“Ins Internet in seiner heutigen Form kamen wir dann 1996, sind damit also sicherlich einer der Pioniere im Medienhandel.” - Im Gespräch mit Stefan David (Onlinemarketing-Manager bei JPC)
Klaus-Martin Meyer: Stefan, Du bist im Bereich Online-Marketing bei der Firma jpc-schallplatten Versandhandelsgesellschaft mbH in Georgsmarienhütte beschäftigt. Kannst Du Dich und Deine Firma bitte kurz vorstellen?
Stefan David: jpc gibt es als Filialisten und Versandhändler im Bereich Musik, Film und Buch bereits seit 1973, wobei es bereits drei Jahre früher mit dem sprichwörtlichen Verkauf von Schallplatten auf dem Tapeziertisch angefangen hat. Online gibt es uns auch schon seit den Achzigern, nämlich über den BTX-Dienst der damaligen Post. Ins Internet in seiner heutigen Form kamen wir dann 1996, sind damit also sicherlich einer der Pioniere im Medienhandel.
Ich bin dann 1999 zu jpc gestoßen und habe mich zuerst zusammen mit mehreren Kollegen um unseren jpc-courier gekümmert, ein 80 bis 100 Seiten starkes Magazin, in dem wir monatlich eine Auswahl von Angeboten und Neuheiten aus unserem Sortiment vorstellen. Nach und nach habe ich immer mehr Aufgaben übernommen, die unseren Online-Auftritt berührten und habe dann vor gut vier Jahren komplett den Wechsel ins Online-Marketing vollzogen. Dort kümmere ich mich neben typischen Marketing-Aufgaben und Affiliate-Management auch um technische Belange unserer Sites www.jpc.de und www.lesen.de und habe auch viel mit Themen wie Fernabsatzrecht, Markenrecht und Telemediengesetz zu tun. Diese Vielzahl der Verantworlichkeiten hält die Arbeit dauerhaft spannend. Ach ja: Und das für das jpc-Weblog bin ich auch noch verantwortlich, wobei ich da aber von vielen Kollegen unterstützt werde, die eigene Inhalte abliefern.
Klaus-Martin Meyer: Wenn ich richtig recherchiert habe, betreibt JPC seit Mai den angesprochenen eigenen Corporate-Blog. Was sind die ersten Erkenntnisse dieses Projekts? Trägt der Blog zur Kundenbindung zu zu erhöhtem Google-Traffic bei? Wie nehmen die Besucher von jpc.de das Angebot auf?
Stefan David: Richtig -, gestartet sind wir im Mai und daher ist es für manche Erkenntnisse einfach noch zu früh. Eines kann ich aber auf jeden Fall schon sagen: Negative Reaktionen von Kunden oder anderen Besuchern des Blogs sind bisher keine angekommen. Alle Äußerungen - ob direkt im Weblog über die Kommentarfunktion oder auf anderem Weg, z. B. als E-Mail an unseren Service - sind durchaus positiv ausgefallen. Zu vielen Blog-Artikeln gibt es aber auch gar keine Reaktionen, wobei es sich dann auch oft um Artikel handelt, die auch keine Reaktionen herausfordern. Andere Artikel werden durchaus kontrovers diskutiert, wie z. B. eine Gegenüberstellung von SACD- und DVD-Audio-Vorzügen eines Gastautors (der Inhaber des audiophilen Labels Tacet).
Erhöhten Google-Traffic erhält man mit einem gut aufgestellten Blog sofort - zumindest ist das meine Erfahrung aus mehreren Projekten, denen Weblogs zugrunde liegen. Inwieweit sich dieser Traffic aber in unseren Shop durchschlägt oder gar zu erhöhten Umsätzen führt, ist reine Spekulation. Allerdings ist das auch nicht das vorrangige Ziel des Weblogs.
Klaus-Martin Meyer: Inwieweit können die Blog-Aktivitäten die Online-Marketing-Ziele unterstützen?
Stefan David: Ich denke, dass das Weblog uns hilft, den Eindruck zu festigen, den die meisten unserer Kunden jetzt schon von uns haben. Wir sind eben nicht der anonyme bis abstrakte Riese aus Amerika, der auch hier in Deutschland ein paar CDs verkauft, sondern wir sind der inhabergeführte Mittelständler, bei dem die (zumindest die älteren) Kunden auch schon in ihrer Studentenzeit ihre LPs gekauft haben. Unsere Einkäufer schreiben selbst Artikel zu den Themen des Monats und es
kommt auch schon einmal vor, dass der Chef selbst zu Lieferschwierigkeiten Stellung nimmt.
