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“memoloop ist eine neue, inhaltliche Klammer, mit deren Hilfe sich Menschen untereinander vernetzen könnennämlich durch die Erinnerungen.” - Im Gespräch mit Florian Wagner

Klaus-Martin Meyer: Florian, Du bist der Geschäftsführer von der Licennium GmbH in Köln. Könntest Du Dich, Deine Kollegen und das Konzept von memoloop kurz vorstellen?

Florian Wagner: Licennium ist eine Strategieagentur für Marken und Medien, die ich Anfang des Jahres gegründet habe. Unser Beratungsschwerpunkt liegt eindeutig in dem Bereich Brand Development.

memoloop ist allerdings eine Idee, die ich schon seit längerem hatte, und die ich nun gemeinsam mit Carsten Pasternack umgesetzt habe. Die Leitidee für memoloop ist eigentlich ganz einfach und ich finde, dass Markus Spath das auf blognation wunderbar beschrieben hat. memoloop ist eine neue, inhaltliche Klammer, mit deren Hilfe sich Menschen untereinander vernetzen könnennämlich durch die Erinnerungen. Damit ist memoloop eine neue Form der Community, ein Speicherort für Erinnerungen. Durch intelligente Matchoptionen können die Mitglieder von memoloop neue Verbindungen aus Ihrer Vergangenheit heraus entdecken oder eben einfach nur ihre Erlebnisse auf einer Zeit-, Orts- oder Gefühlsebene mit anderen Usern teilen. Schon dieser Vergleich mit den Erlebnissen der anderen User ist erstaunlich. Wir erleben das gerade bei den Antworten zu der Frage nach dem persönlichen Erleben des 11. Septembers, wo man war und was man gemacht hat an diesem Tag.

Klaus-Martin Meyer: Gestern saßen meine Frau und ich mit Freunden zusammen, die wir seit knapp drei Jahren kennen. Dabei stellte sich heraus, dass wir in verschiedenen Jahren bei derselben Vermieterin auf Amrum geurlaubt haben. Ein anderes Beispiel: Vor ca. drei Monaten bekam ich eine Email von einer in Newcastle lebenden Osnabrückerin, die in der selben Firma arbeitet wie ich im Jahr 1997. Danach ging es für mich dann zurück nach Osnabrück. Hätten wir diesen Sachverhalt mit Hilfe von memoloop schon schneller herausgefunden und hätten sich die betreffenden Personen dann schon schneller kennengelernt?

Florian Wagner: Diese schönen Beispiele zeigen doch, dass solche Begegnungen ein Stück weit zum Alltag gehören, und wir sind immer wieder verblüfft über das unsichtbare Netzwerk, das wir im Laufe unseres Lebens aufbauen.

Auf memoloop wäre die Geschichte wahrscheinlich so ausgegangen: Deine Freunde hätten von ihrem Urlaubsort auf Amrum erzählt. Dass Du ebenfalls Deinen Urlaub dort verbringst, stünde auch auf memoloop. Außerdem unterstelle ich einmal, dass beide die gleichen oder ähnlichen Emotionen mit diesem Urlaub verbinden. Mit dieser Übereinstimmung wäre auf memoloop ein Match zustande gekommen. Die Möglichkeiten einer intensiveren Unterhaltung wären damit also geschaffen. Ist man sich dann auch noch sympathisch, wird sich im Verlauf der Unterhaltung herausstellen, dass es sogar die gleiche Vermieterin war. Es stellt sich eigentlich gar nicht mal die Frage, ob das auf memoloop schneller geht als im richtigen Leben. Es geht vielmehr um die Vielschichtigkeit möglicher Beziehungen, deren Gründe und Anfänge in der Vergangenheit liegen.

Das Beispiel mit Newcastle lässt sich erst in ein paar Wochen realisieren, denn dann starten wir mit der internationalen Ausgabe von memoloop.

Klaus-Martin Meyer: Die Reakionen bei der Vorstellung von memoloop bei deutsche-startups.de waren eher gemischter Natur. Wie willst Du eine kritische Masse für Deine Plattform zusammen bekommen, damit der gewünschte Nutzen auch eintreten kann?

Florian Wagner: Insgesamt fand ich die Reaktionen sehr gut. Natürlich ruft eine neue Idee auch Skeptiker auf den Plan, und ich finde, das auch absolut nachvollziehbar. Carsten und ich haben sehr lange diskutiert, ob wir mit einer - wie üblich – geschlossenen Beta online gehen wollen oder eben sofort mit einer offenen Version. Wir haben uns für den letzteren Weg entschieden, weil wir uns sehr wohl darüber im Klaren sind, dass memoloop ein völlig neuer Ansatz ist. Und hier ist es uns wichtig, von Anfang an die Menschen in den Entwicklungsprozess zu integrieren. Aus diesem Grund freuen wir uns wirklich über das große und konstruktive Feedback, das wir erhalten. Die nächsten Tage und Wochen werden wir dazu nutzen, neue Funktionalitäten auf der Seite zu integrieren.

Auf der anderen Seite müssen wir sehen, dass der Matchingmechanismus bei memoloop nicht falsch verstanden wird. Die Übereinstimmungen beziehen sich auf und/oder Verbindungen von Ort, Zeit und Emotion (hier integrieren wir demnächst eine verfeinerte Version der emotionalen Verfassung bei einem Erlebnis). Das bedeutet, dass die kritische Masse wesentlich früher erreicht wird. Und auch ohne diese Treffer ergibt sich bei memoloop ein Austausch im Netzwerk, ganz einfach, indem man seine eigenen memos mit denen der anderen vergleichen kann.

Klaus-Martin Meyer: Wird man auch dem Zufall vorgreifen können, indem man über Ihre Plattform anmeldet, wo man in demnächst seinen Urlaub verbringen wird?

Florian Wagner: Die Richtung von memoloop ist ganz klar die eigene Erinnerung und damit vergangenheitsorientiert. Natürlich schließen wir nicht aus, dass ein vergangenes Ereignis auch zukünftige Bezüge haben kann. Das wird besonders dann der Fall sein, wenn wir das Thema Gruppenbildung auf memoloop integrieren. Schließlich heißt unser Claim – Dein Gedächtnis im Netz

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß unsere Standardfrage. Wo wird memoloop in fünf Jahren stehen?

Florian Wagner: memoloop.com hat sich als internationales Netzwerk der Erinnerungen etabliert, auf dem die Menschen in ihren jeweiligen Sprachen oder eben in der englischen Sprache Ihre Erinnerungen aufschreiben und mit anderen teilen können. Es gibt doch diesen Spruch im deutschen für vermeintlich belanglose Ereignisse :“ … und in China ist ein Sack Reis umgefallen.“

Auf memoloop.com können wir dann nachlesen, ob der Sack Reis für den Menschen in China auch wirklich so belanglos war.

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