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“Ach, hätte ich doch früher was gemacht…” - Rückenschmerzen als Blog-Thema

interview-blog.de: Herr Weigand, wie kommt man auf die Idee zum Thema “Starker Rücken” bzw. “Bandscheiben” zu bloggen?

C. W.: Der Name “Starker Rücken” entstand ursprünglich aus einer zynisch-sarkastischen Laune heraus.
Muskulär war damals an der Stärke meines Rückens nichts auszusetzen, was ihn aber trotzdem nicht davon abhielt (und heute noch abhält), mich permanent
daran zu erinnern, daß da hinten irgendwo ein mechanischer Defekt vorliegt, der sich nachhaltig auf meine komplette Lebensführung auswirkt.
Im Prinzip könnte man die erwähnte Entstehungslaune auch als Trotzreaktion bezeichnen:
In Ordnung, Gevatter Rücken(schmerz), motorisch hast Du mich platt gemacht, Du hast mich angeknockt und der Ringrichter hat bis 8 gezählt - die erste Runde geht an Dich.
Aber ein Kampf von Schwergewichten hat bekanntlich 12 Runden und meine größte Stärke ist die Beharrlichkeit. Also freu’ Dich nicht zu früh !
Mit der Registrierung der Webseite “Starker Rücken” habe ich gewissermaßen die zweite Runde eingeläutet und meinen Gegner damit gekontert. Nichts anderes als eine
Variation in der Kampftaktik. Damit hat der Gegner nicht gerechnet. Diese Runde geht klar an mich !
Für die nächsten 10 Runden bin ich optimistisch, denn wenn der eigene Trainingszustand gut, und das Wissen um Stärken und Schwächen des Gegners optimal ist,
hat man bestmögliche Voraussetzungen für den erfolgreichen Angriff auf den Titel im Schwergewicht geschaffen.

interview-blog.de: Wie sieht es mit der Leserschaft aus? Liest diese (Rücken technisch betrachtet) prophylaktisch oder ist das “Kind schon in den Brunnen” gefallen?

C. W.: Mit Sicherheit ist bei den meisten das Kind nicht nur schon in den Brunnen gefallen, sondern halb ertrunken. Prophylaktische Gedanken kommen vielen erst, wenn die Rückenschmerzen sie dazu nötigen (ach, hätte ich doch früher was gemacht…). Wenn die Beschwerden dann da sind, wird sich fest vorgenommen, es durch zukünftige Prophylaxe nie wieder dazu kommen zu lassen. In der Regel ist es jedoch so, daß sobald der Schmerz verschwindet, auch die guten Vorsätze vergessen werden. Das ist nur eine Feststellung, keine Wertung.
Das geht mir selbst in vielerlei Hinsicht nicht anders.
Beim Bandscheiben-Blog ist es so, daß vielen meiner potentiellen Lesern diese Kommunikationsform unbekannt ist. Da kommen Fragen, wie z. B.:”Was ist das denn für ein komisches Forum hier ?”
Bedenkt man, daß die aktive Beteiligungsrate in Blogs ohnehin sehr gering ist und in meinem Fall die Zielgruppe zusätzlich auf kommunikatives Neuland trifft, kann sich jeder vorstellen, daß die Interaktionen eher schleppend verlaufen. Die Besucher sind da, es werden wöchentlich mehr, aber kaum einer traut sich mitzumachen - das ist mein Empfinden.
Aber das Blog ist nicht kurzfristig ausgerichtet, sondern soll sich langfristig etablieren. Es ist das erste in diesem speziellen Themenfeld, mit informativen Inhalten gefüllt und wird sich mit steigendem Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad von Blogs in seiner thematischen Nische durchsetzen und erfolgreich sein.

interview-blog.de: Sie schrieben kürzlich selbst: “Rücken sells” und bezeichneten den Rücken als Marktfaktor. Liegt da nicht die Vermutung nahe, daß Sie auf den fahrenden Zug aufspringen möchten?

