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“Mit dem Daimler-Blog wollen wir die Attraktivität und die Reputation unseres Unternehmens verbessern.” - Im Gespräch mit Uwe Knaus (Daimler AG)

Klaus-Martin Meyer: Herr Knaus, Sie sind bei der Daimler AG im Bereich Web Communications aktiv. Können Sie sich und das Daimler-Blog bitte kurz vorstellen?

Uwe Knaus: Mit dem Daimler-Blog wollen wir die Attraktivität und die Reputation unseres Unternehmens verbessern, indem Daimler durch die bloggenden Mitarbeiter “ein Gesicht“ bekommt. In unserem Konzern passieren täglich viele „kleine“ Geschichten, die keinen Weg in die Medien finden, weil sie nicht so spektakulär sind. Deshalb wollen wir in der Kommunikation auch den Mitarbeitern eine Stimme geben, die ihre Erlebnisse nun direkt zum Leser transportieren können. Zudem sind wachsende Anspruchsgruppen über klassische Medienformen immer weniger erreichbar. Nun haben diese wissensdurstigen und oft gut vernetzten Blogleser die Möglichkeit, für sie relevante Informationen aus unserem breiten Angebot herauszupicken und mit uns in einen offenen Dialog zu treten.
Zu meiner Rolle: Im Daimler-Blog tauche ich in erster Linie als Moderator auf, ab und zu auch als Autor. Hinter den Kulissen bin ich quasi eine Art „Chief Blogging Officer“, der darüber wacht, dass da, wo Blog drauf steht, auch Blog drin ist.

Klaus-Martin Meyer: Eine Motivation, das Blog zu starten, war augenscheinlich, Einblicke in “das Leben im Konzern” zu gewähren. Inwieweit wurde dieses Ziel bisher erfüllt?

Uwe Knaus: Um dies herauszufinden, müssten Sie eigentlich die Leserschaft befragen. In den Kommentaren zumindest bekommen wir sehr positives Feedback. Auch in einem Monitoring-Projekt mit Prof. Thomas Pleil von der Hochschule Darmstadt bestätigte man uns eine breite Themenwahl und Mut zur Offenheit. Natürlich gibt es noch viele Bereiche, in die wir bislang keinen Einblick gegeben haben. Das mag auch daran liegen, dass wir so authentisch wie möglich sein wollen und keine Themen oder Botschaften vorgeben. Die Mitarbeiter schreiben bei uns freiwillig und on Top zum Tagesgeschäft.

Klaus-Martin Meyer: Daimler ist ein sehr großer Konzern, so dass sicher auch und vor allem die Mitarbeiter selbst an den Einblicken im Blog teilhaben. Sind die “externen” Leser da möglicherweise in der Minderheit?

Uwe Knaus: Richtig ist: Auch die Mitarbeiter im Werk Bremen finden den Blick hinter die Werkstore etwa vom Werk Rastatt spannend. Von den deutschen Daimler-Standorten greifen überdurchschnittlich viele Leser auf das Blog zu. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da sich auch Mitarbeiter und deren Familien für einen Blick hinter die Kulissen interessieren. Wir haben eben alleine durch unsere Unternehmensgröße - im Verhältnis zur Gesamtleserschaft - einen höheren Anteil an lesenden Mitarbeitern als die anderen bekannten deutschen Corporate Blogs viel kleinerer Unternehmen.
Insgesamt sind die „externen“ Leser aber in der Mehrheit – der Anteil der lesenden Mitarbeiter beträgt ca. 25 Prozent. Diese Quote macht auch deutlich, dass die Grenzen zwischen der internen und der externen Kommunikation durch das Blog verschwimmen.

Klaus-Martin Meyer: Können Sie von überraschenden, interessanten und originellen, positiven oder auch negativen Folgen des Bloggens berichten? Was finden Sie am erwähnenswertesten?

