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Interview mit Iwona von Polentz, Geschäftsführerin bei der Gesellschaft für Europabildung

Klaus-Martin Meyer:  Die Gesellschaft für Europabildung organisiert geförderte Projekte für die berufliche Bildung im Ausland. Welche Möglichkeiten hat ein Auszubildender, wenn er ein Praktikum im Ausland absolvieren möchte?

Iwona von Polentz: Die Europäische Kommission hat 2007 ein Programm mit der Bezeichnung „Lebenslanges Lernen“ aufgelegt. Durch dieses Programm wird Bürgern der Staaten der Europäischen Union sowie der Türkei, der Schweiz, Norwegens, Kroatiens, Makedoniens und Islands die Möglichkeit geboten, im Rahmen verschiedener Unter-Förderprogramme Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Am häufigsten werden das Erasmus-Programm im Hochschulbereich und das Comenius-Programm für die allgemeinbildenden Schulen genutzt.  Auszubildende und Ausbilder werden durch das Leonardo-da-Vinci-Programm unterstützt.
Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Programmen ist das Leonardo-Programm weniger bekannt. Es gibt auch weniger Institutionen und Anlaufstellen, bei denen  sich Auszubildende über die Möglichkeiten eines Praktikums im Ausland beraten lassen können. Gegenwärtig nehmen nur drei bis vier Prozent aller Auszubildenden die Möglichkeit eines geförderten Praktikums im Ausland in Anspruch. Wir hoffen aber, dass die Europäische Kommission und die in Deutschland dafür zuständige nationale Agentur in Zukunft verstärkt an der Verbreitung des Programms arbeiten werden.

Klaus-Martin Meyer: 
Wie kann ein interessierter Auszubildender zu einem geförderten Praktikum im Ausland kommen?

Iwona von Polentz: In der Regel bekommen Auszubildende durch engagierte Lehrer den Hinweis auf die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Meist steht dahinter ein großes privates Engagement der Lehrer, die den Auslandsaufenthalt gewöhnlich in ihrer Freizeit für die Azubis organisieren. Wer an seiner Schule keinen Lehrer hat, der sich für dieses Thema  interessiert, dem bleiben oft die Möglichkeiten eines geförderten Auslandsaufenthaltes verborgen.
Einzelinitiativen sind eher selten, da bei den Azubis zumeist gar keine Vorstellung von den Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes existiert.
Die umfangreichste Informationsquelle für ein gefördertes Praktikum im Ausland bei Personen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben, ist die Webseite der Nationalagentur. Dort sind die geförderten Projekte aller  Anbieter aus Deutschland nach Aufnahmeländern und Berufen aufgelistet. Hat man ein geeignetes Angebot gefunden, kann man sich bei dem entsprechenden Projektträger, zum Beispiel bei uns, melden.  Auch wenn der Projektträger gerade kein konkretes Angebot hat, hilft er in der Regel bei der Suche und vermittelt beispielsweise an andere Anbieter.

Klaus-Martin Meyer:  Wird das Praktikum im Ausland für die Ausbildung anerkannt?
Iwona von Polentz: Die Ausbildungsstandards für die Berufsrichtungen sind in den Ländern oft unterschiedlich. Es gibt Ansätze, die Module einer Ausbildung mit einem europäischen Punktesystem zu bewerten, so dass Ausbildungsbereiche, die im Ausland absolviert wurden, im Rahmen der Gesamtausbildung anerkannt werden können.
Wir arbeiten daran, die Inhalte der Module einzelner Ausbildungsberufe zu analysieren und mit den Standards der Partnerländer abzugleichen, so dass die Azubis bei ihrem Auslandsaufenthalt eine adäquate Ausbildung erhalten können und ihre Auslandserfahrung entsprechend bewertet wird.

Klaus-Martin Meyer:  Wie funktioniert die länderübergreifende Kommunikation aller Beteiligten?

Iwona von Polentz: Natürlich möchte die Gesellschaft für Europabildung diese Kommunikation unterstützen,  z. B. mit einem Projekt, bei dem eine zentrale Plattform aufgebaut wird, auf der die ausländischen Partner, die Schulen, die Betriebe und die Projektträger untereinander und die Azubis mit ihren Ausbildern kommunizieren. Als Basis dient ein in den Schulen bereits etablierte Lernplattform im Internet namens Moodle.
Auf diese Weise kann ein Ausbilder den Kontakt zum Azubi auch beim Praktikum im Ausland halten und seine Lernschritte begleiten und unterstützen. Die Sprachschulen können eigene vorbereitende Kurse auf die Plattform stellen usw. Wir wollen in der Folge die gesamte Kommunikation über diese Plattform abwickeln. Weiterhin ist es möglich, dort Formulare, Berichte und relevante Dokumente abzulegen, damit alle Beteiligten darauf Zugriff haben und dadurch die Qualität des Aufenthaltes einschätzen und auch beeinflussen können.
Unser Ziel ist es, alle Mitwirkenden über diese Kommunikationsplattform stärker an die Inhalte des Auslandsaufenthalts heranzuführen und die Hemmschwelle einer Beteiligung zu senken. In Zukunft sollen weitaus mehr Auszubildende von den Auslandsangeboten des europäischen Programms „Leonardo da Vinci“ profitieren. Das schließt insbesondere  die Anerkennung der im Ausland erworbenen Kompetenzen ein.

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