Farmblogger Kai Schleyerbach “Erstmal darf man gespannt sein, wie sich die Milchbauern organisieren” - Im Gespräch mit Kai Schleyerbach (Farmblogger) » Interview Blog

“Erstmal darf man gespannt sein, wie sich die Milchbauern organisieren” - Im Gespräch mit Kai Schleyerbach (Farmblogger)

interview-blog.de: Kai, Du bist einer der Farmblogger. Kannst Du dich und dein Blog bitte kurz vorstellen?

Kai Schleyerbach: Beginne ich mal mit dem Blog: Die Farmblogger sind aktuell ein Team aus vier Leuten, die seit Juli 2006 zum Thema Landwirtschaft, Lebensmittel und Landleben bloggen. Erschreckenderweise waren wir bis zur letzten Woche alles nicht oder noch nicht Landwirte. Unser Aufruf im Bäuerinnentreff, ein klassisches Onlineforum. Ja sowas gibt es auch noch und da ist ne Menge los. Unsere neue, Heike, kommt vom Hof und aus Dänemark. Damit sind wir sicher einer der ersten praktizierenden “Europablogs”. Ok, das ist vielleicht etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Wenn ich nicht blogge bin ich als Diplom Agraringenieur Inhaber einer Marketingberatung (Produkt + Markt Agribusiness Consulting), die zwei Geschäftsfelder bedient: Unternehmen und Institutionen der Agrar- und Ernährungswirtschaft auf der einen Seite. Für die machen wir Marktanalysen im In- und Ausland und Marketingkonzepte. Auf der anderen Seite beraten wir Landwirte, die ihre Produkte über Hofläden, Wochenmärkte und Lieferservice direkt an die Konsumenten verkaufen (http://www.besser-direktvermarkten.de).

interview-blog.de: Wir wir dem Blog entnehmen, warst Du auf der Biofach. Wärest Du auf den Aronia-Saft auch aufmerksam geworden, wenn Du nicht vorher schon einmal den Saftblog gelesen hättest?

Kai Schleyerbach: Bestimmt nicht. Jörg und Kristin waren ja auf dem Stand der Reformhäuser untergebracht und da waren die Möglichkeiten der großen Präsentation begrenzt. Es hat jedenfalls Riesenspaß gemacht, die beiden in echt zu treffen.
Wie funktioniert die Kommunikation mit anderen Bloggern im richtigen Leben? Überwiegend über Kommentare und Trackbacks. Die Begegnungen sind eher rar. Den Macher vom Imkerblog hab ich auf der Grünen Woche in Berlin getroffen. Ebenso Uwe Scheper von “Bauern machen Watt“, den ich aber auch schon früher kannte. Beim Shopblogger war ich vor zwei Jahren mal im Laden, wußte aber noch nichts von seinem Blog. Na ja, so ein paar Kontakte ergeben sich schon. Meinen Mit-Farmblogger Micha, der die ganze Technik ans laufen gebracht hat, den hab ich z.B. noch nie getroffen.

interview-blog.de: Du bist ein Experte für das Agribusiness. Hättest Du einen Tipp für uns, wie man Betreiber von Hofläden motiviert, Hanflebensmittel und/oder Brennesseltextilien in ihren Geschäften anzubieten? Wir halten das für einen kooperativen Ansatz, der neue Potentiale in der deutschen Landwirtschaft ermöglichen könnte.

Kai Schleyerbach: Es mag einige Hofläden geben, wo das eine spannende Ergänzung wäre. Der hier z.B. www.krewelshof.de. Bei den meisten würde ich erstmal das Basishofladensortiment optimieren. Das sind die Produkte, die der Kunde dort erwartet, also vor allem das was vom eigenen Betrieb kommt oder kommen kann. Je nach Jahreszeit gibts da natürlich auch Lücken. Da kann man dann behutsam mit Zukaufprodukten ergänzen. Die Kunden erwarten aber in erster Linie Lebensmittel. Was gibts denn da aus Hanf? Wenn man da gut aufgestellt ist und eine hohe Kundenfrequenz hat, kann man auch Non Food anbieten. Der Punkt ist ja, kein Mensch geht auf den Bauernhof, um sich ein Hemd oder eine Hose zu kaufen. Super wäre natürlich wenn die Brennesseln oder der Hanf und/oder die Klamotten aus Deutschland kämen. Ich hab mal eine Marktanalyse über nachwachsende Rohstoffe gemacht. Da schient mir das deutsche Angebot insbesondere die Verarbeitungskapazitäten sehr schmal. Spezialisten im Hochpreissegment. Das passt dann eher wieder in die Innenstädte. Wer da ins Geschäft kommen will, sollte die Direktvermarktermessen in Karlsruhe und Wieselburg (A) und in Leese besuchen. Die meisten Direktvermarkter sind auch in Verzeichnissen geführt. Darüber könnte man Direktmarketing machen.

interview-blog.de: Wir selber bloggen zu zweit. Welche Vorteile hat es, wenn man sein Blog im Team betreibt?

Kai Schleyerbach: Bloggen kostet ja nun doch etwas Zeit. Die kann man sich als Team teilen und damit häufigere Beiträge erreichen als allein. Dann hab ich gemerkt, dass das Themenspektrum in Teamblogs auch etwas breiter ist. Das ist gut für die Leser. Ganz praktisch ist es auch, wenn sich, wie bei den Farmbloggern, einer um die technische Seite kümmert und die anderen sich auf’s Schreiben konzentrieren können.

interview-blog.de: Zum Abschluß unsere Standardfrage. Welche interessanten Entwicklungen wird es in der Landwirtschaft in den nächsten fünf Jahren geben, über die wir dann auch beim Farmblogger lesen können?

Kai Schleyerbach: Erstmal darf man gespannt sein, wie sich die Milchbauern organisieren. Ein neuer Verband (Bund Deutsche Milcherzeuger) hat sich gegründet und will die Preisverhandlungen mit den Molkereien für seine Mitglieder führen. Neues Druckmittel: Lieferstreik. Da passiert noch in diesem Jahr was. Die Entwicklungen bei den Einkommensalternativen wie Stromerzeugung durch Biogas oder Photovoltaik, Tourismus, Direktvermarktung usw. werden wir interessiert begleiten. Viele Leser reagieren auf Artikel, die sich um Lebensmittelsicherheit, Verbraucherschutz und Gentechnik drehen. Das sind auch Themen, die mich sehr beschäftigen. Daneben wird aber auch ganz alltägliches vom Bauernhof zu lesen sein. Ich würde mich freuen, wenn die Farmblogger viele Bauern, Bauersfrauen und ich nenn sie jetzt mal Landjugend zum selber bloggen animieren.

Empfehlung: französische Lebensmittel

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