“Das Metabloggen wird weiter abnehmen, mittlerweile begreifen immer mehr Blogger das Bloggen” - Im Gespräch mit Robert Basic (Basic Thinking-Blog)
Klaus-Martin Meyer: Robert, Du wirst als A-Blogger bezeichnet und hast mit Basic Thinking ein gut frequentiertes Blog. Kannst Du Dich und Dein Blog bitte kurz vorstellen?
Robert Basic: Gerne. Ich blogge seit rund fünf Jahren. Vormals auf dem Basic Thinking Blog über Lotus Notes in deutscher und englischer Sprache gemixt. Mitte 2003 habe ich für die Wirtschaftsjunioren in Frankfurt das MEX Blog gestartet, das ziemlich gut funktioniert hatte. Nach Auflösung des Projekts (es ging um Unterstützung von Startups) habe ich das eigene Blog Mitte 2005 wieder aus der Taufe gehoben, nachdem ich es damals aufgegeben hatte. Dort schreibe ich nach wie vor sehr gerne über Web-Startups, um noch mehr Mutigen die Chancen aufzuzeigen, die das Netz bietet, sich eine eigene Existenz aufzubauen, so schwer das aber auch ist. Interessiere mich ebenso für Spannendes aus der IT-Welt, seltenst für Politik, liebe gute Musikvideos, Fun und nur manchmal blogge ich auch über Privates. Logisch, als überzeugter Blog-Täter könnte ich stundenlang übers Bloggen diskutieren, das findet sich natürlich auf dem Blog wieder. Insofern würde ich mich auch als Blog-Evangelisten bezeichnen. Summa summarum: das Blog spiegelt das wider, was mich juckt. Zu mir selbst: bin schon 40, Familienvater, selbständig und so langsam dreht sich meine Selbständigkeit weg vom Lotus Notes Business, über das temporäre (ich betrachte das nur als Zwischenschritt) Brötchenverdienen mit und um Blogs vermehrt in die Richtung Aufbau eines eigenen Web-Startups. Zur Zeit experimentierte ich mit möglichen Blog-Einnahmemodellen herum, die in Richtung Sponsoring und dialogischer Werbung gehen. Dient zu einem guten Stück der Weitergabe von Erfahrungen für Blogger, die diesen Weg suchen, wie man das Blog versilbern oder gar vergolden kann. Statt labern, lieber selber machen, ganz einfach, was schon immer mein Grundprinzip war. Und, ich versuche das Dingens mit dem Bloggen ein Stück weit weiterzudenken. Wie man damit auf globaler Ebene Menschen besser miteinander zusammenbringen kann, um das gegenseitige Verstehen und auch Akzeptieren fremder Kulturen zu steigern. Das Blog als Waffe, die eben keine Menschen umbringt oder unterdrückt, auch ne Variante, eine mir viel liebere Variante des Zusammenlebens sozusagen:)
Klaus-Martin Meyer: Angesichts Deiner vielen Posts kann man lciht den Eindruck gewinnen, dass die Gesetze von Raum und Zeit nicht für Dich gelten. Wie schaffts Du es, so viel zu schreiben?
