Cyberport, Cyberport24 Sven Kaulfuss “Zurzeit gönne ich mir eine dreiwöchige Auszeit” - Im Gespräch mit Sven Kaulfuss über die Zeit nach Cyberport.24 » Interview Blog

“Zurzeit gönne ich mir eine dreiwöchige Auszeit” - Im Gespräch mit Sven Kaulfuss über die Zeit nach Cyberport.24

Klaus-Martin Meyer: Sven, Du bist der Macher von Cyberport24.de. Was machst Du nachdem das Projekt eingestellt wurde?

Sven Kaulfuss: Zurzeit gönne ich mir eine dreiwöchige Auszeit bzw. in anderen Worten Urlaub! Aber ich denke Deine Frage zielte in eine andere Richtung. Erst einmal ist es uns durch die freien Ressourcen nun möglich das CyberBloc (das Corporate Blog von Cyberport) wieder mit der notwendigen Aufmerksamkeit zu betreuen. Daneben hatten wir die letzten Wochen Gelegenheit zwei weitere Projekte mit voranzutreiben. Zu einem eine Onlinekampagne auf Geizhals und anderseits unseren neuen, überarbeiteten Newsletter. Wir bezieht sich in diesem Zusammenhang nicht nur auf meine Wenigkeit, sondern nicht zuletzt auch auf meinen geschätzten Kollegen Martin Philipp, der unser kleines Team seit über einem Jahr tatkräftig unterstützt. Beide Projekte sind mehr dem klassischen Onlinemarketing zuzuordnen und stellen deshalb eher eine notwendige evolutionäre Entwicklung dar, als einen revolutionären Ansatz wie wir ihn mit Cyberport.24 versucht hatten anzutreiben. Man könnte sagen: Business as Usual! Allerdings stellt das normale Tagesgeschäft die Basis für weitere, zukünftige Experimente in diesem Umfeld dar.

Klaus-Martin Meyer: Warum ist Deiner Meinung nach das Projekt gescheitert? Was waren die größten Herausforderungen?

Sven Kaulfuss: In meinem längeren Essay über den Tod von Cyberport.24 hatte ich hierzu ausführlich Stellung bezogen. An dieser Stelle nur kurz eine kleine Zusammenfassung. Zu einem war die Produktbeschaffung und damit die eigentliche Produktauswahl ein Problem. Konnte dies anfangs noch durch die Beschränkung auf zwei Aktionstage gewährleistet werden, so stellte sich schnell heraus mit der Umstellung auf ein fünftägiges Angebot, dass es nicht ausreicht, sich aus dem Standardangebot von Cyberport zu bedienen. Hier hätte ich mir eine höhere Priorisierung innerhalb der Firma gewünscht. Ebenso bei der Bereitstellung von externen Werbemitteln. Denn zunächst wäre es notwenig gewesen den ersten Achtungserfolg innerhalb der Blogospähre zu nutzen, um im Anschluss für ordentlichen Buzz zu sorgen. Denn wie bei den meisten Angeboten im Web 2.0, besteht die Notwendigkeit den Traffic massiv zu steigern, nur so im Zusammenhang mit den richtigen Angeboten ist ein zukünftiger Erfolg gewährleistet.

Klaus-Martin Meyer: Wie beurteilst Du den Standortvorteil USA für den Erfolg von Woot!?

Sven Kaulfuss: Dieser ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Zu einem steht hierfür der demographische Aspekt im Vordergrund, der Markt und damit die potentielle Kundenanzahl sind ungleich größer als in Deutschland, zum anderen haben die Amerikaner eine andere Grundeinstellung zum Kauf von Konsumgütern. Der grüblerische und sehr preisbewusste Deutsche stellt eine wesentliche größere Herausforderung dar. Die Durchbrechung dieses Mentalitätsproblemes gilt als nahezu unmöglich, doch gerade hier liegt der Reiz, den Gegenbeweis anzutreten.

Klaus-Martin Meyer: Wie siehst Du - vor Deinem Erfahrungshorizont - die Erfolgsaussichten der ähnlich gelagerten Shopping-Konzepte, die hierzulande gelaunched wurden?

Sven Kaulfuss: Es wird schwierig, hart und ungemütlich! Mit anderen Worten wird nur ein Bruchteil davon überleben bzw. davon leben können. Maßgeblich für eine Erfolgsaussicht sind hierbei das zugrunde liegende Konzept und die dahinter stehende Finanzierung. Möchte man nur vom alleinigen Verkauf der Waren existieren, benötigt man eine ungleich größere, potentielle Kundenbasis als ein traditioneller in der Produktpalette horizontal ausgerichteter Onlineshop. Dies erreicht man, wie ich schon sagte, nur durch massiven Buzz. Diesen zu erzeugen ringt einen viel Zeit und/oder viel Kapital ab. Für die bisher vermehrt kleinen Anbieter wird es notwendig sein, sich für dieses Vorhaben einen strategischen Kapitalpartner zu suchen. Schon hier ist ersichtlich, dass diesbezüglich nicht viel Platz an der Sonne des Live-Shoppings vorhanden sein wird. Für den Rest der Angebote bleibt ewiger Schatten und Dunkelheit.

Eine andere Möglichkeit besteht im integrativen Ansatz, wie wir ihn bei Cyberport.24 verfolgten. Nutzt ein größerer Händler das Live-Shopping-Konzept vor allem in Hinblick auf den marketingtechnischen Aspekt, spielt die reine Überlebensfrage nicht
die entscheidende Rolle, da hier vor allem von Folgekäufen gezerrt werden kann. Bisher (mit Ausnahme von ProMarkt verhalten sich alle möglichen Aspiranten sehr still, man wird sehen ob sich der Thematik in den nächsten Monaten eine Amazon oder auch ein Media-Online annehmen werden.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß unsere Standardfrage. Worüber könnten wir an dieser Stelle in fünf Jahren sprechen?

Sven Kaulfuss:
Leider besitze ich in meinem Keller keine Zeitmaschine wie sie H. G. Wells so treffend im gleichnamigen Roman beschrieb, nichtsdestotrotz versuche ich einen Blick in die Kristallkugel. Man wird wiederum erkannt haben, dass nicht jedes Konzept in der heutigen Zeit den durchschlagenden Erfolg mit sich brachte. Freilich werden es dagegen einige wenige geschafft haben. Das Internet wird erstmals wirklich mobil sein können. Entscheiden darüber werden aber wie in jeder Generation hierüber die richtigen Anwendungen. Der Mensch benötigt keinen vernetzten Kühlschrank oder ähnliche Dinge wie sie in den letzten Jahren propagiert worden sind, dies kann wohl als ein Treppenwitz der IT-Geschichte behandelt werden. Dagegen möchte er auf Informationen und Medien zugreifen, unabhängig davon wo er sich gerade befindet. So schön unsere Handys auch sind, wirklich dafür geeignet sind sie nicht. Dagegen zeigt Apples iPhone hierbei einen Ansatz der wiederum mehr ist, als die Summer der einzelnen Teile. In jedem Fall bleibt es wie so oft spannend.

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