“Heute ist weblin die einzige Anwendung weltweit die individualisierbare und animierte Avatare direkt auf der Webseite anzeigt.” - Im Gespräch mit Christine Stumpf » Interview Blog

“Heute ist weblin die einzige Anwendung weltweit die individualisierbare und animierte Avatare direkt auf der Webseite anzeigt.” - Im Gespräch mit Christine Stumpf

Klaus-Martin Meyer: Christine, Du bist in der Geschäftsführung der zweitgeist GmbH. Könntest Du dich, deine Mitstreiter und deine Firma bitte kurz vorstellen?

Christine Stumpf: Die Zweitgeist GmbH wurde im Mai 2006 von Dr. Heiner Wolf und mir in Karlsruhe gegründet. Im Januar 2007 ist Jan Andresen als CEO zu uns gestoßen. Gleichzeitig sind wir von Karlsruhe nach Hamburg umgezogen und haben auch die ersten Mitarbeiter eingestellt, heute sind wir 20 im Team. Heiner Wolf und ich haben vor Zweitgeist mehrere Jahre in Karlsruhe bei der bluehands GmbH & Co.mmunication KG zusammen Softwareprojekte realisiert. Jan hat vor Zweitgeist die elkware GmbH gegründet, geführt und an einen amerikanischen börsennotierten Konzern verkauft. Anschließend hat er sich als Businessangel in mehreren companies engagiert.
Zweitgeist ging im November 2006 mit einer closed Beta online und ist im März 2007 schließlich unter dem international besser durchsetzbaren Namen weblin durchgestartet. Weblin ist eine Software, mit der man auf jeder Webseite andere User sieht, die gleichzeitig dort surfen. Dazu gehört der Avatar, das Alter Ego, um sich selbst sichtbar zu machen und natürlich kann man auch überall kommunizieren. Weblin funktioniert auf jeder Webseite, YouTube, ebay, studiVZ, facebook, ohne das Einverständnis der Webseitenbetreiber. Einmal installiert, überall präsent.

Klaus-Martin Meyer:
Wie entstand die Idee Weblin zu starten?

Christine Stumpf: Die Idee entstand 1996 während eines EU Projektes an der Universität Ulm, wo Heiner damals promoviert hat. Seine Idee war es, Wissenschaftler, die räumlich getrennt am selben Thema arbeiten, und sich nicht kennen, auf möglichst intuitive Art zusammenzubringen. Das Bild, das er im Kopf hatte, waren zwei Wissenschaftler, die in einer Bibliothek in derselben Regalreihe stehen, womöglich sogar nach demselben Buch greifen, können so erkennen, dass sie am selben Thema arbeiten. Das hat er versucht im damals noch sehr in den Kinderschuhen steckenden Internet abzubilden. Er hat mittels der ersten Software einen Chat-Messenger programmiert, den man auf jeder Webseite einbinden konnte. Alle Besucher der Webseite waren dann mit einem zufällig gewählten Namen sichtbar. Eine der ersten Consumer Anwendungen hat er dann für eine Modelleisenbahn-Seite für Märklin gebaut, wo sich Eisenbahnfans kennenlernen konnten. Damals war alles noch textbasiert, heute ist weblin die einzige Anwendung weltweit die individualisierbare und animierte Avatare direkt auf der Webseite anzeigt.

Das Idee ist immer gewesen, sich an der Realität zu orientieren. Menschen, die im selben Raum sind, können sich sehen und miteinander sprechen. Im Internet ist ein Raum einen Webseite. Häufig trifft man auf Webseiten Menschen, die ähnliche Interessen haben, wie beispielsweise Eisenbahnfans bei märklin.de, Hundebesitzer bei dogforum.de und Basketballer bei schoenendunk.de.

Klaus-Martin Meyer: Bei dem Konzept fühlte ich mich - warum auch immer - an ein Geschäftsmodell vor der der berühmten Internetblase erinnert. Ist jetzt die kritische Masse von Internetnutzern da, damit Weblin ein Erfolg werden kann?

Christine Stumpf: Ja richtig, wie ich schon beschrieben habe, hat die Idee schon sehr durchdacht. 1999/2000 waren damit eine ganze Reihe von Internet-Startups, vor allem aus Israel und den USA, aktiv, wie bspw. ICQ-Surf. Es fehlte an kritischer Masse damals. Aber nicht nur. Wir glauben, dass das Userinterface damals noch nicht so intuitiv war, dass die Menschen es schnell und einfach verstanden haben. Wir sehen, dass das Konzept der Avatare, die zusätzlich noch animiert sind und mit denen sich die User komplett individualisieren können sehr gut ankommt. Einmal weblin ausprobiert und plötzlich “macht es Klick”.

