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“Natürlich ist es immer cooler, sich von der breiten Masse abzugrenzen.” - Tim Kollande im OpenInterview mit Holger Muster (vom Nachhaltigen Filmblick)

Tim Kollande:Der Nachhaltige Filmblick” entstand als studentisches Projekt in der Zeit von Dezember 2001 bis Juni 2003, also noch vor dem großen Umwelt-Hype. War das damals die Erfüllung des Studentenklischees oder ein ernsthaftes Bestreben?

Holger Muster: Das Projekt entstand nicht als eine Eigeninitiative engagierter Studierender, sondern wurde als Modellstudium zur Kommunikation nachhaltiger Entwicklung vom “Netzwerk Zukunft e.V.” und dem “Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung gGmbH” entwickelt und durchgeführt. Antrieb war, dass zu der Zeit Umweltthemen tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle in der Gesellschaft spielten und das Interesse dafür nicht mehr mit Katastrophenbildern von abgeholzten Regenwäldern oder ölverschmierten Seevögeln zu wecken war. Es sollte ein neuer Ansatz gefunden werden, der den Spaß an der Sache fördert und zum Mitmachen animiert. Das Projekt entstand also aus einem konkreten Bedarf heraus. Meine persönliche Motivation war, dass ich als angehender Diplomingenieur für Umwelttechnik und freier Journalist dabei beide Interessen hervorragend miteinander verbinden konnte.

Tim Kollande: Wie kam es dazu, dass das Projekt noch heute weitergeführt wird - diente die Arbeit, die Teilnehmer und der damit verbundene Spaß selbst als Initialzündung für die Weiterführung oder waren es die Ideale an sich, die den “Nachhaltigen Filmblick” weiterleben ließen?

Holger Muster: Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus all diesen Punkten. Es ist ja nicht so, dass alle Absolventen immer noch gemeinsam an der Weiterführung des Filmblicks arbeiten. Vielmehr ist es so, dass sich ein Kern herausgebildet hat, der das Ganze noch immer hochhält. Wenn es allerdings nur um den Spaß gehen würde, könnten wir uns auch treffen und einfach kleine Filmchen drehen. Es geht aber auch darum, die Ideale zu erhalten und neue Themen zu bearbeiten. Nachdem es in der Studienphase um die Fragen “Lebensstil”, “Mobilität” und “Gerechtigkeit” ging, haben wir uns 2007/08 dem Thema “Flugverkehr” gewidmet. Entstanden sind dabei die zwei Eco-Spots “Lehrer hat Flugwut” und “Fluchzeug”, mit denen wir eine konkrete Forderung verbinden: CO2 vermeiden und Kerosin besteuern! Denn nur durch technische und politische Entwicklungen lassen sich die negativen Auswirkungen von Flugreisen in den Griff bekommen.

Tim Kollande: Was genau macht den Lebensstil aus, den ihr versucht, zu vermitteln: Geht es um Abgrenzung gegenüber stumpf konsumierender Standardgesellschaft oder “Integration” ebendieser und nachhaltige Aufklärung?

Holger Muster: Natürlich ist es immer cooler, sich von der breiten Masse abzugrenzen. Aber der einzelne Mensch kann so gut wie gar nichts bewirken. Nur in einem allgemeinen Umdenken und in einer großen Bewegung erreichen die vielen kleinen Schritte ihre große Wirkung. Von daher geht es vor allem darum, die Leute zum Nachdenken zu bewegen und ihnen zu zeigen, dass Verzicht nicht gleichzusetzen ist mit einem Verlust an Lebensqualität. Das Gegenteil ist der Fall, wenn alle an einem Strang ziehen.

Tim Kollande: Neben einer Menge Zeit und Hingabe braucht ein solches Projekt sicherlich auch finanzielle Hinwendung. Wo kommen diese Mittel her, wenn nicht gerade aus dem Privatvermögen der “Filmblicker”?

Holger Muster: Träger des Modellstudiums war der “Netzwerk Zukunft e.V.” zusammen mit dem “Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung gGmbH”. Doch ohne Kooperationspartner, Förderer und Unterstützer wäre das Ganze finanziell nicht zu realisieren gewesen. So hat zum Beispiel der Rat für Nachhaltige Entwicklung dafür gesorgt, dass die Ergebnisse des Projekts in Form eines Buches mit DVD unter dem Titel “Nachhaltigkeit in 50 Sekunden” veröffentlicht werden konnten. Die aktuellen Eco-Spots “Lehrer hat Flugwut” und “Fluchzeug” zum Thema Kerosinsteuer wurden aber tatsächlich aus dem “Privatvermögen” der Beteiligten erstellt. Über eine Mail an filmblick@gmx-topmail.de von finanzkräftigen Auftraggebern oder Sponsoren würden wir uns daher schon freuen.

Tim Kollande: Wie wird sich das Projekt in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Holger Muster: Sollte das Projekt auf dem bisherigen Niveau als Privatinitiative einiger engagierter Ehemaliger weitergeführt werden, sollten in fünf Jahren ungefähr fünf bis zehn weitere Spots zu sehen sein. Die Arbeit an “Lehrer hat Flugwut” hat von der ersten gemeinsamen Sitzung bis zum Dreh über ein Jahr gedauert, da alle Beteiligten nur ehrenamtlich in ihrer Freizeit daran gearbeitet haben, um Ideen zu entwickeln, Drehort und Darsteller zu finden, den Film zu bearbeiten und dann auch über YouTube, MySpace, Clipfish usw. in Umlauf zu bringen. Möglicherweise wird es den Filmblick in dieser Form also in fünf Jahren auch gar nicht mehr geben und die Idee lebt nur noch in anderen Projekten weiter.

Die Fragen wurden gestellt von Tim Kollande, Leipziger Blogger und Musiker. Vor knapp zwei Jahren entdecke er das Bloggen für sich. Seitdem bietet ihm http://vertimmt.blogsport.de eine Plattform, auf der er von den 17 Jahren davor und den vielen Jahren, die vor ihm liegen, berichten kann. Auch Holger Muster lernte er beim Bloggen kennen - im “Motorblog” von Motor.de!

Wollen Sie an dieser Stelle auch einmal ein eigenen OpenInterview lesen? Hier steht, wie es geht!

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2 Kommentare zu ““Natürlich ist es immer cooler, sich von der breiten Masse abzugrenzen.” - Tim Kollande im OpenInterview mit Holger Muster (vom Nachhaltigen Filmblick)”

  1. Das erste OpenInterview! | Vertimmt nochmal! sagt:

    […] Klicken! […]

  2. Neue Links rechts! | Vertimmt nochmal! sagt:

    […] Schaut einfach mal rein, es lohnt sich! Wer sich fragt: Moment mal, HolK, irgendwoher ist mir das im Zusammenhang mit Tim doch schon bekannt! Richtig, da war doch dieses OpenInterview im Interviewblog! […]

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