„Bestelle hiermit schöne Massivholzküche, Geld spielt keine Rolle“ - Im Gespräch mit herwig Danzer (Die Möbelmacher) » Interview Blog

„Bestelle hiermit schöne Massivholzküche, Geld spielt keine Rolle“ - Im Gespräch mit herwig Danzer (Die Möbelmacher)

interview-blog.de: herwig, du bist einer der beiden Geschäftsführer der Firma Die Möbelmacher GmbH. Wie wird aus einem Möbelmacher ein Blogger?

herwig Danzer: Seit 11 Jahren geben die Möbelmacher ein 52-seitiges Jahrbuch heraus, dass in einer aktuellen Auflage von 6000 Stück gedruckt und an 4200 Kunden kostenlos verschickt wird. Kostenlos leider nur für die Kunden, wir finanzieren diese für eine Massivholzschreinerei mit 17 Mitarbeitern als Mammutobjekt zu bezeichnendes Vorhaben komplett mit den Werbekostenzuschüssen unserer Lieferanten wie z.B. dem Polstermöbelhersteller Jori, Miele, usw. und natürlich auch mit den Anzeigen der regional aktiven Partnerbetriebe. Aber jeder Kalender erscheint nun mal nur jährlich und ich suchte ein Medium, in dem wir aktueller über unsere Einrichtungsarbeit - und was wir sonst noch so tun - berichten können.
In der Fachzeitschrift „Internet Professionell“ habe ich den Artikel über deren eigenes Blog und wie man eines anlegt gelesen. Als autodidaktischer IT-Nullchecker beschloss ich voller Vertrauen in deren Auswahl keine eigene Recherche mehr zu betreiben, sondern einfach alles zu übernehmen. So kam ich zu TypePad, deren Support und Spam-Freiheit mir viel mehr Wert wäre, als es kostet und dann kam noch ein Online-Workshop in der workshopwelt.de dazu, bei dem meine Sekretärin Nina (Webse) Schoproni und ich ein paar wichtige Grundregeln lernen konnten.
Gleichzeitig wollte ich den Umbau unserer Homepage auf Typo3 bei Google unterstützen, was zwar super gelungen ist – das Blog hatte gleich ein Google Ranking von 6 und die Homepage von 5, leider ist beides einen Punkt zurückgefallen – was aber insgesamt nicht die erhoffte Wirkung hatte. Früher dachte ich, wenn wir erst mal unter dem Einzelsuchwort „Massivholzküche“ auf Seite 1 sind, dann kann ich nach ein paar Wochen Arbeit in Urlaub fahren, heute weiß ich, dass selbst der aktuelle Platz 2 auf Seite 1 die normale Arbeit ein wenig unterstützt aber nichts weltbewegendes erreicht. Die erhoffte Mail „Bestelle hiermit schöne Massivholzküche, Geld spielt keine Rolle“ kam zumindest bisher noch nicht an.
Das Blog war von Anfang an als logische Ergänzung zur Homepage gedacht, deswegen sind die verschiedenen Kategorien ja auch den unterschiedlichen Seiten der Homepage per RSS-Feed zugeordnet. Wer sich für Küchen interessiert, findet alle Fotos, und Werbeinfos auf der Homepage, unter der Rubrik „Die Küche zum Kochen“ erfährt er im Blog aber auch, wie wir uns wirklich mit dem Thema auseinandersetzen: Wir erzählen vom Ernährungsexpertensymposium, von den Kochshows mit regionalen Spitzenköchen, oder wie wir als erster Hersteller eine Küche um die neue Miele Titan-Geräte-Serie gebaut haben. Die Homepage sehen Kunden als Werbung, mit entsprechend geringem Glaubwürdigkeitsfaktor, das Weblog dagegen soll die persönliche Führung durch Werkstatt und Ausstellung darstellen und zeigen, wie wir wirklich „ticken.“

interview-blog.de: Wieso heißt das Möbelmacher-Blog „Nachhaltigkeits-Blog?“

herwig Danzer: Es sollte nicht den Firmennamen führen, sich gleichzeitig aber auch nicht auf Einrichtung und Holzverarbeitung beschränken. Und da wir an vielen Stellen mit Nachhaltkeitspreisen, -managementsystemen, - berichten und Nachhaltigkeitsdiskussionen zu tun haben, haben wir genau dieses journalistische Schreckenswort als Namenspatron gewählt. Nicht zuletzt, weil der Begriff „Nachhaltigkeit“ aus der Forstwirtschaft kommt und dort auch ganz einfach zu erklären ist: Man schlägt nicht mehr Holz ein, als nachwächst.

interview-blog.de: Ist das Bloggen im Hinblick auf den Geschäftszweck deiner Firma förderlich? Welche Reaktionen gibt es von Kunden und Kollegen?

herwig Danzer: Natürlich gibt es den Bilderbuchkommentar „Auf der Homepage habe ich gesehen, dass mir Ihre Küchen gefallen, aber im Weblog habe ich gemerkt, dass ich unbedingt so eine haben will.“ Aber insgesamt muss man das Weblog realistisch als eine von vielen vertrauensbildenden Maßnahmen sehen. Leider eine Maßnahme, die im Moment eher zu viel Arbeit macht, die Homepage könnte schon viel weiter sein und mein Schreibtisch seine schöne Holzoberfläche zeigen wenn nicht ständig Bloggen anstünde. Zwar schreiben auch einige unsere Mitarbeiter und Gastautoren immer wieder mal was, aber das Blog am Laufen zu halten ist schon aufwändig. Natürlich steigt der Bekanntheitsgrad, die Pressearbeit wird unterstützt – waren gerade in der Wochenzeitung „Die Zeit“, mehrfach in der „Taz“, in Sat 1 und zusammen mit Hess Natur und Faber Castell in Bayern2Radio – und man lernt in der Bloggerszene auch viele, meist nette Leute kennen. In seiner Diplomarbeit „Blogstudie“ kam Ingo Haupt zu dem Ergebnis:

