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“Natürlich kann Bloggen ein Geschäftsmodell sein.” - Im Gespräch mit Peter Hogenkamp (Blogwerk AG)

Klaus-Martin Meyer: Peter, Du bist der Gründer und Geschäftsführer der Blogwerk AG. Könntest Du dich und deine Firma bitte kurz vorstellen? Zudem stellt sich natürlich für einen Osnabrücker wie mich die Frage, wie man von Detmold in die Schweiz “gerät”?

Peter Hogenkamp: Damals mit dem Auto. Heute vor allem mit AirBerlin. :-)
Nein, ich habe einfach in St. Gallen studiert, heute vor genau 17 Jahren (29.10.1990) bin ich in die Schweiz gekommen und hatte meinen ersten Semestertag. Ich dachte, ich bleibe vier Jahre, aber dann bin ich hängen geblieben, wie so viele Deutsche. Es ist sehr schön hier, auch für Unternehmer.
Blogwerk ist ein Online-Verlag, der kommerzielle Themenblogs betreibt. Wir reden gelegentlich auch von Online-Magazinen oder Themenchannels, weil viele Leute leider immer noch nicht verstanden haben, was Blogs sind und dass man dort nicht nur anonym der Welt sein Herz ausschüttet.

Klaus-Martin Meyer: Unter Bloggern wird noch zum Teil kontrovers diskutiert, ob Bloggen ein Geschäftsmodell sein kann. Dabei werden zum Teil Vergleiche mit Schauspielern angestellt. Auf einen Superstar kommen 10.000 arbeitslose Schauspieler, die in Wirklichkeit wohl eher “Gastronomen” sind. Wie siehst Du das Ganze?

Peter Hogenkamp: Natürlich kann Bloggen ein Geschäftsmodell sein. Der Vergleich mit den Schauspielern impliziert ja schon, dass manche ganz offenbar sehr gutes Geld damit verdienen. Wobei ich am konkreten Beispiel Schauspielerei nicht glaube, dass es sich dabei um einen “Winner-takes-all-market” handelt. Es ist wohl eher ein Long Tail: Die am Anfang machen das grosse Geld, aber weit hinten kann man sich zumindest emotional auch noch bereichern, indem man halt bei einem kleinen Theater oder mit einer Laiengruppe spielt. Viel Geld verdient man damit zugegebenermassen nicht.
Dass es in Deutschland so viel schwieriger ist für Blogger, liegt natürlich nicht zuletzt an der Grösse des Marktes. Aber auch hier sehen einige A-Blogger in letzter Zeit, wie ihre Einnahmen drastisch angestiegen sind. Ausserdem glaube ich auch, dass GoogleAds bei weitem nicht der einzige Weg bleiben werden, um Besucher zu monetarisieren. An GoogleAds verdient vor allem Google, wie sich jedes Quartal aufs Neue zeigt. Langfristig werden noch andere Modelle als nur Google mit CPC und Affiilate kommen, davon bin ich überzeugt. Ich weiss aber nicht, wie die aussehen, sonst würde ich es selbst machen.
Andererseits bin ich gar nicht der richtige, um mich nach Bloggen als Geschäftsmodell für den einzelnen Blogger zu fragen. Wir machen ja einen Online-Verlag und fühlen uns daher eher verwandt mit anderen Online-Content-Anbietern als mit “klassischen” Bloggern.

Klaus-Martin Meyer: Hast Du ein Erfolgsrezept, wie man mit einem Blog auch hochgesteckte Ziele erreichen kann?

Peter Hogenkamp: Kein spezielles ausser den banalen Tipps: Qualität, Frequenz und Konstanz - ich könnte nicht mal sagen, in welcher Reihenfolge. Die Zugriffe bei neuerdings.com steigen und steigen seit nunmehr einem Jahr konstant an; wir haben aber auch die Anzahl Posts pro Woche auf 35 bis 40 hochgefahren. Das schafft in Deutschland kein Einzelkämpfer - ausser vielleicht Robert Basic, aber der schläft auch nicht.

Und Qualität ist wirklich entscheidend. Es wird so viel über die Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten diskutiert. Ich glaube, eins unserer Erfolgsrezepte ist, dass bei uns erfahrene Journalisten mitmachen und die unerfahreren Nicht-Journalisten (wie mich) coachen. Wie recherchiere ich, wie schreibe ich, wie “verkaufe” ich eine Geschichte mit einer guten Headline? Auch Blogs müssen journalistisch arbeiten, um erfolgreich zu sein. Es gibt sicher eine blog-spezifische Art zu schreiben, aber überall muss man eine Geschichte erzählen können.