Robert Basic: Da ich selbständig bin, bieten sich einem zahlreiche Kommunikationskanäle. Das Blog gehört aktuell zu einem sehr modernen Instrumentarium. Es hilft, meine eigene Erfahrungen zu sammeln, über den Austausch mit viel erfahreneren Unternehmern weltweit, als ich es jemals sein kann. Es hilft mir, meine zahlreichen Gedanken zu Wort zu bringen und diese mit anderen auszutauschen. Mein Blog ist sozusagen ein kreatives Outlet, sonst würde ich sterben, wenn das alles, was in mir herumschwirrt, irgendwie nicht raus kann. Und es ist ein wunderbares Medium, sich kennenzulernen und auszutauschen, das sowohl auf privater wie auch geschäftlicher Ebene. Die Frage ist also nicht, wie ich das schaffe, sondern die Frage ist vielmehr, ob sich das Zeitinvest lohnt, wenn man von lohnen sprechen will, was aber für Selbständige natürlich eine wichtige Frage ist. Ich kann für mich sagen, dass sich das Investieren von zeitlichen Ressourcen mehr gelohnt hat als alle anderen, denkbaren Maßnahmen. Was wiederum umgekehrt nicht heißt, dass der Return on Invest von anderen Kommunikations- und Vertriebskanälen besser oder schlechter ist. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich mag eben mit neuen Medien gerne herumexperimentieren. Halbe Sache sind zum Scheitern verurteilt. Also muss man es richtig oder gar nicht machen, was natürlich riskant ist. Was aber durchaus sehr spannnd ist: ich kann mittlerweile das Blog nicht mehr so trennen, dass es rein business ist. Es ist mittlerweile 50% privat und 50% business. Hinzukommt, dass ich nicht derjenige bin, der Business und Privat voneinander trennt, im Sinne einer sauberen Grenze. Mein Leben, sagen wirs mal so. Und das spiegelt sich auf dem Blog ganzheitlich wieder. Es ist mein Weg, mein Blog macht ihn lediglich transparent.
Klaus-Martin Meyer: Heute Morgen ist mir einmal mehr Deine Herz erfrischende Sprache postitiv aufgefallen. Du nennst die Kinder beim Namen und schreckst auch nicht vor der Vokabel “Arschlöcher” zurück. Gibt das auch manchmal Stress?
Robert Basic: Bis dato gab es nicht mal ansatzweise Stress. Es führt lediglich dazu, dass Dich die Firmen nicht mal ansatzweise hinzuziehen würden, um ihnen die Blog-Welt näherzubringen. Das ist mir aber ziemlich egal, ich lebe nur einmal und nehme keine Rücksicht auf Dinge, von denen ich nix halte. Dazu gehört falsch verstandene Rücksicht oder Zurückhaltung, nur weil es einen wirtschaftlich schädigen könnte.
Klaus-Martin Meyer: Im Moment sind viele Unternehmensgründungen am Start. Alle scheinen zu Bloggen. Wie nützlich/schädlich/wirkungslos ist das im Mittel?
Robert Basic: Für ein Web-Startup gehört ein Blog zum Standardrepertoire mittlerweile. Wer es nicht nutzt, ist selbst schuld, da ich mich mit einer klassischen Webseite nicht unterhalten kann. Schädlich wirds nur dann, wenn man kein Blog hat oder aber nur Dummfug auf dem Blog erzählt. Der aktuelle Fall Shoppero zeigt doch wunderbar auf, dass man das Firmenblog jetzt als Kommunikationsmedium verwenden kann, um auf die zahlreichen Kritiken einzugehen, die dazu dienen, dass sich Shoppero besser ausdifferenziert, aber auch als Firma zeigt, wie man damit umgeht. Es ist doch wunderbar, wenn ich die Gründer via Blog besser greifen und anfassen kann. Wieso sollte es nicht eine flache Hierarchie in der Kommunikation zwischen Kunde und Unternehmen geben, wo doch immer mehr Unternehmen auf flache Hierarchien intern setzen?
Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluß wollen wir Dich - wie alle anderen Interviewgäste auch - mit unserer Standardfrage quälen. Was wird die Welt der Blogger in den nächsten fünf Jahren am meisten beschäftigen und was überhaupt nicht mehr?
Robert Basic: Das Metabloggen wird weiter abnehmen, mittlerweile begreifen immer mehr Blogger das Bloggen. Die Erfahrungskurve steigt. Was man weiß, macht einen nicht mehr heiß. Wir werden uns weiterhin mit Abmahnungen beschäftigen müssen leider. Das wird noch eher zunehmen, wenn mehr Menschen auf den Blog-Zug aufspringen, weil ihre Präsenz dadurch immer stärker wird. Und die Unternehmen werden nicht mehr an uns vorbeikommen, da wir die anderen Konsumenten, eher passiven, zu einer größeren Mündigkeit erziehen. Es hängt also davon ab, ob die deutschen Webuser die Einfachheit eines Blog-Systems zu schätzen lernen, ihre Inhalte nun per Blog zu pflegen, statt auf klassische Content Management Systeme zu setzen. Die Webmaster ohne Blogs sind weit in der Überzahl, das wird sich ändern, denn nicht alle haben Bock, außen vor zu bleiben in einer sich zunehmend vernetztenden Welt. Blogs vernetzen, normale Websites -mit bisserl Forum von mir wegen- bieten diesen Vorteil nur sehr eingeschränkt.
