Fiverr.de Interview blog.de “Fiverr hat in den USA und in der Folge dann mit Plagiaten auch in Europa wie eine Rakete eingeschlagen” - Im Gespräch mit Micha Kaufman (CEO Fiverr) » Interview Blog

“Fiverr hat in den USA und in der Folge dann mit Plagiaten auch in Europa wie eine Rakete eingeschlagen” - Im Gespräch mit Micha Kaufman (CEO Fiverr)

Die beiden israelischen Software-Entwickler Micha Kaufman und Shai Wininger, hatten vor etwas über einem Jahr die richtige Nase für eine tolle neue Geschäftsidee. Mit Fiverr.com haben die beiden einen Shop für Gefälligkeiten und kleine Dienstleistungen ins Leben gerufen und sind seither berühmt.  Die Idee wurde bereits vielfach kopiert. Nun kommt am 6. April das Original nach Deutschland. Das Konzept ist einfach: Unter www.fiverr.de kann jeder ab sofort eine Tätigkeit, genannt “Gig”, kostenlos anbieten. Wird die Tätigkeit gekauft, erhält der Anbieter vier Euro - ein Euro verbleibt bei den Betreibern. Bezahlt wird per Paypal.

Interview-blog.de: Fiverr ist in den USA seit etwa einem Jahr aktiv und extrem erfolgreich. Können Sie uns mit ein paar Worten schildern, wie Sie dieses Wachstum erlebt haben?

Micha Kaufman: Fiverr hat in den USA und in der Folge dann mit Plagiaten auch in Europa wie eine Rakete eingeschlagen und sich zu einer Plattform entwickelt, auf der Leute ihre besonderen Fähigkeiten in bares Geld umwandeln können. Egal, welches Talent jemand hat, er kann es jetzt publik und vor allem auch zu Geld machen.  Ich war selbst überrascht, wie schnell und vor allem gut es bei den Leuten angekommen ist und natürlich sind wir jetzt auch  stolz darauf, dass wir mit unserer Idee auch dazu beigetragen haben, Menschen zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen, wie beispielsweise Studenten, die ihr Studium finanzieren oder aber auch Mütter, die von zu Hause aus die Haushaltskasse etwas füllen müssen. Die Geschichten unserer Nutzer sind wirklich inspirierend.

Interview-blog.de: Der 6. April war der Stichtag für den Europalaunch – wieso ausgerechnet Deutschland?

Micha Kaufman: In Deutschland wurde unsere Idee bereits mehrfach 1:1 kopiert und die Mitbewerber versuchen Marktanteile zu gewinnen. Da mussten wir jetzt schnell handeln.

Interview-blog.de: Warum ist Ihrer Meinung nach Fiverr ein solch einzigartiger Marktplatz?

Micha Kaufman: Es ist vielleicht eine Kombination von vielen Dingen. Zu allererst: Es ist kinderleicht zu bedienen. Es dauert etwa zwei Minuten, um sich anzumelden als „Verkäufer“ in Erscheinung zu treten und einen „Gig“* abzugeben. Und es dauert etwa 30 Sekunden, um einen solchen Gig in Anspruch zu nehmen. Man muss nicht erst ein Gebot abgeben und warten bis eine Uhr abläuft. Und das Beste ist, es macht einfach Spaß. Es ist gesellig und es macht sehr süchtig.

Interview-blog.de: Was war die seltsamste oder lustigste Sache, die Sie mitbekommen haben?

Micha Kaufman: Die Liste ist ewig lang. Aber gerade in letzter Zeit stieß ich auf eine Reihe von lustigen Sachen, z.B. Menschen, die für 5 Euro Gegenstände aus vierzig Meter Höhe fallen lassen und es filmen, Menschen, die in einem Bananenkostüm tanzen oder Menschen, die einen vor bösen Blicken schützen.

Interview-blog.de: Können Sie uns etwas über Ihre Zielgruppe verraten– wie viele Transaktionen finden statt, wie viele registrierte User haben Sie, wie viele Accounts?

Micha Kaufman: Seit unserem US-Start wachsen wir zweistellig und das pro Monat. Und an dieser Stelle verarbeiten wir etwa 1.000 neue Dienste tagtäglich.

Interview-blog.de: Gibt es Leute, die auf Fiverr Vollzeit „arbeiten“. Wie ist deren Potenzial was das Einkommen betrifft? Kann man wirklich vom Fiverrn leben?

Micha Kaufman: Ja, ich kann bestätigen, dass einige unserer User Tausende von Dollar im Monat einnehmen. Sagen wir es so: Wenn man Fiverr wirklich ernsthaft betreibt, wenn man mit seinem seriösen Angebot einmal den Stein ins Rollen gebracht hat und wenn man seinen Job erst mal erfolgreich hinter sich gebracht hat, dann sind die Chancen nicht schlecht, weitere Aufträge an Land zu ziehen.

