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Florian Gollob interviewt Reinhard Sperr zum Thema Energiepflanzen

Florian Gollob: Hallo Herr Sperr, vielen Dank, dass Sie heute mir, und damit gleichzeitig der Community von OpenInterview, ein wenig Einblick in Ihre Welt der Erneuerbaren Energien geben! Sie sind ja schon seit mittlerweile 12 Jahren als Gärtnermeister in Österreich selbständig und kamen im Lauf dieser Zeit auch auf diese sogenannten Energiepflanzen. Was kann ich mir nun als Leihe darunter vorstellen bzw. wie sind Sie selbst darauf gestoßen?

Reinhard Sperr: Auch ich möcht mich gleich mal bedanken für die Zeit und das Forum, dass Sie mir und meinen Energiepflanzen mit diesem Interview geben! Energiepflanzen sind ja ein recht weiter Begriff und grad in letzter Zeit in den Medien nicht immer so gut weggekommen. Sie kennen sicher die kontraproduktiven Initiativen grosser Konzerne etwa in Indonesien große Regenwaldflächen zu roden um dort die Ölfrucht Jatropha anzubauen. Durch die Rodung wird viel mehr an CO² freigesetzt, also dieser dann als Treibstoff beigemischte Ölersatz an Einsparung bringt. Von den katastrophalen A uswirkungen auf die dortigen Ökosysteme gar nicht zu reden.
Aber auch in Deutschland und Österreich werden mittlerweile große Mais- und Rapskulturen für die energetische Nutzung angebaut (Biogas, Biodiesel), was einerseits bereits regional zu Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion führt, andererseits wieder große, intensiv bewirtschaftete Monokulturen entstehen lässt, die alles andere als “Bio” sind.

Florian Gollob: Das heißt Sie sind mit Ihren Energiepflanzen schon am absteigenden Ast?

Reinhard Sperr: Einen Moment, das war noch nicht alles! :-) Unsere Energiepflanzen werden zwar auch so bezeichnet wie die vorgenannten, sind aber im Anbau, Anzucht und Ernte sehr extensive Kulturen (wenig Arbeit, geringe Ressourcen). Man pflanzt also z.B. Miscanthus (Elefantengras) oder einen Energiewald an, pflegt diese im Pflanzjahr auch teilweise mit Unkrautbekämpfungsmittel, nutzt die Pflanzen dann aber 20 bis 30 Jahre ohne jegliche Pflege. Man muss dann nur noch ernten. Und das ist der riesige Unterschied zu Intensivkulturen wie Mais und Raps. Diese muessen jedes Jahr gepflanzt, mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden und benötigen zudem noch jede Menge mineralischen Dünger.

Florian Gollob: Aber Ihre Energiepflanzen brauchen dann vermutlich auch jede Menge Dünger, wenn sie so stark wachsen…wie stark wachsen sie eigentlich im Jahr?

Reinhard Sperr: Eigentlich bräuchten “meine” Energiepflanzen gar keinen Dünger. Um ein Ertragsoptimum rauszuholen kann man aber ganz leicht organisch (z.B. Mist) oder mineralisch nachdüngen.
Jedenfalls nicht vergleichbar mit “normalen” Ackerkulturen. Zum Zuwachs noch: Der geht sehr weit auseinander, je nach Boden, Wasserverfügbarkeit und Klima. Aber ich sag mal so: Jedenfalls den doppelten, in guten Gegenden auch den vierfachen Ertrag zu einem herkömmlichen Wald bekommt man heraus.

Florian Gollob: Und wieso sieht man dann nicht schon viel mehr dieser Energie-Pflanzungen?

Reinhard Sperr: Wenn man genau schaut sieht man doch schon was. Es hat sich auch in den letzten Jahren schon was bewegt in Europa. Aber Sie haben recht: auch mir geht das ganze viel zu langsam und das Potential ist noch nicht mal ansatzweise ausgeschöpft. In Österreich stehen derzeit ein bisschen mehr als 1.000 Hektar Miscanthus  und gut 1.300 Hektar Pappel und Weide im Kurzumtrieb. In Deutschland ein paar Tausend Hektar, Polen und Schweden jeweils ca 14.000 Hektar und noch nennenswerte Flächen in Ungarn und Italien. Vorallem aber wenn ich im Osten Europas unterwegs bin und die vielen schönen Flächen seh, die derzeit noch brach liegen, dann frag ich mich schon wie ernst es Europa mit der Energiewende nimmt… aber vermutlich ist der Mensch halt träge und braucht seine Zeit, bis er auch manches draufkommt, auch wenns noch so augenscheinlich ist, wie mit diesen extensiven Energiepflanzen.

Florian Gollob: Echt spannend mal über dieses Thema, dass ja so in der Öffentlichkeit kaum vorkommt, so im Detail zu hören! Eine abschließende Frage noch: Wer sind nun Ihre “typischen” Kunden und was motivert diese solche Pflanzen anzubauen?

Reinhard Sperr: Also sowas wie einen “typischen” Kunden gibts bei uns eher nicht. Was diese Menschen gemeinsam haben ist Unternehmer- und Pioniergeist, die wollen was ausprobieren, was anpacken, auch ein bisschen Risiko eingehen. Die Hauptmotivation ist am Anfang wohl die Eigenversorgung mit Holz oder Holzersatz (Miscanthus), erst dann wird in Richtung Verkauf geschaut. Größere Initiativen von Firmen oder Fonds, die in Osteuropa große Projekte aufziehen wollten, sind großteils gescheitert. Wir haben schon viele bei solchen Projekten beraten, doch am Ende scheints dann doch am Geld oder der Rendite zu fehlen. Wir arbeiten auch lieber mit dem “kleinen Bauern” oder dem Grundbesitzer, der seine Flächen oft wenig gewinnbringend verpachtet hat, und der mal ein Hektar anpflanzt und dann weiterschaut. Diese zahlen dann auch zuverlässig und haben das Potential mit der entsprechenden Erfahrung mittelgrosse Projekte anzupacken.

Florian Gollob: Ich hab heut wieder sehr viel dazulernen dürfen, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin bei Ihren Projekten!

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