Klaus-Martin Meyer: Du hast gerade erfolgreich eine Kapitalerhöhung plaziert. Welche Blogaktivitäten können wir in naher Zukunft zusätzlich erwarten? Und wie können sich deine Blogs gegenseitig unterstützen?

Peter Hogenkamp: Wir machen nichts Spektakuläres, sondern werden weitere Blogs lancieren, das haben wir jetzt schliesslich ein Jahr lang geübt. Derzeit planen wir an einer Art Online-Frauenmagazin-Blog, womit wir zum ersten Mal unser angestammtes Terrain von Themen verlassen, die wir selbst abdecken können. Das ist schon ganz schön schwierig - deutlich schwieriger jedenfalls als etwas zum naheliegendsten Thema “Gadgets” zu machen.
Die Blogs unterstützen sich gegenseitig durchaus etwas, aber nicht übermässig. Wir haben sie ja bewusst so positioniert, dass sie als Marke allein stehen: neuerdings.com, medienlese.com, imgriff.com, fokussiert.com. Von mir aus muss gar nicht jeder wissen, dass Blogwerk der Absender der Blogs ist. Das verbindet uns mit klassischen Magazinen: Wie viele Leser können schon jedem Magazin, das sie lesen, den richtigen Herausgeber zuordnen? Von “Gruner + Jahr” haben wahrscheinlich viele Leute noch nie etwas gehört. Auch Blogwerk ist insofern eher eine B2B-Marke: Möglichst bald sollten uns möglichst viele Online-Werber kennen; bei den Lesern ist es nicht so wichtig. Wobei man wiederum sagen muss, dass das online vermutlich transparenter ist als in Print, weil man sich so schnell durchklicken kann.

Klaus-Martin Meyer: Zum Schluß unsere Standardfrage. Wo steht die Blogwerk AG in fünf Jahren?

Peter Hogenkamp: Das weiss ich nicht, und das ist ja das spannende am Unternehmertum. Wenn wir unsere Wachstumszahlen bei den Zugriffen von diesem Jahr fortschreiben — wir haben von Monat zu Monat jeweils 20% plus gemacht — erreichen wir schon bis Ende 2008 für unsere heutigen Verhältnisse schwindelerregende Zahlen. Ich habe bewusst auch den Businessplan nur bis Ende 2008 geschrieben, denn Fünfjahrespläne finde ich albern, die funktionieren ja nicht mal im Kommunismus.
Ich würde mich sehr freuen, wenn unsere Brands wie “neuerdings.com” in fünf Jahren Millionen von Zugriffen generieren und bekannte Online-Marken geworden sind, wie heute etwa guenstiger.de oder ciao.com.
Trotz der unüberschaubaren Flut von Web-2.0-Startups gibt es ja immer noch nur wenige Nur-Online-Marken, die wirklich viele Menschen kennen. Im Bereich Content sehe ich noch einige freie Nischen, die auf uns warten.

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3 Kommentare zu ““Natürlich kann Bloggen ein Geschäftsmodell sein.” - Im Gespräch mit Peter Hogenkamp (Blogwerk AG)”

  1. medienlese.com » Blog Archiv » 6 vor 9 sagt:

    […] “Natürlich kann Bloggen ein Geschäftsmodell sein.” (interview-blog.de, Klaus-Martin Meyer) Im Gespräch mit Peter Hogenkamp (Blogwerk AG). […]

  2. Adnan sagt:

    selbst die vision und das glaube an die zukunft der blogs ist zu bewundern….”was wären die großen erfolge,ohne die klienen”:)))

  3. Trend: deutsche Tech-Blogs werden professionell » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    […] Wie es aussieht, geht der Trend genau in diese Richtung. Am Sonntag erst stellte sich Peter Hogenkamp von der Blogwerk AG den Fragen des Interview Blogs und berichtete über sein wachstumsstarkes Unternehmen, das eigenständige und professionell geführte Blogs wie neuerdings.com, medienlese.com, imgriff.com und fokussiert.com unter einem Markendach vereint, vermarktet und weiter expandieren will. Am Montag dann gab man bei Gründerszene, dem vom Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski gesteuerten Projekt, bekannt, dass man aufgrund der ständig wachsenden Menge an News über interessante Startups einen hauptberuflichen Chefredakteur suche. Gestern folgte Exciting Commerce mit einer ähnlichen Meldung: “Exciting Commerce stößt langsam an Kapazitätsgrenzen” und sucht ein bis zwei engagierte (Partime-)Blogger/Analysten…”. […]

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