“Auf WhatsYourPlace wird die Welt verkauft.” - Im Gespräch mit Tobias Lampe (Geschäftsführer Value Maps GmbH)
Klaus-Martin Meyer: Tobias, Du bist der Geschäftführer der Value Maps GmbH. Könntest Du dich und die Plattform WhatsYourPlace bitte kurz vorstellen?
Tobias Lampe: Auf WhatsYourPlace wird die Welt verkauft. Das heißt, ein Mitglied kann jeden beliebigen Ort virtuell erwerben. Es geht dabei primär um Unterhaltung und Spaß: die Leute haben Freude daran, ihre Lieblingsorte zu besitzen und exklusiv darstellen zu können. Denn dies geschieht nicht im luftleeren Raum sondern innerhalb einer inzwischen sehr aktiven Community: meine Grundstücke werden von anderen Mitgliedern besucht und kommentiert. Da jedes Grundstück seine eigene URL hat, kann ich meinen Landbesitz auch meinen Bekannten zeigen, die nicht auf der Plattform angemeldet sind. Auch über Google werden einige Grundstücke schon sehr gut gefunden. Wer beispielsweise nach “Google Headquarter” sucht, erfährt von Google schnell, wer der virtuelle Besitzer ist.
Klaus-Martin Meyer: Wie kam Dir die Idee zu whatsyourplace.de?
Tobias Lampe: Es gibt da keine richtige Entstehungsgeschichte, die Idee war plötzlich einfach da. Das kommt auch daher, dass ich eigentlich gar nicht nach einem Weg gesucht hatte, mich selbstständig zu machen. Eigentlich war ich recht glücklich damit, meinen Doktor in VWL zu machen. Ich musste mich dann plötzlich zwischen Promotion und WhatsYourPlace entscheiden, und hier überwog dann die Begeisterung für das Konzept doch recht deutlich
Klaus-Martin Meyer: Wie sieht es mit dem Interesse seitens der User aus? Wie hoch ist die Aktivität und wie ist das Feedback, das Ihr bekommt?
Tobias Lampe: Mit dem Interesse der User und der Aktivität auf der Plattform sind wir sehr glücklich. Die Leute beschäftigen sich nicht nur mit dem eigenen Landbesitz, indem sie den Grundbucheintrag liebevoll pflegen, sondern reagieren auch sehr stark auf den Grundbesitz anderer Mitglieder - geben Feedback und tauschen sich aus. Davon kann sich am besten jeder ein Bild machen, indem er ein bisschen auf www.whatsyourplace.de herumklickt - alle Inhalte sind ja auch ohne Anmeldung sichtbar. Was uns jetzt noch fehlt, ist der Bekanntheitsgrad. Diesen zu mehren ist meine primäre Aufgabe, mit der ich mich täglich beschäftige.
Von den Usern selbst bekommen wir logischerweise sehr positives Feedback aber auch viele Verbesserungswünsche, die wir alle prüfen und nach Möglichkeit in unsere Entwicklungsroadmap eingehen lassen. Auch von der Presse werden wir immer stärker registriert und die Berichterstattung ist sehr positiv. Deutlich gemischter ist das Feedback von Webworkern, also z.B. Bloggern. Hier ist meistens der Anspruch an ein neues Produkt, dass es ein bestehendes “Problem löst”. Das ist aber nicht unser Anspruch, WhatsYourPlace soll einfach Spaß machen. Dass man an etwas Fiktivem Spaß haben kann, ist ja nichts Ungewöhnliches, wie jeder Filmfreund weiß.
Klaus-Martin Meyer: Prof. Kollmann hat laut “Der Westen” die halbe Essener Innenstadt gekauft. Nach seiner Aussage wartet er nun ab, ob jemand etwas zu beantstanden habe. Was befürchtet der Professor?
Tobias Lampe: Wir erhalten sehr häufig die Frage, ob das virtuelle Eigentum juristisch sicher ist. In diese Richtung gehen auch die Befürchtungen des Professors. Aber natürlich haben wir uns vor Umsetzung des Projektes ausführlich rechtlich beraten lassen. Bei der Auswahl des uns begleitenden Fachanwaltes für Internetrechts hat uns der Umstand geholfen, dass wir Vorstandsmitglieder von anwalt.de unter den Gesellschaftern haben.
Die klare Antwort lautet also: ja, virtueller Grundstücksbesitz auf WhatsYourPlace ist juristisch sicher. Natürlich können wir für die Zukunft nicht ausschließen, dass jemand sich beschwert oder gar klagt. Beispielsweise weil ihm ein Grundstück in der Realität gehört, welches als virtuelles Abbild auf WhatsYourPlace einen anderen Besitzer hat. Eine solche Klage hätte jedoch keine rechtliche Grundlage.
Klaus-Martin Meyer: Zum Schluß unsere Standardfrage. Wo steht whatsyourplace.com in fünf Jahren?
Tobias Lampe: Es ist unser Ziel, uns auch international zu etablieren, die Übersetzung ins Englische läuft gerade. Da es weltweit kein direktes Vorbild zu WhatsYourPlace gibt, welches in ähnlicher Weise die Trends Virtuelles Eigentum, Maps Mashup und Community miteinander verknüpft, sehen wir für die Internationalisierung auch gute Chancen.
In fünf Jahren werden voraussichtlich die meisten mehr oder weniger bekannten Plätze der Welt verkauft sein. Die Dynamik entsteht dann aus dem Handel der Mitglieder untereinander und natürlich aus der Kommunikation und Vernetzung innerhalb der Community.
Inhaltlich wird eine World Map entstanden sein, die nicht nur von den Usern mit persönlichen Inhalten angereichert ist, sondern die auch den Usern gehört: Dadurch, dass jeder User Verantwortung für seine Ländereien trägt, sind die bereitgestellten Inhalte von überdurchschnittlicher Qualität. Dabei wirkt auch die Zahlungspflicht als Qualitätspflicht: wer für seinen Landbesitz reales Geld zahlt, der hat in der Regel auch einen echten Bezug zu dem Platz und wird relevante Inhalte bereitstellen.
Natürlich wird sich auch technisch enorm viel tun, gerade im Bereich für Maps Mashups. Hier verfolgen wir beständig, welche neuen Möglichkeiten wir sinnvoll integrieren können, um für die Mitglieder einen Mehrwert zu schaffen - sprich, den Spaßfaktor zu erhöhen.


17. Juli 2008 19:21 |
[…] Den Fragen von Klaus-Martin Meyer (Telefon.de) habe ich mich auf dem interview Blog gestellt […]
3. August 2008 09:27 |
[…] Mehr zum Thema: Interview mit WYP Stichworte: whatsyourplace.com […]