Aber zurück zur kritischen Masse: Es sind im Wesentlichen drei Faktoren, die sich in den letzten acht bis zehn Jahren verändert haben. Erstens die Zahl der Internet-Teilnehmer hat sich mehr als verzwanzigfacht. Zweitens durch Breitband und Flatrate ist die Online-Zeit jedes Teilnehmers um ein vielfaches gestiegen. Vor acht Jahren hörte man richtig, wie das Geld durch die Modem-Leitung fließt und war entsprechend kurz online, heute ist das kein Thema mehr. Drittens ist die Medienkompetenz und das Consumer-Angebot sehr stark gewachsen. Vor acht Jahren haben sich die Menschen im Internet grundsätzlich Sorgen um ihre Anonymität gemacht, selbst beim surfen. Heute melden sie sich bei Netzwerken an, laden Fotos hoch und breiten ihr Leben vor der ganzen Welt aus, viele ohne Vorbehalte. Mit Begeisterung probieren die User aus, klicken hier und da und verbringen einen zunehmend großen Teil ihrer Freizeit im Internet. Wir stellen auch fest, dass sich mit Web 2.0, Social Networks, Blogs und anderem User generated content die Nutzungsweise im Internet verändert hat. In der ersten New Economy Welle drehte sich alles um B2B, um Shops, um Informationsrecherche und berufliche Anwendungen. Heute hat sich das komplett gedreht. Freizeit- und Consumer-Angebote sind die meistgenutzten Portale und Websites.

Ein Beispiel: im Jahr 2000 haben weniger als 3% der Internetnutzer in Deutschland gechattet. Heute nutzen mehr als 33% der Internetuser Chats und Messenger regelmäßig, fast täglich. In Verbindung mit den oben beschriebenen drei Faktoren kann ich die Frage klar mit JA beantworten, die kritische Masse für den Erfolg von weblin ist jetzt vorhanden.

Klaus-Martin Meyer:
Wie erfolgskritisch ist der Sachverhalt, dass man die Weblin-Software herunterladen muss?

Christine Stumpf: Natürlich ist die Hürde niedriger sich bei einem Social Network oder irgendeinem Portal anzumelden, als eine Software runterzuladen und zu installieren. Aber wir sind nicht die ersten, die einen Download anbieten, ICQ, Skype und viele andere haben es auch geschafft, die User vom Mehrwert der Anwendung zu überzeugen. Die weblin Download Software ist ja auch das rundum-sorglos Paket, bei dem ich alles integriert habe, Kontaktliste, privater Chat, riesige Avatarauswahl, Punkte sammeln, Geschenke u.v.m.

Wir haben seit 1. April weblin.lite eingeführt, ohne download, plattformunabhängig, mit einem Klick weblin ausprobieren. Auf http://lite.weblin.com kann man starten oder auf einen der vielen Banner und Links im Web klicken, das bereits viele Blogs bei sich eingebaut haben. Wem weblin dann gefällt, entscheidet sich für den Download.

Klaus-Martin Meyer:
Zum Abschluß unsere legendäre Fünfjahresfrage: Wo steht Weblin in fünf Jahren?

Christine Stumpf: Weblin hat das Potenzial in fünf Jahren das zu sein, was ICQ heute für mehrere hundert Millionen User ist: der tägliche Begleiter, das zentrale Online Kommunikationstool. Denn weblin befriedigt drei wesentliche menschliche Bedürfnisse: in Gesellschaft zu sein, zu kommunizieren und selbstbestimmt zu sein. Nicht der Webseitenbetreiber, nicht das Portal, nicht das SN bestimmt wo ich mit wem kommuniziere, wen ich sehen darf. Bei weblin bestimmen die User, wen sie wann und wo treffen. Diese Bedürfnisse sind alters-, sprach- und kulturunabhängig. Deshalb hat weblin sehr gute Chancen, das Erlebnis Internet zu verändern und eine Standard-Web-Anwendung wie ICQ zu werden.

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Ein Kommentar zu ““Heute ist weblin die einzige Anwendung weltweit die individualisierbare und animierte Avatare direkt auf der Webseite anzeigt.” - Im Gespräch mit Christine Stumpf”

  1. Marmels Blog » Blog Archi » Interview sagt:

    […] Habe heute ein Interview gelesen und naja, ich will ja nicht päpstlicher sein als der Papst, aber Webseitenbetreiber können sehr wohl die Kommunikation von Weblins auf ihren Webseiten steuern bzw. unterbinden: http: /ww w.virtu al-presence.org/notes/***-2.txt. Ob das wer macht ist eine ganz andere Frage. […]

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