“Tradoria ist eine auf die Bedürfnisse von Long-Tail Händlern zugeschnittene E-Commerce Plattform.” - Im Gespräch mit Tobias Kobier
interview-blog.de: Herr Kobier, Sie sind einer der Geschäftsführer der Firma Tradoria GmbH. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?
Tobias Kobier: Sehr gerne. Tradoria ist eine auf die Bedürfnisse von Long-Tail Händlern zugeschnittene E-Commerce Plattform. Händler können ihren eigenen, individualisierbaren Online-Shop einrichten. Zudem werden alle Produkte aggregiert auf dem Shopping-Portal Tradoria.de angeboten. Endkunden können die Produkte in einem gemeinsamen Warenkorb und in nur einem Checkoutprozess bestellen, und das generell versandkostenfrei. Tradoria fungiert als zentraler Fulfillment-Anbieter und gewährleistet die Einhaltung der Rechtsvorschriften (über Kooperation mit legalershop.de), die Payment-Abwicklung mit Treuhandservice, das Versand- und Retourenmanagement (günstige Versandkonditionen über DHL-Rahmenvertrag), sowie den Händler-Support.
An jeder Bestellung ist Tradoria mit einer Transaktionsgebühr beteiligt. Der Händler hat keine Fixkosten, Mindestumsätze oder Vertragslaufzeiten.
Die Tradoria GmbH wurde von Frau Rank (36) und mir (31) gegründet. Ursprünglich sind wir seit 2003 zusammen Geschäftsführer einer Internetagentur in Bamberg.
interview-blog.de: Beim Aufbau einer Shopping-Plattform ist es wichtig sowohl eine kritische Masse an Verkäufern als auch an Käufern anzulocken. Wie lösen Sie diese Aufgabe?
Tobias Kobier: Händler akquirieren wir mit nachtelefonierten Direktmailings. Zudem schalten wir hier und da Werbung in Fachpublikationen und Newslettern, je nachdem was unser schmales Werbebudget gerade zulässt. Und über ein Provisionsmodell haben wir auch ein Händler-werben-Händler Programm laufen. Das funktionert sehr gut, wir konnten in den ersten sechs Wochen nach Start bereits über 100 Händler für Tradoria begeistern. Über 50 davon haben auch schon Ihre Produkte eingestellt und ihre Shops eröffnet.
Die kritische Masse an Käufern fehlt uns derzeit allerdings noch, aber wir sind ja erst knapp acht Wochen online. Unsere Händler berichten uns allerdings, dass sie über die Anzahl der eingehenden Bestellungen nach so kurzer Zeit positiv überrascht sind.
Einen zusätzlichen Schub erwarten wir uns von unserem Partnerprogramm “myTradoria”, das Ende Juni an den Start gehen wird. Neben klassischen Werbemitteln und Shopping-Wigets haben Partner hier die Möglichkeit, einen eigenen “myShop” einzurichten. In diesem kann man sich nach Belieben Produkte aus dem Tradoria-Sortiment zusammenstellen. Für jeden Verkauf erhält der Partner dann eine Affiliate-Provision, die von den Händlern zu jedem einzelnen Produkt angelegt wird (derzeit 1% - 30%). Im Gegensatz zu anderen Anbietern, die einen Teil der Provision einbehalten, legt Tradoria sogar noch 1% (des Verkaufspreises) auf die Händlerprovision obenauf!
interview-blog.de: Ein sicher sehr wichtiger und guter Aspekt ist der gemeinsame Warenkorb. Als potentiellen Kunden spricht mich das sehr an. Können Sie etwas dazu sagen für wieviele Prozent der Bestellungen dieser Aspekt überhaupt relevant wird?
