Produkte sind, die ansteckende Mechanismen lostreten und einen Hype auslösen. Es ist das Drumherum, eine Story, eine urbane Legende oder die Einbindung in ein ansteckendes Thema, was die größte Ansteckungskraft hat.
interview-blog.de: In einer Ausgabe der W&V vom Mai nimmt die DSG kritisch Stellung zu den jüngsten Negativmeldungen über Web2.0-Werbung. Was sind Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren Ihrer Firma? Worin liegen Ihre Stärken?
Martin Dräger: Zum einen sind wir eine gewachsene Agentur für virale Kommunikation, die nichts Anderes macht! Wir glauben nicht an das schnelle Aufsatteln nebenbei, z.B. auf 20 Jahre klassische Werbung in einer Agentur. Ebenso wie ein Schulmediziner nicht übers Wochenende zu einem erfolgreichen Heilpraktiker wird. Seit Anfang 2003 beschäftigen wir uns mit den Strategien, Mechanismen und Messinstrumenten für virale Kampagnen. Noch wichtiger ist, dass wir mit psychologischen Motiven und Mechanismen von gesellschaftlicher Interaktion arbeiten. Damit sind Erfolge kein Glücksspiel mehr. Außerdem können wir mit diesem Wissen ansteckende Motive für neue Themen entwickeln wie zum Beispiel Teaser zum Aufbau einer Marken-Community.
interview-blog.de: Was gibt es Neues im Web 2.0?
Martin Dräger: Zur Zeit denken Unternehmen darüber nach, Marken-Communities zu bauen, die interessant sind für ihre Zielgruppe. Beim Community Summit 2007 Anfang Mai in Wiesbaden hat unser Leiter Strategie, Markus Roder, bereits in einem Vortrag durchgespielt, wie Unternehmen auch abseits von Apple solche Communities um ihre Marken aufbauen können. Einige Unternehmen denken sogar schon einen Schritt weiter. Sie wollen User in die Produktentwicklung miteinzubeziehen, das Stichwort dazu heißt: Semantic Web.
interview-blog.de: Zum Schluss unser üblicher Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Dialog Solutions GmbH in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Martin Dräger: Wir beschäftigen uns heute bereits mit der Umsetzung von Neu-Communities und neuen Informationsformaten für Internet und Mobilfunknetze. In fünf Jahren könnte der Aufbau von Online-Communities und anderen Web 2.0-Formate auf unserer Website stehen.
Stichworte: DIALOG SOLUTIONS Martin Dräger Semantic Web virales Marketing
