Christian Boris Schmidt Ein Herz für Affiliates “Affiliates dürfen nicht als “fünftes Rad am Wagen” zwischen Werbetreibenden, Agenturen, Netzwerken und Suchmaschinen gesehen werden.” - Im Interview mit Christian Boris Schmidt (Ein Herz für Affiliates) » Interview Blog

“Affiliates dürfen nicht als “fünftes Rad am Wagen” zwischen Werbetreibenden, Agenturen, Netzwerken und Suchmaschinen gesehen werden.” - Im Interview mit Christian Boris Schmidt (Ein Herz für Affiliates)

Klaus-Martin Meyer: Christian, Du hast uns gewissermaßen “den Axel Springer gemacht” und die Initiative “Ein Herz für Affiliates“  ausgerufen. Was hat es damit auf sich?

CBS: Die Leistung der Publisher wird von einigen Affiliate-Netzwerken als zu selbstverständlich angesehen. Affiliates dürfen nicht als “fünftes Rad am Wagen” zwischen Werbetreibenden, Agenturen, Netzwerken und Suchmaschinen gesehen werden. Immerhin schaffen die Webseitenbetreiber wertvolle Inhalte und Begeisterung für Produkte. Nur so entsteht mehr Umsatz bei allen Beteiligten. Ohne engagierte Publisher wäre Affiliate-Marketing also undenkbar. Um auf Missstände aufmerksam zu machen, haben wir mit der Initiative dazu aufgerufen, über Verbesserungswünsche an Affiliate-Netzwerke zu bloggen. Die Message wurde rund einhundert Mal bei Twitter weiterverbreitet. Außerdem haben sich Dutzende bloggende Affiliates mit Anregungen beteiligt.

Klaus-Martin Meyer: Für einen Mitarbeiter eines Affiliate-Programm-Betreibers lesen sich die meisten Forderungen als Selbstberständlichkeiten. Es entsteht der Eindruck, dass die meisten Programme möglicherweise eher schlecht sein könnten?

CBS: Das Problem liegt sicher an verschiedenen Stellen. Unsere Initiative bezog sich vor allem auf den oft mangelhaften Service der Affiliate-Netzwerke. Diese stellen zwar über ihre Ausschreibungsplattform den Kontakt zwischen Affiliates und Werbetreibenden her und bilden die technischen Prozesse ab, darauf darf man sich als Netzwerk jedoch meines Erachtens nicht ausruhen. Die Anbieter kassieren meist einen erheblichen Anteil der Provisionen für ihre Leistung. Da sollte es selbstverständlich sein, diejenigen als Partner ernstzunehmen, die für die Umsätze sorgen: die Affiliates. Hinhaltetaktiken bei der Provisionsauszahlung, Intransparenz bei Provisionsstornierungen, späte oder gar keine Antworten auf Anfragen und unnötige Bürokratie bei der Anmeldung und Zulassung zu Patnerprogrammen sind altbekannte Probleme für Publisher, welche die Netzwerke durch entsprechende Vorgaben für Advertiser und mit etwas Engagement aus der Welt schaffen könnten. Mit unserer Initiative wollen wir darauf noch einmal gezielt hinweisen.

Klaus-Martin Meyer: Wie sähen aus Deiner Sicht die Forderungen aus, wenn man eine Aktion “Ein Herz für Merchants” oder eine Aktion “Ein Herz für Netzwerke” machen würde?

CBS: Am wenigsten Mitleid haben wohl die Netzwerke verdient. Bei den Merchants fehlt jedoch meines Erachtens auch oft eine sinnvolle Beratung. Diese könnten und sollten auch die Netzwerke stärker übernehmen. Tausende Euros Einrichtungsgebühren für weitgehend standardisierte Prozesse zu verlangen, aber die Kunden nicht ausreichend über Affiliate-Marketing aufzuklären, halte ich für falsch. Ich habe es selbst erlebt, dass sogar große Handelsunternehmen um angemessenen Support bei einem Affiliate-Netzwerk betteln mussten, letztlich ohne Erfolg. Hier schneiden sich die Netzwerke ins eigene Fleisch, weil die Budgets dann woanders hinfließen. Aber genauso muss man auf kleine Advertiser eingehen, sofern diese Potenzial aufweisen. Am Ende verdient das Netzwerk immer mit. Ich sehe also keinen logischen oder betriebswirtschaftlichen Grund, sowohl die Webseitenbetreiber, als auch die Werbetreibenden an manchen Stellen so zu vernachlässigen.

Klaus-Martin Meyer: Kürzlich hörte ich von einem neu startenden Netzwerk die Theorie, dass oft von den Merchants freigegebene Provisionen nicht bei den Partnern ankommen, sondern auf rätselhafte Weise im Netzwerk “versickern”. Hälst Du so etwas für möglich?

CBS: Möglich wäre es sicher, aber mir ist soetwas aus eigener Erfahrung nicht bekannt. Vielmehr versickern Provisionen, weil diese mangels ausreichendem Trackings gar nicht erst erfasst wurden. Hier spielen wieder viele Faktoren eine Rolle und wieder sehe ich die Netzwerke als Mittler und technischen Dienstleister in der Pflicht, das bestmögliche Tracking sicherzustellen - schon aus eigenem Interesse, denn sie verdienen ja mit. Dies erfordert zwar oft einige Mühe und man muss auch mal gegenüber Advertisern konsequent sein, aber alles andere ist in meinen Augen Betrug am Affiliate.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß die Frage: Welche Langzeitwirkungen traust Du deiner Aktion zu?

CBS: Schwerpunktmäßig hat die Initiative natürlich erst mal im eigentlichen Aktionszeitraum für Aufsehen gesorgt, sprich im vergangenen Monat. Mit der Auswertung und unserer Pressemitteilung haben wir nochmal die Wünsche der Affiliates zusammengefasst und stellvertretend veröffentlicht bzw. weiterverbreitet. Das soll es aber nicht gewesen sein, daher laden wir alle dazu ein auch weiterhin ihre Wünsche an
Affiliate-Netzwerke zu bloggen und auf unsere Initiative hinzuweisen. Wir greifen die Anregungen gern wieder bei Gelegenheit in einer Zusammenfassung auf. Was die anderen Affiliate-Netzwerke letztlich aus diesem Feedback machen, bleibt natürlich ihnen überlassen. Darauf habe ich keinen Einfluss. Wir haben für Ecato jedoch bereits die erste Maßnahme zur weiteren Verbesserung getroffen und die
Mindestauszahlungsgrenze von vorher 25 auf nur noch 15 EUR netto gesenkt. Dies war insbesondere ein Anliegen vieler kleinerer Affiliates, die so schneller ihre Provisionen ausgezahlt bekommen. Viele andere Probleme klassischer Partnerprogramme haben wir bei unserem Marktplatz-Netzwerk schon von vornherein konzeptionell gelöst. Mit einer Registrierung kann man beliebig viele Websites anmelden, die sofort freigeschaltet sind. Weil wir Klickprovisionen zahlen, gibt es keine langwierigen Provisionsfreigaben. Auch individueller Support und eine kostenlose Rufnummer sind für uns bereits selbstverständlich.

Stichworte:

Kommentar / Antwort verfassen



<

Google


Add to Technorati Favorites

» “Affiliates dürfen nicht als “fünftes Rad am Wagen” zwischen Werbetreibenden, Agenturen, Netzwerken und Suchmaschinen gesehen werden.” - Im Interview mit Christian Boris Schmidt (Ein Herz für Affiliates) Christian Boris Schmidt Ein Herz für Affiliates