“Die TowerVenture eG wurde im Sommer 2007 gegründet und finanziert technologieorientierte Unternehmen vorzugsweise in der Startphase.” - Im Gespräch mit Heiner Schaumann (TowerVenture eG) » Interview Blog

“Die TowerVenture eG wurde im Sommer 2007 gegründet und finanziert technologieorientierte Unternehmen vorzugsweise in der Startphase.” - Im Gespräch mit Heiner Schaumann (TowerVenture eG)

Klaus-Martin Meyer: Herr Schaumann, Sie sind Vorstand der TowerVenture eG.Können Sie sich und Ihre Genossenschaft bitte kurz vorstellen?

Heiner Schaumann: Die TowerVenture eG wurde im Sommer 2007 gegründet und finanziert technologieorientierte Unternehmen vorzugsweise in der Startphase. Unser Investitionsfokus liegt auf Software, Hardware, Internet, E-Commerce und Kommunikation. Die Mitglieder der TowerVenture eG
decken mit ihren Erfahrungen wesentliche Geschäftsbereiche von Firmen ab, etwa Unternehmensführung, Vertrieb, Entwicklung, Marketing, Finanzen, PR, Personal und Recht. Mit diesen organisatorischen, kaufmännischen, juristischen und technischen Kompetenzen stellen wir den Unternehmen in den verschiedenen Entwicklungsphasen auch “Intelligentes Beteiligungskapital” zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt die TowerVenture die Firmen mit ihrem umfangreichen Netzwerk aktiv.

Ein Hintergrund unserer Gründung war, dass wir in den letzten Jahren mehrere schnell wachsende Firmen im Tower hatten, die von unserem Netzwerk profitierten. Dazu kommt nun die Möglichkeit, solchen Unternehmen eine Startfinanzierung mit anzubieten.

Als Zusammenschluss von Geschäftsleuten des Wissenschafts- und Technologiestandortes Jena schauen wir uns in Mitteldeutschland genauer nach Gründern mit interessanten Geschäftsmodellen um. Wir sind aber nicht regional festgelegt.

Klaus-Martin Meyer: Zunächst würde mich besonders interessieren, warum Sie sich bei der Gründung der Gesellschaft für die (leider) etwas aus der Mode gekommene Idee der Genossenschaft entschieden haben?

Heiner Schaumann: Wir hatten seit 2003 bereits beste Erfahrungen mit diesem Modell im Rahmen der TowerByte eG gesammelt. Diese ist mit 7 Mitgliedern und damals 16 Mitarbeitern gestartet. Derzeit sind es etwa 250 Mitarbeiter in 22 unabhängigen Mitgliedsfirmen. Die Umsätze liegen im 2-stelligen Millionenbereich. Hier hat sich das Modell als Inkubator entwickelt. Meist sind Neumitglieder aus Neugründungen von bestehenden Mitgliedsfirmen dazu gekommen. Ein Ziel der TowerVenture ist es, diesen StartUps mit Seed-Kapital helfen zu können. Eine Mitgliedschaft in der TowerByte eG oder Untermietung an unserem Standort, dem Intershop Tower, ist nicht zwingend.

Die Vorteile der Rechtsform “eingetragene Genossenschaft” (eG) stellten sich schnell heraus. Die Entscheidungen fallen schnell und unbürokratisch. Gerade beim Thema Risikokapital erschien uns “eG” wesentlich unkomplizierter als das beliebte VC-Modell “GmbH & Co. KG” oder als eine AG. Steueroptimierte Modelle verursachen hohe Verwaltungskosten. Deshalb ist das Genossenschafts-Modell, das Grundmechanismen wie Anteilseinzahlung und Ertragsausschüttungen auf einfache Art und Weise geregelt hat, für unsere Zwecke ideal geeignet.

Natürlich sind wir trotzdem an gesetzliche Formalien ebenso gebunden. Es gibt ein Genossenschaftsgesetz, wir haben Organe wie Vorstand, Aufsichtsrat und Vollversammlung.

Klaus-Martin Meyer: Was sollten Gründer an Input mitbringen, damit Sie von der TowerVenture eG. gefördert werden?

Heiner Schaumann: Bei den Formalien ist das überschaubar. Wir erhalten per Mail einen Executive Summary mit Erklärung von Geschäftsmodell, Branche, Team und Kapitalbedarf. Wir bieten den Beteiligungsunternehmen flexible “Exit-orientierte” Angebote. Die Exit-Möglichkeiten für uns als Frühfinanzierer müssen aufgezeigt werden. Einen umfangreichen Businessplan fordern wir dann bei Interesse an, um uns eventuell für eine Präsentation zu entscheiden. Diese findet vor den Mitgliedern der TowerVenture statt, die zeitnah über eine Investition entscheiden. Neben einem verständlichen Geschäftsmodell, das nachvollziehbar Wachstum in einer Zukunftsbranche abbildet, machen wir uns ein Bild von der Persönlichkeit und der bisherigen Erfahrungen der Gründer.

Klaus-Martin Meyer: Können Sie schon etwas über ihre aktuellen Beteiligungen sagen? Was halten Sie für besonders aussichtsreich und gibt es vielleicht auch Firmen, deren Erfolg eine besondere gesellschaftliche Relevanz hätte?

Heiner Schaumann: Die ersten Beteiligungen sind wir bereits eingegangen, die Firmen sind allesamt StartUps aus unserem Umfeld: Die gerade neu gegründete Igniti GmbH spezialisiert sich auf die Implementierung von Suchmaschinentechnologie in Server-Applikationen. Schwerpunkt ist hier E-Commerce. Die AdiCash GmbH betreibt ein reines Internet Cash-Back System. Die Newskraft.de GmbH betreibt ein Bürgerjournalismus-Portal in Web 2.0-Manier. Die Preisbock.de GmbH zählt zu den größten deutsches “Woots” (nach dem US Vorbild www.woot.com).

Entsprechend dem Gründungsziel der TowerVenture bieten wir den unterstützten Unternehmen eine möglichst breite Unterstützung. Mit dem Einstieg der TowerVenture wollen wir auch ein Signal für andere Investoren, Kunden und Partner geben.

Mit weiteren Firmen - auch überregionalen - sind wir bereits im Austausch. Hier fanden auch schon erste Präsentation statt. Wir möchten in den nächsten Wochen weiter investieren.

Klaus-Martin Meyer: Zum Schluss wie gewohnt unsere Standardfrage: Wo steht TowerVenture in fünf Jahren? Wird bis dahin ggf. ein weiterer Turm gebraucht?

Heiner Schaumann: Die einfache Antwort zuerst: Einen zweiten Turm benötigen wir sicher nicht. Auf die 5-Jahres-Prognose kann ich nur zurückhaltend antworten. Jedes Mitglied hat zwar für sich Erfahrungen als Gründer oder Manager von schnell wachsenden Unternehmen oder als Business Angel gesammelt. Aber im Verbund einer VC-Genossenschaft können wir uns aktuell nur an allgemeinen Fakten orientieren und entsprechend projizieren. Das heißt etwa, das wir eine Kapitalrendite erwirtschaften wollen, die über der üblichen Geldmarktverzinsung liegt. Auf eine Zahl von Investments in einer bestimmten Zeit sind wir nicht festgelegt. Es gibt keinen Anlagedruck. Eines wollen wir in fünf Jahren erreichen: Erste erfolgreiche Exits aus Unternehmen vollzogen haben.

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