„Ausserdem ist noch interessant, dass die meisten Leser des Nachhaltigkeits-Blogs auch Kunden sind! Die Bewertung hinsichtlich der Loyalität ist auch eindeutig positiv. Insgesamt ergibt sich also auch ein sehr positives Bild des Weblogs!“

Leider kriege ich von den lesenden Kunden zu wenig mit, das Kommentieren in einem Blog ist für die meisten eine hohe Hürde, die man vermutlich nur mit Geduld und ständiger Überzeugungsarbeit überwinden kann.
Aber wenn man alle Faktoren zusammennimmt, Imagegewinn, Googleranking, Verkaufsunterstützung und nicht zu vergessen auch ein gutes Stück Spaß, macht es nach meinen bisherigen Erfahrungen schon Sinn ein Unternehmens-Blog zu führen.

interview-blog.de: Euere Firma setzt stark auf regionale Wirtschaftskreisläufe. Dein Blog kann in der ganzen Welt gelesen werden. Ist das ein Spagat?

herwig Danzer: Ja, und da meine Gelenkigkeit nicht zuletzt durchs Bloggen inzwischen zu wünschen übrig lässt (bärtig und dick sei der Durchschnittsblogger angeblich), ist die ursprünglich angedachte Ausrichtung auf die Region nicht ganz leicht mit den vielen Lesern, die von außerhalb kommen zu vereinbaren. Andererseits stehen unsere Möbel und Küchen in der Zwischenzeit zwischen München und Hamburg, einige auch im Ausland, da kann eine Öffnung von Franken nach Europa auch nicht wirklich schaden. Mehr Regionalität wäre mir aber eigentlich lieber, aber dafür fehlen einfach (noch?) Leserreaktionen für regionale Veranstaltungen, wie zum Beispiel eine Kunstausstellung in der Sparkasse Hersbruck.

interview-blog.de: Was waren für Dich die interessantesten Themen im Nachhaltigkeits-Blog?

herwig Danzer: Mich hat der Olympia-Abmnahn-Skandal des Saftblogs sehr beschäftigt. Ich habe viel mit Kirstin Walther telefoniert und bin ein wenig enttäuscht, wie das ganze auf einmal zu Ende war, obwohl es noch unzählige Beispiele von aberwitzigen Abmahnskandalen gibt und die Forderung der Anwälte nach der Veröffentlichung ihrer Sätze im Saftblog unter Kirstins Namen ein eigener Skandal wäre. Das Managermagazin hat den angekündigten Artikel über diese dreiste Art der Abzocke dann doch nicht gebracht und so kam leider trotz des Engagements vieler Blogger nicht viel heraus, außer der Heruntersetzung der Gebühr für die Saftblogger, was extrem wichtig war, aber eben nur ein Teilziel. Halt, stimmt nicht ganz, Jochen Gottwald hat ja noch eine Petition am Laufen.
Im Moment finde ich die Geschichte unserer Gastautorin Nicola Polterauer lustig, die einen erstaunlichen Brief von der Taz bekam, weil sie Ihr Probe-Abo nicht in ein Voll-Abo umwandeln wollte. Die BWL-Umweltfrau, damals auf Jobsuche, schreibt eigentlich noch ganz liebevoll über „Ihre Taz,“ obwohl das Schreiben andere Leute, wie zum Beispiel eine Taz-Redakteurin, die grade bei uns zu Gast war, an die Decke bringt.
Und dann habe ich mich als Nicht-Parteimitglied(!)noch gefreut Gabriele Pauli mit einem Minibeitrag bei ihrem Einsatz für eine glaubwürdige Parteiarbeit der CSU unterstützen zu dürfen, für den sie sich sogar persönlich per Mail bedankt hat.

interview-blog.de: Spielen wir einmal “Wünsch-Dir-was”? Wie soll sich euere Firma und der Nachhaltigkeitsblog in den nächsten Jahren entwickeln?

herwig Danzer: Für die Firma wünsche ich mir, dass das momentane Auftragshoch anhält und dass die gerade in den Mitarbeitergesprächen abgefragte hohe Zufriedenheit durch die viele anstehende Arbeit und wohl auch ein wenig Termindruck nicht abnimmt. Und dass noch mehr Menschen erkennen, dass Lebensqualität mehr mit liebevoller, funktionaler und individueller Einrichtung aus ehrlichen Materialien zu tun hat, als mit teuren Autos.
Im Nachhaltigkeitsblog wünschte ich mir Kunden, Lieferanten und Freunde, die mit uns Themen wie regionale Wirtschaftskreisläufe, Lebensqualität, oder auch einfach Kochen und Küche offen diskutierten. Denn wir wollten eigentlich durch das Blog auch die Denkweisen und Wünsche unserer Kunden kennen lernen, wie wir das mal euphorisch in unseren Zielen im Titel formuliert haben. Und bis zum zweiten Bloggeburtstag am 26. März wünschte ich mir ne Durchschnittsbesucherzahl über 400, die wir bisher als Tagesergebnis nur selten erreicht haben.

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