Heike Helfenstein heimathonig “Wir Gründer und einige Freunde um uns herum sind selbst große Honig-Fans” - Im Gespräch mit Heike Helfenstein (heimathonig.de) » Interview Blog

“Wir Gründer und einige Freunde um uns herum sind selbst große Honig-Fans” - Im Gespräch mit Heike Helfenstein (heimathonig.de)

Klaus-Martin Meyer: Heike, Du hast mit heimathonig.de einen Marktplatz für Honig vom Imker gestartet. Wie kam es zu dieser Idee?

Heike Helfenstein: Ganz einfach: Wir Gründer und einige Freunde um uns herum sind selbst große Honig-Fans und essen gerne täglich das flüssige Gold der Bienen. Gerade deshalb waren wir in der Vergangenheit immer wieder frustriert über die Möglichkeiten, guten Honig zu bekommen. Im Supermarkt steht leider häufig nur Mischhonig aus aller Welt, von dessen Qualität wir nicht überzeugt waren und zu dem man ja auch irgendwie keinen Bezug hat. Hinzu kommt, dass nur heimischer Honig die Artenvielfalt bei uns erhält: Denn das Produkt kann zwar auch aus dem Ausland importiert werden, nicht jedoch die so wichtige Bestäubungsleistung für unsere Nutz- und Wildpflanzen durch die Bienen. Wer sich für Honig aus der Heimat entscheidet, tut also nicht nur sich selbst Gutes, er unterstützt auch die Vielfalt der Natur.

Klaus-Martin Meyer: Wie groß schätzt Du die Nachfrage nach “Heimathonig” insgesamt ein. Wird diese reichen für heimathonig.de oder wird es notwendig sein,
die Plattform in Form regionaler und thematischer Clone weiterzuverwerten?

Heike Helfenstein: Das ist jetzt, rund 2 Monate nach Start, natürlich noch schwer zu beurteilen. Die Nachfrage nach Honig ist jedoch hierzulande ausgesprochen groß: Wir Deutschen sind Weltmeister im Honigessen und verzehren davon im Schnitt 1,4kg pro Person und Jahr. Das Thema wird eher sein, den Anteil des Importhonigs (bislang bei 80%) auf heimischen Honig zu übertragen und den Verbrauchern den Wert heimischen Honigs klar zu machen. Hier entsteht im Moment eine Zielgruppe, die diesen Wert versteht und aktiv sucht. Daran arbeiten wir weiter. Die Übertragung auf Clones wird deshalb zunächst nicht unser Ziel sein.

Klaus-Martin Meyer: Die Deutschen sind ja - wie Du ja schon erwähnt hast - bekanntlich ausgesprochene Honigliebhaber (das gilt auch für mich). Warum reicht das Angebot an Honig nicht aus, um diese Nachfrage zu decken?

Heike Helfenstein:
Ja, die Deutschen lieben Honig, nur haben viele gar nicht die Möglichkeit, an leckeren Honig aus ihrer Heimat ranzukommen. Nicht jeder hat die Zeit, Wochenmärkte zu durchstreifen oder für den Honigeinkauf lange Wege zum Imker in Kauf zu nehmen. Supermärkte wiederum kaufen lieber große Mengen billigen Honig für ihre Regale ein. Auch deshalb kommen derzeit nur rund 20% des Honigs aus dem Inland. Es könnte allerdings recht problemlos über die Hälfte des Honigs in Deutschland produziert werden. Dazu muss man sich nur mal ansehen, dass sich die Zahl der Bienenvölker in Deutschland seit den 90er Jahren halbiert hat. Hätten wir nur die damalige Anzahl der Bienen, sähe das Verhältnis ganz anders aus.
Für die rückläufige Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Heimische Imker wollen und können die Preisschlachten im Bereich von Tonnenverkäufen nicht mitmachen. Vielen Imkern fällt es oft nicht leicht, neue Vertriebswege zu erschließen. Sie sind Experten für ihre Bienen und die Produkte, nicht jedoch auch für Marketing und Vertrieb. Und auf der anderen Seite fällt bei den Verbrauchern die Kaufentscheidung oft anhand des Preisschilds im Supermarktregal - und da ist Importhonig einfach erstmal billiger.
Nicht zuletzt geht es aber gar nicht darum, ausschließlich deutschen Honig zu essen. Vielmehr ist es von Bedeutung, ein Bewusstsein zu schaffen, dass hochwertige Nahrungsmittel unsere Lebensqualität verbessern und wir damit zusätzlich einen Beitrag für die heimische Artenvielfalt leisten.

Klaus-Martin Meyer: Die meisten Imker betreiben die Honigproduktion vermutlich nebenberuflich. Kann das Internet helfen, die Imkerei vielleicht eines Tages auch in Vollzeit zu betreiben?

Heike Helfenstein: Damit sich die Imkerei aus rein wirtschaftlicher Sicht für den Imker lohnt, muss er eine große Menge Honig verkaufen. Das kann ein Internet-Marktplatz für einen einzelnen Imker derzeit noch nicht leisten. Helfen kann das Internet dabei aber wohl. Es gibt in diesem Medium für Imker sehr gute Möglichkeiten, sowohl von der Direktvermarktung als auch von Online-Bestellungen zu profitieren. Im Internet einen neuen Vertriebskanal zu eröffnen, bietet gerade den Nebenerwerbsimkern gute Chancen, ohne ein großes Budget in die Hand nehmen zu müssen. Voraussetzung für den Erfolg ist aber natürlich auch hier, dass man nicht nur eine Website aufbaut, sondern diese konsequent betreut und verbessert. Imker, die sich für eine Teilnahme bei Heimathonig.de entscheiden, erhalten diese Leistungen aus professioneller Hand für kleines Geld. Eine absolut lohnende Investition im Vergleich zum Aufbau einer eigenen Website zum Beispiel.
Noch wichtiger aus meiner Sicht ist jedoch das Internet als Informationsmedium, über das die Bedeutung der heimischen Bienen transportiert wird. Wenn Verbrauchern diese Bedeutung klar ist, werden sie auch deutschen Honig suchen und kaufen. Erhöht sich der Anteil deutschen Honigs dadurch nur von derzeit 20 auf 21 Prozent, sind das gleich 1.000 Tonnen Honig mit einem Wert von mehreren Millionen Euro.

Klaus-Martin Meyer: Zum Schluss unsere Standardfrage. Wo steht heimathonig.de in fünf Jahren?

Heike Helfenstein: In fünf Jahren haben wir den Marktanteil an Honig von Imkern aus Deutschland spürbar erhöht. Das hilft nicht nur den regionalen Imkern, das stärkt auch das Bewusstsein für eine intakte Natur um uns herum. Aber vorher ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Und Honig-Liebhaber, die bereit sind, sich von besseren Produkten überzeugen zu lassen.

Klaus-Martin Meyer:  Wir danken für das Interview und empfehlen den Lesern auch die Lektüre des Heimathonig-Blogs.

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