Die Erfahrung macht Spaß, man lernt nette und vor allem neue Leute kennen und erweitert somit seine „Zielgruppe“, die einen vielleicht sogar weiter empfehlen. Und so wächst die Auftragslage mit jedem erfolgreichem Abschluss.

Interview-blog.de: Wie lautet die Erfolgsformel für jemanden, der neu auf Fiverr.de ist und erfolgreich sein will? Was sind die Merkmale?

Micha Kaufman: Ich würde sagen, man sollte einige Zeit dahingehend investieren, sich Gedanken über das eigene Geschäftsmodell zu machen: Was will ich eigentlich verkaufen und wie verkaufe ich es am besten. Eine kleine Recherche auf Fiverr.com könnte vielleicht helfen, um zu sehen, was es bislang gibt und wo evtl. Marktlücken sind. Oder vielleicht wie ein gleicher Service aus einem anderen Winkel betrachtet werden kann. Und tatsächlich: Es gibt einige Beispiele unserer User, die mit etwas Mühe von null auf hundert durchgestartet sind.

Interview-blog.de
: Denken Sie, Fiverr.de ist auch eine gute Einnahmequelle für Jugendliche, die ihr Taschengeld aufbessern möchten?

Micha Kaufman: Es gibt bereits einige schöne Gigs, die von Kindern zusammen mit ihren Eltern realisiert wurden und die auch dafür belohnt worden sind. Und die Tendenz ist steigend! Was aber das Wichtigste dabei ist, ist der pädagogische Aspekt: Kinder lernen auf spielerische Art und Weise den Umgang mit dem Geld. In Maßen gesehen denke ich, es ist eine sehr gute Lektion und eine schöne Vorbereitung auf das Leben als Erwachsener.

Interview-blog.de: Welche Rolle spielen Social Media und Mundpropaganda?

Micha Kaufman: Eine sehr große! Wir haben mit einem sehr kleinen Marketing-Budget angefangen und auch in Deutschland steht nur ein kleines limitiertes Budget zur Verfügung. Wir hatten und haben eine klare Vorstellung eines organischen und viralen Wachstums. Und genau das ist in den USA eingetroffen und hoffentlich wird sich das auch in Deutschland zeigen.

Interview-blog.de: Gibt es Fiverr Gigs, die abgelehnt werden oder einfach nicht angemessen sind?

Micha Kaufman: Es kommt natürlich manchmal vor, dass wir Gigs ablehnen, wenn beispielsweise Beiträge fehlerhaft sind, nicht unseren Nutzungsbedienungen entsprechend oder einfach nur geschmacklos sind. Auch Liebesdienste und illegale Angebote veröffentlichen wir natürlich nicht.

Interview-blog.de: Fiverr ist in den USA erfolgreich und hoffentlich wird sich Fiverr auch in Deutschland durchsetzten - was kommt als nächstes? Gibt es einige Funktionen, nach denen beispielsweise US-User gefragt haben und die evtl. auf für Deutschland implementiert werden?

Micha Kaufman: An der Stelle sei gesagt, ob Fiverr.com oder Fiverr.de – außer der Sprache gibt und wird es keinen Unterschied geben. Und auch Fiverr.com hat aus unserer Sicht gerade erst begonnen. Unser Schwerpunkt im ersten Jahr galt dem Konzept und der Ausarbeitung der Funktionen. Nun sind wir in der zweiten Phase des Produktes angelangt, an dem wir dabei sind, weitere neue Funktionen zu implementieren.

Natürlich schauen wir auch auf Mitbewerber, die aus unserer Idee erstaunliche Klone entwickelt haben. Sie zeigen auch, dass dieser Markt einen ungeheuren Raum für neue, weitere Konzepte bietet und dass es ein sehr interessantes und spannendes Jahr auch für den deutschen Markt sein wird. Da sind wir uns sicher. Aus diesem Grund möchte ich über Funktionen nicht wirklich ins Detail gehen. Aber wie sagt der Amerikaner so schön: Stay tuned!

Interview-blog.de: Ist sonst noch etwas, dass Sie über Fiverr sagen möchten?

Micha Kaufman: Wir erfahren mit jedem neuen Tag erstaunliche Geschichten von Menschen, die sich mit Fiverr ein kleines Geschäft aufgebaut haben und eigentlich unabhängig zu ihrem jetzigen Job sein könnten, wenn sie wollten. Und es ist tatsächlich so, dass die Anzahl derer auf der Seite wächst. Aber im Grunde genommen ist es einfach eine tolle Erfahrung und es macht tierisch Spaß.

* In Anlehnung auf ein musikalisches Gelegenheitsgeschäft

Stichworte:

Kommentar / Antwort verfassen



<

Google


Add to Technorati Favorites

» “Fiverr hat in den USA und in der Folge dann mit Plagiaten auch in Europa wie eine Rakete eingeschlagen” - Im Gespräch mit Micha Kaufman (CEO Fiverr) Fiverr.de Interview blog.de