Was die Themenauswahl im Weblog angeht, gibt es natürlich einen produkt- und damit absatzbezogenen Einschlag - das ist eben unser Tagesgeschäft. Große Resonanz haben wir auch zu Nachrichten oder Gerüchten aus dem Musikgeschäft und zu technischen Themen erhalten. Sehr oft besucht wurden aber auch unsere wenigen Meldungen zu Verstorbenen. In solchen Artikeln verzichten wir aber bewusst auf die Verlinkung oder auch nur Erwähnung von Artikeln, die von diesen Künstlern bei uns erhältlich sind. Zwar entsteht in solchen Fällen eine Nachfrage, die wir dann natürlich auch befriedigen, gezielt profitieren, indem wir diese Produkte dann bewerben, möchten wir aber davon nicht. Solche Meldungen veröffentlichen wir daher auch nur sehr
sparsam und nur, wenn wir sehr zeitnah sind. Reines Vervielfältigen von Todesmeldungen als Suchmaschinenfutter halte ich für untragbar.
Wir kümmern uns lieber noch weiter darum, jpc neuen und alten Kunden näher vorzustellen und z. B. auch Abläufe im Shop zu erklären. Damit ziehen wir zwar vermutlich nur wenige Suchmaschinen-Nutzer auf unsere Seiten, interessierten Besuchern können wir aber auf diesem Weg echte Informationen bieten, für die im Shop kein Platz wäre.
Klaus-Martin Meyer: Auch privat betreibst Du einen Blog. Was ist da die Zielsetzung?
Stefan David: Das ändert sich von Zeit zu Zeit
Angefangen hat das eigentlich als Test der Suchmaschinentauglichkeit von Wordpress-Blogs. Die Ergebnisse waren phänomenal. Als ich dann aber festgestellt habe, dass tatsächlich interessierte Leser auf der Seite waren, war ich natürlich auch in der Pflicht, wirkliche Inhalte zu liefern; als Alternative hätte es sonst nur das Abstellen des Blogs geben dürfen.
Mittlerweile schreibe ich eigentlich hauptsächlich zu Themen, mit denen ich mich privat bzw. nebenberuflich beschäftige. Seit einigen Monaten bin ich Mitglied der Webkrauts (www.webkrauts.de), die sich um die Verbreitung der Vorteile von Webstandards kümmern. In diesem Zusammenhang habe ich schon Rezensionen über den Relaunch mehrerer Websites geschrieben und die Übersetzung eines englischsprachigen Artikel veröffentlicht, um die Inhalte noch mehr Lesern zugänglich zu machen. Daneben berichte ich über nebenberufliche Projekte, soweit es die Auftraggeber zulassen und werde bald auch mehr Rezensionen von Fachbüchern schreiben.
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß wie gewohnt unsere Standardfrage: Über welche Themen wird in den genannten Blogs in fünf Jahren geschrieben?
Stefan David: Wow. Darüber wage ich ja kaum zu spekulieren. Was mein eigenes Weblog angeht, kann ich mir das wirklich kaum vorstellen und werde es einfach auf mich zukommen lassen.
Für jpc ist das schon einfacher zu beantworten: Wir werden bis dahin eine Plattform etabliert haben, in der das Weblog ein maßgeblicher Teil eines von und mit Kunden betriebenen Community-Systems ist, die neben dem jpc-Shop besteht und eng mit diesem verzahnt ist. Wie das genaus aussieht, steht noch in den Sternen, wird sich jedoch sukzessive entwickeln und den Bedürfnissen und Wünschen unserer Kunden anpassen - wobei es natürlich nicht zwingend notwendig sein wird, Kunde zu sein -
mitmachen reicht.
All das ist aber natürlich Spekulation und es kann auch ganz anders kommen …
Stichworte: JPC Stefan David webkrauts

6. August 2007 14:37 |
[…] In meiner Eigenschaft als Verantwortlicher des jpc-Weblogs wurde ich von Klaus-Martin Meyer vom Interview-Blog interviewt. Das Interview wurde heute veröffentlicht. […]
13. August 2007 13:39 |
[…] Im Interview-Blog wurde heute ein Interview mit unserem Weblog-Verantwortlichen Stefan David veröffentlicht. Unter anderem geht es darin auch um die Ziele und Erkenntnisse aus diesem Weblog. Sicherlich interessant für den Einen oder Anderen. […]