Stichworte: Arschlöcher Basic Thinking Blogs Robert Basic

5. Mai 2007 17:41 |
[…] das neueste Blog-Interview meinerseits, diesmal auf dem Interview-Blog. […]
6. Mai 2007 03:27 |
Interessante Tags *lach*
Also einen würde ich rausnehmen
6. Mai 2007 20:23 |
“Wo seid Ihr?” oder Bloggen ohne Bischofsstab…
Bahnt sich schleichend ein Einstellungswechsel in der Blogosphäre an? Weg von der geliebten Bauchnabelschau, hin zu einem Blick auf das große Ganze? Anzeichen gibt es. Beispielsweise bei Robert Basic. Entsprechende Forderungen auch. Ausgerech…
7. Mai 2007 19:41 |
[…] Die verbesserte Kommunikation zwischen Informationsanbieter und Nachfrager entspricht nach Meinung von Robert Basic den veränderten Strukturen: “Wieso sollte es nicht eine flache Hierarchie in der Kommunikation zwischen Kunde und Unternehmen geben, wo doch immer mehr Unternehmen auf flache Hierarchien intern setzen?” […]
9. Mai 2007 15:29 |
[…] / Visual Blog 5. Julian Ulrich / Eint.de 6. Interview-Blog weitere Artikel: « Twitterix || Trackback-URL Artikelstatistik: · Gelesen: 6 · heute: 6 · zuletzt: Mittwoch, 09. Mai 2007 -15:48 […]
16. August 2007 14:25 |
[…] « Abmahnungen versus Blogger ————————————————————- Trackback-URL ————————————————————- Artikelstatistik: · Gelesen:9 · heute: 9 · zuletzt: Donnerstag, 16. August 2007 - 14:30 […]
25. August 2007 13:54 |
[…] « Gründerliebe ————————————————————- Trackback-URL ————————————————————- Artikelstatistik: · Gelesen:6 · heute: 6 · zuletzt: Samstag, 25. August 2007 - 14:00 […]
14. März 2008 12:21 |
[…] Weitere Interviews: 1. Martin Oetting per Videointerview 2. Peter Turi / Reader Edition 3. Yannick Eckl / Blogschrott 4. Matis Roskos / Visual Blog 5. Julian Ulrich / Eint.de 6. Interview-Blog 7. Thomas Kilian / Neukunden-Magnet 8. Florian / Imgriff.com 9. Jan von Gruenderszene.de per Videointerview 10. Peter Turi zum Werbekonzept 11. Felix Kubach in der Berliner Zeitung 12. Radio-G zum Einnahmereport Artikelzusatzinfos 1. Tags: Blog Interviews, interviews, Video Interviews 2. weitere Artikel (Kommentare) […]
5. Juni 2008 11:03 |
[…] Weitere Interviews: 1. Martin Oetting per Videointerview 2. Peter Turi / Readers Edition 3. Yannick Eckl / Blogschrott 4. Matis Roskos / Visual Blog 5. Julian Ulrich / Eint.de 6. Interview-Blog 7. Thomas Kilian / Neukunden-Magnet 8. Florian / Imgriff.com 9. Jan von Gruenderszene.de per Videointerview 10. Peter Turi zum Werbekonzept (auch Video) 11. Felix Kubach in der Berliner Zeitung 12. Radio-G zum Einnahmereport (Podcast) 13. Martin Hillmann / BloggingBox 14. Turi2 / Koepfe2 (Video) Artikelzusatzinfos 1. Tags: Blog Interviews, interviews, Video Interviews 2. weitere Artikel (Kommentare) […]