Tobias Kobier: Der Anteil der gemeinsamen Warenkörbe auf dem Shopping-Portal ist derzeit sehr gering. Ich kenne natürlich auch die kritischen Stimmen zur Notwendigkeit und zum technischen Aufwand gemeinsamer Warenkörbe. Bei Tradoria ist der händlerübergreifende Warenkorb allerdings weitaus mehr, als “nur” ein Zusatznutzen für den Kunden. Letzendlich bildet er die Grundlage für unsere Multi-Commerce Strategie. Denn als Betreiber eines “myShops” wählen Sie Ihr Produktsortiment ja händlerübergreifend aus. Somit muss dass System im Hintergund in der Lage sein, händlerübergreifende (also auch gemeinsame) Warenkörbe technisch abbilden und abwickeln zu können.
interview-blog.de: Andere Shopping-Plattformen wie yatego oder auch ebay setzen sehr stark auf Suchmaschinen-Optimierung. Welche Wege beschreiten Sie, um viele Kunden auf tradoria.de zu locken?
Tobias Kobier: Natürlich setzten auch wir auf das Thema Suchmaschinen-Optimierung. Daher wurde schon in der Konzeption der Software hierauf ein Schwerpunkt gelegt. In der Praxis funktioniert das sehr gut, viele unserer Shops sind bereits mit den relevanten Keywords auf der ersten Seite bei Google zu finden. Teilweise direkt hinter Ebay und Yatego, teilweise sogar schon davor.
Zudem starten wir gerade eine Rubrik “Marketing-Tipps” in unserer Händlersoftware. Hier werden wir versuchen, unseren Händlern Tipps zu vermitteln, wie sie ihren eigenen Shop mit geringen Mitteln vermarkten können. Denn letztendlich leben wir von Kunden in den einzelnen Shops ebenso wie von Kunden auf dem Portal.
interview-blog.de: Zum Abschluß stellen wir wie gewohnt unsere Standardfrage. Wie wird sich tradoria in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Tobias Kobier: Wie die aktuelle Studie der US-Fachzeitschrift “Internet-Retailer” zeigt, findet im E-Commerce gerade ein Umbruch statt. Die Long-Tail Händler haben erstmals die die Massenversender im Wachstum deutlich übertroffen. Hier zeichnet sich bereits ab, wo in naher Zukunft das größte Potential im E-Commerce liegen wird: Kleinsthändlern und Nischenanbietern einen einfachen und günstigen Zugang zum Markt zu verschaffen. Tradoria sieht sich als Pionier in diesem Bereich. Wir glauben daher, dass wir in den nächsten Jahren in Schlagdistanz zu den großen Shopping-Anbietern in Deutschland gelangen werden.
Link-Tip: Tradoria Blog
Stichworte: Long Tail Tobias Kobier Tradoria

10. Juni 2007 22:06 |
[…] Klaus-Martin Meyer vom interview-blog hat aktuell ein Interview mit Tradoria geführt. […]
3. Juli 2007 23:34 |
Die Deutsche Social Commerce Szene: Teil II…
Teil II: Geschäftsmodelle im Social Commerce
Tradoria - The Longtail Pionier
Wie Jochen Krisch schon sagt lässt sich das Geschäftsmodell von Tradoria am besten mit Dawanda vergleichen. Beide vereinen die unterschiedlichsten Händler, Verkäufer und …
12. November 2008 18:04 |
[…] Tradoria sorgt nicht nur für den sorglosen Einkauf des Kunden sondern geht mit seinem Konzept auch gezielt auf die Bedürfnisse von Longtail Händlern ein wie Tobias (Gründer) im Interview mit dem Interview-Blog verlauten lässt. Seiner Meinung nach sind es die kleinen Händler die mittelfristig die Massenversender im Umsatz überholen werden. Carsten Völler bezeichnet den Einkauf sogar als echte Alternative zu Ebay Express und Amazon sollten die beiden Gründer Tobias Kobier (31) und Beate Rank (36) es schaffen genügend Händler mit attraktiven Produkten zu aquirieren. Auch Peter Höschl vom Shopanbieter Blog ist der Meinung, dass das Potential der kleinen Shops im E-Commerce noch unterschätzt wird und untermauert mit einer Studie, dass Nischen und Speziell Interest Anbieter sich zu den Treibern des E-Commerce entwickeln. Aus dieser Studie geht auch hervor , dass die kleinen Händler bereits die Großen in der Wachstumsdynamik schlagen. […]