Uwe Knaus: Überraschend waren für mich die vielen positiven Reaktionen direkt nach dem Start - vor allem von den bedeutenden Medien wie FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche oder Horizont. Erstaunlich war, dass bereits drei Stunden nach dem ersten Post eine Interviewanfrage vom Standard aus Österreich beim Autor auf dem Tisch lag, obwohl wir keine begleitende Kommunikation vor und zum Start hatten. Ein sehr anschauliches Beispiel für die Funktionsweise und die Geschwindigkeit der Verbreitung durch „Word of Mouth“. Interessant fand ich die Erfahrung, dass ein Leser, nachdem ich seinen Kommentar gelöscht hatte, diese Löschung völlig in Ordnung fand und sehr konstruktiv weiter kommentierte.
Originell war der Kommentar von Nutzerin „Myriam“ in einem Post zur „Dauernachtschicht“: „Hallo, vielleicht kann hier jemand helfen. Wer kennt Uwe, der über 30 ist und nur im Nachtdienst arbeitet. Er war vor ein paar Wochen in Düsseldorf in der Altstadt im Oberbayern und hat dort seine Jacke vergessen!“
Erwähnenswert: Unser Kommentarfeld steht jedermann, ohne vorherige Registrierung, offen. Die Kommentare werden nicht - wie bei anderen Blogs - vorab geprüft oder moderiert, sie erscheinen automatisch. Trotz dieser offenen Tür für Trolle musste ich lediglich zwei Kommentare (von über 500) löschen. Jedoch nicht, weil sie negativ waren: Es beharkten sich in diesem Fall zwei Kommentatoren, wer von beiden denn die deutsche Sprache besser beherrsche. Das hatte mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss wie gewohnt unsere Standardfrage: Über welche Themen wird in fünf Jahren auf http://blog.daimler.de geschrieben?

Uwe Knaus: Möglicherweise kann man einen Post über das nächtliche Aufladen der Lithium-Ionen Batterie eines smarts oder eines Mercedes an einem Laternenpfahl im Innenstadtbereich von Stuttgart lesen. Vielleicht sind Blogs aber auch schon wieder „old school“ und wir testen gerade eine völlig neue Kommunikationsform.

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5 Kommentare zu ““Mit dem Daimler-Blog wollen wir die Attraktivität und die Reputation unseres Unternehmens verbessern.” - Im Gespräch mit Uwe Knaus (Daimler AG)”

  1. links for 2008-04-08 « Das Textdepot sagt:

    […] Daimler, Daimler Blog Uwe Knaus im Interview Blog Uwe Knaus erklärt die Besonderheiten des Daimler Blog (tags: corporateblog case) […]

  2. Basic Thinking Blog | Daimler-Blog: Interview sagt:

    […] Uwe Knaus äußert sich zum Daimler-Blog, das er verantwortet, auf dem Interview-Blog: “Mit dem Daimler-Blog wollen wir die Attraktivität und die Reputation unseres Unternehmens verbessern.” - Im Gespräch mit Uwe Knaus (Daimler AG) […]

  3. Corporate-Blog mal anders sagt:

    […] Einen ganz anderen Weg geht der Autohersteller Daimler (früher Daimler-Chrysler). Dort gibt es einen Blog, der von den Mitarbeitern geschrieben wird. Das gibt Einblick in die diversen Aktivitäten des Konzerns und verhilft zur überraschenden Erkenntnis, dass beim Mercedes-Hersteller mehr los ist, als man gemeinhin glaubt. Dazu Uwe Knaus, bei Daimler tätig im Unternehmensbereich Web Communications in einem lesenswerten Interview auf dem Interview-Blog: Mit dem Daimler-Blog wollen wir die Attraktivität und die Reputation unseres Unternehmens verbessern, indem Daimler durch die bloggenden Mitarbeiter „ein Gesicht“ bekommt. In unserem Konzern passieren täglich viele „kleine“ Geschichten, die keinen Weg in die Medien finden, weil sie nicht so spektakulär sind. Deshalb wollen wir in der Kommunikation auch den Mitarbeitern eine Stimme geben, die ihre Erlebnisse nun direkt zum Leser transportieren können. […]

  4. Warum wir Bloggen - Crossmediale Kommunikation sagt:

    […] Gleich zwei renommierte Unternehmen geben heute in Interviews Auskunft über ihre Blog-Aktivitäten. Uwe Knaus von der Daimler AG spricht im interview-blog über den vor ein paar Monaten lancierten Daimler-Blog. Im bernetblog wird der Anfang März gestartete Jubiläums-Blog der Uni Zürich vorgestellt. […]

  5. Unternehmenskommunikation ganz pur im Daimlerblog sagt:

    […] Ich bin ehrlich beeindruckt und ziehe meinen Hut vor Uwe Knaus der diesen Blog verantwortet. Toll das hier die Mitarbeiter ganz ehrlich und authentisch in einer so schweren Zeit sich äußern und Ihre Unmut (mangelnde Informationspolitik) äußern können. […]

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