C. W.: Ich springe auf den Zug auf, das ist richtig. Allerdings ist das ein Zug, der parallel zu den anderen Zügen fährt und in dem bisher kaum jemand Platz genommen hat. Hier reist einer, der die ganze therapeutische Maschinerie durchlaufen hat ohne daß entscheidende Besserung eingetreten wäre. Viele Dinge, die ich erwähne, habe ich am eigenen Leib ‘testen’ dürfen. Ich habe unzählige Stunden in Wartezimmern von Ärzten und in Kliniken gesessen, nur um mir erneut anhören zu müssen, ich sei austherapiert. Wenn ich Spritzen sehe, kann ich nur noch müde lächeln, so viele sind im Laufe der Zeit in meine Gesäßhälften und Rücken gepumpt worden und in meinen Taschen befindet sich immer eine Voltaren-Kapsel.
Das macht den großen Unterschied zu den vielen “Make-Rückenmoney-Webseiten” aus.
Es ist doch so: Es gibt z. B. Webseiten, auf denen gut verdienende Unternehmensberater oder Politiker emotionslos zu Armut und Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen referieren, ohne selbst einmal jahrelang von 400 Euro im Monat gelebt zu haben. Ist sowas authentisch ? Wieso liest das überhaupt jemand ? Wieso ist irgendjemand bereit, diesen Beratern auch noch Geld für Ihre Tätigkeit zu offerieren ?Ebenso verhält es sich mit vielen kommerziellen Gesundheits- und Rückenschmerzbeiträgen und -webseiten. Jemand, der nie selbst in der Situation war, preist Weisheiten und Techniken an, die anderen helfen sollen. Helfen die Ratschläge und Methoden tatsächlich und überwiegt der Nutzwert für die Betroffenen, haben sie Ihre Berechtigung. Geht es aber ausschließlich um eine Gewinnoptimierung, kommen mir persönlich ethische Zweifel.
Respekt zolle ich hingegen den unzähligen Foren Betroffener, wo sich eine Person aufgemacht hat, ohne wirtschaftliche Hintergedanken eine Plattform für Leidensgenossen zu schaffen. Hier würde ich niemals verurteilen, wenn sich die Betreiber der Foren irgendwann für Ihren immensen Arbeitsaufwand einen finanziellen Ausgleich über themenrelevante Werbung oder ähnliche Maßnahmen generieren.
So sehe ich das auch im Hinblick auf den “starken Rücken”.

interview-blog.de: Zum Abschluß unsere etwas abgewandelte Standardfrage: Wie wird man in fünf Jahren einen Bandscheibenvorfall behandeln?

C. W.: Bei einem schweren Bandscheibenvorfall (mit Ausfallerscheinungen) wird weiterhin das Mittel der Wahl die Operation sein, anders ist leider eine bleibende Schädigung von nervalen Strukturen nicht zu vermeiden.
Allerdings sind schon heute diese Operationen längst nicht mehr so invasiv, wie noch vor einigen Jahren. Bei diesen ‘kleinen Schnitten’ werden sich mit Sicherheit auch zukünftig noch Fortschritte bzgl. der technischen Ausführung ergeben, sodaß die Belastung für den Patienten noch geringer wird (und was die Liegezeiten in den Kliniken verkürzt). Flächendeckende, ambulante Bandscheibenoperationen? - Wer weiß ?
Grundsätzlich wird der Trend aber dahin gehen, Operationen zu vermeiden. In der Vergangenheit wurden viel zu schnell die Messer gewetzt. Und wie neueste Studien zeigen, besteht langfristig hinsichtlich der Beschwerdeintensität kaum ein Unterschied zwischen operierten und nicht-operierten Bandscheibenpatienten (wenn keine Ausfallerscheinungen vorliegen).
Also, statt OP: Physiotherapie und Bewegung. Und hoffentlich analog zu den Themen ‘Übergewicht’ und ‘Rauchen’ verstärkte Präventionsarbeit. Vielleicht setzt sich dann irgendwann in den Köpfen der Slogan: “Nicht bewegen schadet Ihrem Rücken” fest.

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2 Kommentare zu ““Ach, hätte ich doch früher was gemacht…” - Rückenschmerzen als Blog-Thema”

  1. Bandscheiben-Blog » Blog Archive » Mein Interview sagt:

    […] Beim Interview Blog habe ich mich interviewen lassen. Seht’s Euch mal an. […]

  2. Rückenschmerzen vom Übergewicht - warum das? sagt:

    […] Oder muss der Artikel erst noch geschrieben werden, und wer übernimmt das? (Eigentlich könnte ich auch eine e-mail schreiben, aber so ist das doch etwas transparenter, und Transparenz ist ja ein Zeichen der Neuzeit; ein Interview mit einem mit dem Thema vertrauten Blogger habe ich gerade gelesen; da gibt es eine “Blogphilosophie”, mit der ich mich gut identifizieren kann. ) […]

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