“dotBERLIN ist echte Bottom-up Initiative mit Gesellschaftern und Sponsoren aus allen Schichten” - Im Gespräch mit Dirk Krischenowski
Klaus-Martin Meyer: Dirk, Du bist laut Deiner Visitenkarte “Founder and CEO” der Firma dotBerlin GmbH & Co. KG. Könntest Du Dich und Deine Firma bitte etwas näher vorstellen?
Dirk Krischenowski: Ich bin eigentlich gelernter Biochemiker und Wirtschaftswissenschaftler und bin zum Thema Internet in den späten 90-ger Jahren durch meine Tätigkeit als Mädchen für alles mit einem “E” davor in der Pharmabranche gekommen. Die Idee für .berlin ist ja generisch und ich denke John Postel hat sie mit seinen Kollegen bestimmt schon vor 20 Jahren diskutiert. Nur war es bisher nicht möglich .berlin zuzulassen zu bekommen, erst .cat, .eu und .asia haben mit ihren jeweils schweren Geburten in den vergangenen beiden Jahren den Weg für regionale TLDs geöffnet.
dotBERLIN ist echte Bottom-up Initiative mit Gesellschaftern und Sponsoren aus allen Schichten, vom Bürger über das Großunternehmen, die Open-Source-Szene, Verbände und das Stadtmarketing, bunt gemischt wie die Berliner Gesellschaft. Das ist ICANN besonders wichtig, sonst könnte ja jeder daherkommen und eine TLD für eine oder mehrere Stadtnamen beantragen. Das dotBERLIN-Team und einen hochkarätigen Beirat will ich natürlich nicht unerwähnt lassen.
Klaus-Martin Meyer: Braucht Berlin eine eigene Top-Level-Domain? Gibt es dafür überhaupt schon Vorbilder?
Dirk Krischenowski: .cat hat gezeigt, dass eine regionale TLD hervorragend angenommen wird. Unter den rund 25.000 .cat-Domains findet man heute schon mehr Webseiten mit Inhalten als unter der 1 Mio. Domains zählenden .biz-TLD. Für .berlin lässt sich der Bedarf allein damit begründen, dass es schon über 100.000 Domains gibt, die “berlin” im Namen haben, wie z.B. messe-berlin.de. Der große Zuspruch für .berlin und die zahlreichen Initiativen in anderen Städten wie New York, Paris, Buenas Aires oder Hamburg zeigen, dass wir mir dem Konzept der cityTLD den Nerv der Zeit und des hyperlokalen Internets getroffen haben.
Klaus-Martin Meyer: Wer sind die Interessenten für eine eigene Adresse mit .berlin?
Dirk Krischenowski: Besonderes Interesse zeigt der Berliner Mittelstand und die Selbstständigen, viele müssen mit einer “schlechten” Domain leben und würden gerne ein passendere mit .berlin haben wollen. Die Kreativwirtschaft findet .berlin cool und auch in der Verwaltung kann man sich z.B. für das neue Museumsportal kaum eine bessere Domain als www.museum.berlin vorstellen.
Klaus-Martin Meyer: Was genau wird das Geschäftsmodell der Firma dotBerlin sein?
Dirk Krischenowski: Unser Geschäftsmodell ist das gleiche wie das von .de oder .com, d.h. wir erhalten als Betreiber bei jeder Domainregistrierung und -verlängerung einen kleinen Euro-Betrag. Damit lässt sich schon ein kleines Unternehmen betreiben.
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß gibt es wie gewohnt unsere Standardfrage. Wie wird sich die Story der Top-Level-Domain .berlin in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Dirk Krischenowski: Da die Hürden für eine TLD-Zulassung bei ICANN nach wie vor sehr hoch sind, werden nur Bewerber/Initiativen mit einem vernünftigen Businessplan, einem guten Konzept und dem nötigen Know-How eine Chance haben. Dennoch rechne ich auf Sicht von 5 Jahren mit ca. 50-100 neuen gTLDs. Hinzukommen ab dem kommenden Jahr dann noch rund 100 IDN-Länder-TLDs wie z.B. .ru in kyrillischer Sprache oder .cn mit chinesischen Schriftzeichen. Auf lange Sicht sehe ich im TLD-Markt aber eine klassische Long-Tail Story mit vielen Nischen und einer großen Vielfalt. Ich bin ja nicht nur Berliner und Deutscher, sondern vielleicht auch Fussball-Fan, Kunstliebhaber, Hundebesitzer oder MySpace-Nutzer.
Stichworte: Dirk Krischenowski dotBerlin

12. Januar 2008 02:27 |
einfach toll
Wenn es klappt, würde es Berlin noch mehr Identität verleihen. Hauptstadt-Domain… schön!